VERFLUCHTE TECHNIK

Zappenduster statt Solarrevolution - ein Dorf und sein Öko-Albtraum

Als erstes Dorf in MV bekam der Malchiner Ortsteil Scharpzow rein solarbetriebene Straßenlaternen. Was die Verheißung in Sachen Umweltschutz versprach, wurde zum Albtraum für die Bewohner.
Eckhard Kruse Eckhard Kruse
Im Sommer leuchten die Scharpzower Solar-Laternen zwar gut. Dennoch werden sie von vielen Bäumen beschattet und leuchteten im vergangenen Winter gleich überhaupt nicht.
Im Sommer leuchten die Scharpzower Solar-Laternen zwar gut. Dennoch werden sie von vielen Bäumen beschattet und leuchteten im vergangenen Winter gleich überhaupt nicht. Eckhard Kruse
Die Idee klingt eigentlich einleuchtend: Tagsüber wird aus Sonnenlicht Strom, mit dem dann nachts die Straße beleuchtet wird.
Die Idee klingt eigentlich einleuchtend: Tagsüber wird aus Sonnenlicht Strom, mit dem dann nachts die Straße beleuchtet wird. Eckhard Kruse
Scharpzow.

„Diese Straßenbeleuchtung ist eine Fehlkonstruktion.“ Davon ist der Scharpzower Reinhard Zimdars felsenfest überzeugt. Seit September 2016 glimmen die 30 Lampen die Dorfstraßen entlang. Als erstes Dorf in MV bekam der Malchiner Ortsteil komplett solarbetriebene LED-Laternen. Es gab sogar mehr als 50.000 Euro Landesförderung.

„Der Winter war eine Katastrophe“

Im Frühjahr und Sommer funktionierten sie auch ganz gut. Denn da gab es ausreichend Sonne. Doch im wolkenbehangenen und düsteren Winter 2017/2018 brannte in Scharpzow kaum noch ein Licht. Das Sonnenlicht reichte einfach nicht aus, um die Akkus der Laternen aufzuladen. „Der Winter war eine Katastrophe“, meint Dieter Walter, ein anderer Scharpzower.

Von einer Fehlkonstruktion wollen Bürgermeister Axel Müller (CDU) und Frank Gutschmidt, Vertriebsleiter der Leuchten GmbH Pasewalk, die die Laternen hergestellt hat, allerdings nicht sprechen. Dabei hatte Müller allerdings noch im Januar eingeschätzt, dass die Lampen nicht praxistauglich sind. Er vertraut erst einmal darauf, dass die Beleuchtung des Dorfes mit einer Nachrüstung besser wird.

Für neue LED fehlt noch Software

Die Firma wolle Lösungen für einige Problemleuchten finden. Es sollen größere Akkus in die Laternen eingebaut werden, erläuterte Gutschmidt. Auch sollen die LED-Lampen gegen Lampen einer neueren Generation ausgetauscht werden. Zusätzlich wolle man die Paneele noch einmal neu ausrichten.

Für Frank Gutschmidt liegt das Problem hauptsächlich in der Beschattung. Am schlimmsten sei es für ihn am Querweg. Dort komme die Sonne im Winter nicht einmal über die Häuserdächer, sodass die Laternen kaum gespeist würden. Dazu seien dann noch der Winter mit düsteren Wolken und das dichte Laub der Birken im Sommer gekommen, sodass die Solarmodule noch weniger Saft lieferten.

System braucht von morgens bis abends Sonne

Doch dieses System sei so konstruiert, dass es von morgens bis abends von der Sonne gespeist werden muss, erläuterte der Fachmann. Das ist in Scharpzow wegen der genannten Umstände allerdings schwierig. Gutschmidt betonte auch, dass das System nicht für alle Standorte geeignet ist. Eine komplette Dorfbeleuchtung gebe es selten. Meist seien es Mischlösungen. Trotzdem spricht auch er nicht davon, dass die Dorfbeleuchtung komplett untauglich ist.

Bürgermeister rechnet mit Streit um die Zusatzkosten

Der Bürgermeister wartet nun auf ein Angebot. Ob sich die Stadt an den Kosten beteiligen muss, das sei noch unklar. Er rechnet aber damit, dass es zu einem Streit mit der Firma kommen wird. Die Bürger würden aber nicht noch einmal zur Kasse gebeten. Die Stadt wolle auch darüber nachdenken, die Bäume auszuästen, um für mehr Licht zu sorgen.

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