Seit einer Woche gilt die Alarmstufe im Notfallplan Gas. Das löst bei Verbrauchern zunehmend Verunsicherung und Ängs
Seit einer Woche gilt die Alarmstufe im Notfallplan Gas. Das löst bei Verbrauchern zunehmend Verunsicherung und Ängste aus, wie hoch wohl künftige Gasrechnungen werden. Patrick Pleul
Energiekosten

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Nachdem Russland die Lieferungen gedrosselt hat, gilt Gas als knappes Gut. Doch wie gehen Versorger in Teterow, Malchin und Stavenhagen mit der Alarmstufe um?
Malchin

Die Alarmstimmung bei der Gasversorgung verunsichert auch viele Verbraucher in den Städten und Gemeinden der Region. Gas gilt spätestens seit dem vergangenen Donnerstag, als Wirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) die Versorgung ganz offiziell in den Alarmzustand versetzte, als ein knappes Gut, mit dem nun äußerst sparsam umgegangen werden soll. Die Versorgung ist als gefährdet eingestuft. Doch was heißt das nun für die Menschen vor Ort?

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Für die Kunden der Stadtwerke Teterow hat die Alarmstufe vorerst keine Auswirkungen und für die Endkundenpreise noch keine Relevanz, versichert Geschäftsführer Hagen Frank Böhme. Die Versorgungssicherheit mit Gas sei weiter gewährleistet. Wie sich die Situation weiter entwickelt, werde von dem Unternehmen sehr genau beobachtet. In der Region rund um Teterow versorgen die Stadtwerke circa 2500 Kunden mit Gas. Wenn sich die Bundesnetzagentur allerdings entschließen sollte, den Paragrafen 24 des Energiesicherungsgesetzes anzuwenden, würden die Karten ganz neu gemischt. In dem Paragrafen ist geregelt, dass bei einem erheblichen Rückgang der Gasimporte alle davon betroffenen Energieversorgungsunternehmen das Recht haben, ihre Gaspreise gegenüber den Kunden auf ein angemessenes Niveau anzupassen. „Derzeit kann niemand sagen, wie hoch sich die Preise für die Endverbraucher dann entwickeln werden“, sagt der Teterower Stadtwerkechef.

Stavenhagen frühestens 2025 unabhängig von Gas

In Stavenhagen ist derweil der Geschäftsführer der Wärmeversorgung-Gesellschaft, Steffen Oriwol, schon eine ganze Weile nervös. Die Gaspreise seien immerhin bereits im vergangenen Jahr drastisch gestiegen, der Ukraine-Konflikt habe die Lage nur noch verschärft. Noch läuft die Fernwärme in Stavenhagen über Erdgas und Heizöl, doch das wohl nicht mehr allzu lange. Sobald der Wärmeversorger die Abwärme der gerade im Bau befindlichen Klärschlamm-Verbrennungsanlage nutzen könne, werde man unabhängig vom teuren Gas, versichert Oriwol. Derzeit verbraucht die Wärmeversorgung im Jahr etwa 20 000 Megawattstunden Gas, je nachdem, wie kalt der Winter ist.

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Doch der Schalter könne frühestens 2025 umgelegt werden. „Das heißt, dass wir die Jahre 2023 und 2024 noch überstehen müssen“, sagt Oriwol. Zunächst müssten noch Leitungen die Schultetusstraße entlang verlegt werden, und auch Leitungen bis Jürgenstorf seien geplant. „Wir wären gern schon weiter gewesen.“

Malchin setzt auf Biomasse und Wasserstoff

Die Fraktionen der Stadtvertretung hätten es aber dem Unternehmen EEW Energy from Waste nicht gerade leicht gemacht. Das Hickhack um den Bau habe gebremst, das lange Genehmigungsverfahren und die Proteste gegen die Anlage hätten alles verzögert. Seit November baut EEW nun. Angedacht ist, dass künftig die Wärme der Klärschlammverbrennung in das Fernwärmenetz eingespeist wird. Ansonsten würde diese verpuffen. Etwa die Hälfte der Haushalte in Stavenhagen seien am Netz angeschlossen. EEW könnte aber auch die ganze Stadt versorgen.

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Auch in Malchin will man bei der Fernwärme so schnell wie möglich weg vom Gas – und ist dabei mit dem Biomasse-Heizkraftwerk in der Basedower Straße auf einem guten Weg. Ab dem nächsten Jahr soll ein Großteil der Gebäude im Stadtgebiet bis zu 75 Prozent mit erneuerbarer Energie aus dem Bio-Kraftwerk versorgt werden. So sieht es der neu geschlossene Vertrag mit dem Wärmeunternehmen energicos vor. Den Gasanteil wolle man perspektivisch versuchen, mit Wasserstoff zu ersetzen, hatte Bürgermeister Axel Müller (CDU) unlängst angekündigt.

Außerdem will die Stadt im Herbst auf Informationsveranstaltungen dafür werben, dass sich noch mehr Haushalte der erneuerbaren Fernwärme anschließen. „Es sind ja derzeit viele Hausbesitzer dabei, über eine neue Heizung nachzudenken“, sagt Müller. „Wir wollen da abfragen, wie das Interesse ist.“ Wie sich der Bio-Ofen auf die künftige Betriebskosten-Abrechnungen auswirkt, das vermag allerdings derzeit noch niemand vorauszusagen.

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