Bärbel Krohn führt die Sonntagsspaziergänge in Malchin an.
Bärbel Krohn führt die Sonntagsspaziergänge in Malchin an. Torsten Bengelsdorf
Hat seit Mitte Dezember bei den Montagsspaziergänge in Teterow das Sagen: Christian Wolter
Hat seit Mitte Dezember bei den Montagsspaziergänge in Teterow das Sagen: Christian Wolter Thomas Koch
Anna Schlorff organisiert in Gnoien die Kundgebungen.
Anna Schlorff organisiert in Gnoien die Kundgebungen. Torsten Bengelsdorf
Versammlungsleiter

Wer sind die führenden Köpfe der Corona-Demos?

Die Politik wird nicht müde, immer wieder aufzurufen, man möge sich doch bitte genau anschauen, mit wem man dort bei den Corona-Demonstrationen auf die Straße geht.
Malchin

Malchin

Es war eine ganz spontane Entscheidung, als sich Bärbel Krohn kurz vor Weihnachten dazu bereit erklärte, die Versammlungsleitung der Sonntags-Kundgebung in Malchin zu übernehmen. Die Polizei hatte damals bemängelt, dass die Demo in Malchin bis zu diesem Zeitpunkt nicht angemeldet war. Dabei hatte sich Bärbel Krohn zuvor schon nach einer Demonstration in Rostock mit dem Gedanken beschäftigt, mit dafür Sorge zu tragen, dass die Kundgebung daheim in die richtige Richtung gehen solle.

Mittlerweile führt die Malchiner Heilpraktikerin die größte Demonstration in der Mecklenburgischen Schweiz an. Über 400 Teilnehmer wurden am vergangenen Sonntag (16. Januar) gezählt. „Schon am Sonntagmittag setzt bei mir das Adrenalin ein. Ich fühle mich dann wie vor einem 100-Meter-Sprint“, schildert die ehemalige Sprinterin und Hürdenläuferin. Jeden Sonntagvormittag schaut sie sich noch einmal die gesetzlichen Vorschriften für die Demonstrationen an. „Irgendwie verändert sich da ja immer wieder etwas.“

Dass sie Menschen für etwas begeistern kann, das habe sie im Sport erfahren. „Wenn man im Leistungssport tätig ist, dann lernt man, in der Gemeinschaft zu kämpfen“, erklärt Bärbel Krohn, die in Malchin mehrere Sportgruppen leitet. Sie selbst habe bereits eine Corona-Infektion überstanden – mit einem milden Verlauf, wie die 59-Jährige sagt. Geimpft ist sie nicht. Der Impfstoff habe nur eine Notzulassung, mögliche Langzeitfolgen seien damit nicht ausreichend erforscht, meint Bärbel Krohn. Dafür setzt die Heilpraktikerin auf Bakterienkulturen, die die Schleimhäute vor einer Viren-Infektion schützen könnten. Da sie nicht geimpft ist und bald den Genesenen-Status verliert, droht ihrer Praxis im Frühjahr die Schließung. Sie hoffe aber immer noch, dass es nicht soweit kommt.

Teterow

Für ein Zeichen lebendiger Demokratie hält Christian Wolter die Spaziergänge gegen die Spaltung der Gesellschaft und gegen die Impfpflicht. Seit Mitte Dezember organisiert der 49-Jährige den Protest in seiner Heimatstadt Teterow. Die Politik, so ist er überzeugt, werde nicht von allein zur Normalität zurückkehren. Das funktioniere nur, wenn die Menschen ein Zeichen setzen und ihre Meinung auf der Straße vertreten, erklärt er, warum er Montag für Montag immer wieder zu Protestspaziergängen in der Bergringstadt einlädt.

Der studierte Museologe ist selbst nicht geimpft und sieht dafür auch keine Veranlassung. „Mein Hausarzt hat mir davon abgeraten, weil der Impfstoff zum einen nur eine Notzulassung hat und ich zu keiner Risikogruppe gehöre. Und dem Rat meines Arztes vertraue ich mehr als jedem Politiker“, sagt Wolter. Besonders am Herzen liege es ihm, dass sich der Protest auch weiterhin friedlich manifestiert. Es seien nur friedliche Leute angesprochen, an den Teterower Spaziergängen teilzunehmen. Lobende Worte findet er für die Rolle der Polizei: „Die Beamten seien stets sehr zuvorkommend und kommunikativ und haben uns bislang immer sicher durch die Stadt gebracht. Auch dafür kann man einfach mal Dankeschön sagen“, betont er.

Gnoien

Anna Schlorff kann sich noch nicht sicher sein, ob sie am Mittwoch die Demonstration in Gnoien wieder anführt. Einer ihrer beiden Söhne ist positiv getestet worden, weshalb die Mutter nun in Quarantäne ist. Ein Test am Mittwoch wird darüber entscheiden, ob sie zu der Kundgebung kommen kann. Falls nicht, würde Christian Wolter aus Teterow die Versammlungsleitung übernehmen, berichtet die 36-Jährige. Anfangs sei auch sie in Teterow mitgewandert und dabei dann auf die Idee gekommen, so eine Kundgebung auch in ihrer Heimatstadt Gnoien auf die Beine zu stellen. Die Leute, die seit Anfang Januar jetzt jeden Mittwochabend durch die Gnoiener Straßen ziehen, würden alle das gleiche Ziel haben. „Sie wollen ihren Unmut zeigen über eine mögliche Impfpflicht und darüber, dass die Politik bei den Corona-Maßnahmen das nötige Augenmaß verloren hat.“ Dass die Teilnehmer der Demo auf sie hören, habe nichts mit ihrer Person zu tun. Die Leute würden nachvollziehbaren Regeln einfach folgen. Die meisten in Gnoien würden sie auch gar nicht kennen, da sie ja aus Warbelow komme, wo sie im Büro ihres Vaters, einem Fach-Tierarzt, mitarbeitet.

Auch Anna Schlorff ist nicht gegen Corona geimpft. Sie ärgert sich darüber, dass viele Politiker immer noch sagen würden: Das sind doch nur wenige, die da demonstrieren. „Ich frage mich, warum die Politik nicht mit den Bürgern redet und alle Beschlüsse und Maßnahmen nicht mit den Bürgern abstimmt.“ Und wenn die Maßnahmen dann nichts bringen, dann seien stets die Ungeimpften schuld.

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