EINBRUCHSSERIE

Woher wissen Diebe von verlassenen Pfarrhäusern?

Wenn der Pastor nicht zu Hause ist: In gleich drei Pfarrhäusern der Region ist des Nachts eingebrochen worden. Immer gerade dann, wenn sie leer stehen.
Am Pfarrhaus in Gnoien schlugen die Einbrecher des Nachts eine Scheibe mit einem Ziegelstein ein, um in das Amtszimmer zu gela
Am Pfarrhaus in Gnoien schlugen die Einbrecher des Nachts eine Scheibe mit einem Ziegelstein ein, um in das Amtszimmer zu gelangen. Die Kollekte fanden sie hier aber nicht. Torsten Bengelsdorf
Gnoien.

Die Sekretärin im Kirchenbüro musste wohl etwas geahnt haben. Das Geld aus der Kollekte vom vergangenen Wochenende hatte sie jedenfalls gut versteckt. Nicht in irgendeiner Büro-Schublade, wo es vielleicht jeder finden könnte. Nein, dort, wo es ganz bestimmt niemand suchen würde. Auch nicht die Gauner, die des Nachts mit einem Ziegelstein ein Fenster des Gnoiener Pfarrhauses am Kirchplatz einwarfen, um in das Amtszimmer der Pastorin zu gelangen. Hier fanden sie immerhin noch die Handkasse mit etwa 50 Euro. Die Kollekte mit einer höheren Summe dagegen nicht. Gott sei Dank.

Ein ungeheurer Verdacht macht die Runde

Das Gnoiener Pfarrhaus ist nunmehr das dritte in der Region, in das in den vergangenen Nächten eingebrochen worden ist. Auch in Malchin und in Schloen zwischen Stavenhagen und Waren sind gottlose Ganoven gewaltsam in die Pastorenhäuser eingedrungen und hatten hier jeweils hohe dreistellige Summen mitgehen lassen. Und sie waren offenbar nur auf Geld aus. Andere Gegenstände, die auch einen gewissen Wert haben, ließen sie stehen.

In einigen Kirchgemeinden macht jetzt ein ungeheurer Verdacht die Runde. Schlimm genug, dass sich Diebe schon Pfarrhäuser für ihre Beutezüge aussuchen. Die drei Häuser in Gnoien, Malchin und Schloen haben aber derzeit noch etwas gemeinsam, was den Unholden beim Aushecken ihrer Taten gewiss nicht verborgen geblieben ist. Alle drei Pfarrhäuser sind derzeit nicht bewohnt, das heißt: Des Nachts ist hier niemand anwesend. In Gnoien hatte sich Pastorin Angelika Meyer bereits im Dezember verabschiedet, auch Schloen hat derzeit keinen eigenen Pastor. Und der Malchiner Markus Hasenpusch ist in den Winterferien in den Urlaub gefahren. Haben die Pfarrkassen-Plünderer also vielleicht Insider-Wissen? Und vielleicht sogar etwas mit den Kirchgemeinden zu tun? Das mag sich in Gnoien und in Malchin niemand so richtig vorstellen. Doch hundertprozentig ausschließen offenbar auch nicht.

Abwesenheit erklärt auf dem Anrufbeantworter

Doch es könnte auch ganz anders sein. Die Kirchgemeinden machen aus der Abwesenheit ihrer Pastoren nämlich nicht gerade ein Geheimnis. So findet sich im Internet der Hinweis, dass die Pfarrstelle in Schloen derzeit vakant ist, es also keinen ständigen Pastor gibt. Auf der Gnoiener Kirch-Seite sind sogar noch die Abschiedsworte von Pastorin Meyer zu finden – mit dem Hinweis, dass sie nach Hamburg zurückgekehrt ist. Und in Malchin verkündet Pastor Hasenpusch auf seinem Anrufbeantworter, dass er bis zum 23. Februar in Urlaub ist. Viel Aufwand ist also nicht nötig, um herauszubekommen, welche Pfarrhäuser des Nachts gerade leer stehen.

Die Polizei hat bei ihren Ermittlungen bisher keine heiße Spur. Bis Mittwoch wussten die Beamten in den Inspektionen Neubrandenburg und Güstrow auch noch gar nicht, dass die Zahl der Pfarrhaus-Einbrüche mittlerweile auf drei angestiegen ist, zwischen denen es offensichtlich auch einen Zusammenhang gibt. In Malchin und Schloen ermittelt nämlich die Kriminalpolizei der Inspektion Neubrandenburg, für Gnoien ist dagegen Güstrow zuständig. Erst durch die Berichte im Nordkurier fiel den Ermittlern in den beiden Inspektionen auf, dass die Pfarrhaus-Ganoven über die Polizei-Grenze hinaus zugeschlagen hatten.

http://www.nordkurier.de/themen/polizei

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