BUNDESTAGSWAHL

▶ Was steckt hinter den alten Wahlplakaten von CDU, SPD und FDP?

Werbebanner von der ersten Bundestagswahl im Jahr 1949 haben in dieser Woche für einiges Aufsehen in Mecklenburg-Vorpommern gesorgt. Was sollen sie uns sagen?
Das ganze Deutschland soll es sein, meinte die CDU 1949 (links).  Auch die FDP mischte damals schon mit und forderte unter and
Das ganze Deutschland soll es sein, meinte die CDU 1949 (links). Auch die FDP mischte damals schon mit und forderte unter anderem „Schluss mit Entnazifizierung“ (MItte). Vorwärts für ein freies Deutschland, plakatierte die SPD. Gern auch in den Grenzen vor dem Zweiten Weltkrieg (rechts). Nadine Schuldt/Bernd Wüstneck/Heiko Wahle
Teterow ·

Polizei, Staatsanwaltschaft, Staatsschutz – sie alle haben sich in diesen Tagen mit einigen Wahlplakaten beschäftigt, die völlig aus der Zeit gefallen sind. Sie waren unter anderem in Teterow, Gnoien oder auch in Dargun aufgetaucht. Einige der Plakate zeigen Deutschland in den Grenzen vor dem Zweiten Weltkrieg.

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Die CDU fordert etwa „Das ganze Deutschland soll es sein“, die SPD – ebenfalls die Grenzen von damals im Hintergrund – plakatiert „Vorwärts für ein freies Deutschland“. Immer noch ist unklar, wer hinter dieser Aktion steckt. Was sie allerdings bewirken soll, sei dann doch ziemlich leicht zu durchschauen. Das meint zumindest der Teterower Geschichtsforscher Siegfried Eckert, der sich in dieser Woche etwas näher mit den historischen Werbebannern beschäftigt hat.

Vor allen an Vertriebene gerichtet

Die Plakate hätten sich bei der ersten Bundestagswahl im Jahr 1949 vor allem an die Wähler gewandt, die am Ende des Zweiten Weltkrieges ihre Heimat östlich der Oder und Neiße verlassen mussten. Diese Heimatvertriebenen, Flüchtlinge und Ausgewiesene seien eine große Wählergruppe gewesen und sie hätten sich wohl vor allem für solche Parteien entschieden, die sich für die Rückkehr in die alte Heimat einsetzten.

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„Da lag es für etliche Parteien nahe, ihnen entsprechende Versprechungen zu machen, selbst wenn man sicher sein konnte, dass laut Potsdamer Abkommen die ehemals deutschen Ostgebiete inzwischen an Polen, der Tschechoslowakei und der Sowjetunion abgetreten waren“, erklärt Siegfried Eckert. Insofern würden die Wahlplakate von damals mit den Sehnsüchten von Millionen Menschen spielen. Wahlkampflosungen von einem „ungeteilten Deutschland“ seien bei denen, die ihre Heimat verloren hatten, aber durchaus gut angekommen.

Längst hatten sich in Westdeutschland auch bereits Vereine der Flüchtlinge und Vertriebenen gebildet. Im Jahr 1950, so berichtet Siegfried Eckert weiter, entstand dann eine besondere Partei, die sich Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE) nannte. Bei der folgenden Bundestagswahl sei sie sogar in den Bundestag eingezogen, habe mit der CDU eine Koalition gebildet und unter Kanzler Konrad Adenauer (CDU) zwei Minister gestellt.

Landkarte mit den Besatzungszonen

„Hier im Osten sah man zwar nicht derartige Wahlplakate, wohl aber erhielten wir Zeitschriften des Heimatverbandes zugeschickt“, erinnert sich Siegfried Eckert. Unter anderem gehörte dazu eine Landkarte, die Deutschland mit den Besatzungszonen darstellte. Darin wurden die Gebiete östlich von Oder und Neiße aufgeführt als „unter polnischer Verwaltung“ bzw. „unter sowjetischer Verwaltung“. Für die Älteren konnte die Schreibweise „unter Verwaltung“ nur heißen, dass die Abtrennung lediglich vorläufig wäre.

„Solche Wahlplakate haben 1949 zwar viele Hoffnungen geweckt, aber deren Verfasser wussten genau, dass die Wahlversprechen unseriös waren“, sagt Eckert. Das Zur-Schau-Stellen dieser alten Plakate könne für die betreffenden Parteien heute nur noch peinlich wirken. Und genau das dürfte wohl auch die Absicht derjenigen gewesen sein, die die historischen Aufsteller nun noch einmal hervor gekramt und nachgedruckt haben.

 

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Kommentare (3)

Ist es schlimm den Parteien mal den Spiegel vor das Gesicht zuhalten....Ich will auch den deutschen Osten nicht zurück....wir hätten ja nur Syrer und Afgahnen als Siedler und mir als Pommer sind da die Polen lieber als Nachbarn für den Notfall....zwecks Anschluß.

Um genau zu sein, hat sich die SPD sogar besonders weit aus dem Fenster gelehnt und das Deutsche Reich in den Grenzen vor dem Versailler Vertrag dargestellt. Und Ostdeutschland wurde faktisch wirklich erst völkerrechtlich verbindlich mit dem 2+4 Vertrag abgetreten. Die Idee einer Rückkehr war einige Zeit nicht völlig irreal ( haben auch die Polen in den neubesiedelten Gebieten häufig so gesehen ). Vielleicht wollte der Veranstalter dieser Aktion auch nur auf den populistischen Charakter von Wahlplakaten im Allgemeinen hinweisen - großen Wählergruppen wird eben Honig um`s Maul geschmiert, auch wenn man`s als Partei besser weiß. Die Vertriebenen wurden später ( 80er ) fast nur noch von der CDU/CSU gebauchpinselt - da war eben schon absehbar, daß sie als Wählermasse nicht mehr taugen.

genau auch meine Meinung.