„Jung und Naiv” bei der Bundeswehr

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Wie Tilo Jung auf einem zwölf Jahre alten Symbolfoto auftauchte

Zweimal Tilo Jung: Links im Jahr 2005 als Bundeswehr-Rekrut, rechts im Jahr 2017 bei einer Veranstaltung.
Zweimal Tilo Jung: Links im Jahr 2005 als Bundeswehr-Rekrut, rechts im Jahr 2017 bei einer Veranstaltung.
Jens Büttner

Der Nordkurier berichtete über unsportliche Bundeswehr-Rekruten und nutze dafür ein Archivbild. Zufällig zeigte das Foto einen bekannten Malchiner.

Ohne Symbolfotos hätten Journalisten ein Problem. Über Dinge zu schreiben ist meist recht einfach, doch nicht immer ist sofort auch ein passendes Bild zum Thema parat. Manchmal muss es eben schnell gehen. Gerade im Internet muss aber eigentlich jeder Artikel irgendwie bebildert sein, damit er sich etwa im Nachrichtenstrom der sozialen Netzwerke behaupten kann. Aus diesem Grund gibt es Symbolfotos. Sie zeigen nicht den konkreten Sachverhalt, sondern einen ähnlichen Zusammenhang. 

Nachrichtenagenturen halten ein riesiges Archiv an Symbolfotos parat. Blitzer, Polizeikelle, Krankenwagen mit Blaulicht, nächtlicher Faustkampf – es dürfte bereits aufgefallen sein, dass solche und ähnliche Fotos immer wieder auftauchen, um Nachrichten zu illustrieren. Berühmt wurde dieses Rückenfoto von einem Mädchen mit roter Jacke im Neubaugebiet, dass in vielen Artikel wahlweise für Armut, abgehängte Gegenden oder Hartz 4 stehen sollte. Symbolfotos können also auch dabei helfen, Klischees zu bedienen.

Hauptstadtjournalist im Bundeswehr-Tarn

Der Nordkurier berichtete in diesen Tagen über die Bundeswehr und ihre Rekruten, die mitunter ein Problem mit ihrer Fitness haben. Für die Illustration machten wir uns auf die Suche nach einem passenden Symbolfoto und wurden fündig. Darauf robbt sich ein junger Mann mit Helm und Tarnuniform auf einer Wiese voran – sieht nach Wehrdienst aus, passt!

Was wir nicht wussten: Das Foto zeigt den Journalisten Tilo Jung, der ausgerechnet aus Malchin kommt, einer Stadt, die im Nordkurier-Verbreitungsgebiet liegt. Jung ist heute vor allem für sein Videoformat „Jung&Naiv” bekannt, bei dem er und sein Partner das politische Berlin für junge Zuschauer aufbereiten.

Mit zusammengebissenen Zähnen leistete er also in der 4. Kompanie des Panzerbataillons 403 in Stern-Buchholz bei Schwerin seine Grundausbildung ab, wie die Bildunterschrift verrät. Jens Büttner, ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur (dpa) hat ihn damals im Oktober 2005 fotografiert. Seit dem dürfte das Foto mehrfach in regionalen und überregionalen Medien aufgetaucht sein, wenn es etwa darum ging, die Grundausbildung zu illustrieren.

Für den Nordkurier über Bundeswehr-Zeit geschrieben

Nachdem also der Nordkurier das alte Foto herausgekramt und am Donnerstag auf seiner Titelseite gedruckt hatte, meldete sich ein überraschter Tilo Jung auf Twitter: „Keine Ahnung warum, aber das heutige Coverfoto vom @Nordkurier ist schon über 12 Jahre alt: es zeigt einen sehr jungen und sehr naiven Rekruten bei der Bundeswehr”

Tja, wir hatten es tatsächlich nicht erkannt. Immerhin ist da ja auch ein monströser Gefechtshelm im Gesicht. Auf jeden Fall wollten wir keine Aussage über die Fitness des abgebildeten Rekruten verlieren. Auf Twitter sagte Jung übrigens auch, dass er bereits für den Nordkurier über seine Erfahrungen bei der Bundeswehr geschrieben hatte. Im Archiv konnten wir dazu leider noch nichts finden. Dafür hatte er aber viele andere Artikel als freier Mitarbeiter geschrieben. Er schrieb über Stadtfeste, Jugendliche in Malchin oder einen Schüleraustausch in den USA.