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Zeuge berichtet von Raketenschlachten

Traurige Überbleibsel der Silvesternacht. Auf dem Teterower Marktplatz gerieten traditionelle Bräuche außer Kontrolle.
Traurige Überbleibsel der Silvesternacht. Auf dem Teterower Marktplatz gerieten traditionelle Bräuche außer Kontrolle.
Eberhard Rogmann

Es grenzt an ein Wunder, dass es in der Neujahrsnacht keine Verletzten auf dem Markt in Teterow gab. Was sich dort abspielte, erinnert an Gewaltexzesse in Fußballstadien, wie ein Zeuge jetzt schilderte.

Seine Hamburger Freunde hatte Ronny Kinne eigentlich zu einem geruhsamen und beschaulichen Jahreswechsel nach Teterow in die mecklenburgische Provinz eingeladen. Es sollte allerdings ganz anders kommen. Wie der Teterower schildert, erinnerten Szenen der Neujahrsnacht auf dem Markt eher an Gewaltexzesse, wie man sie aus Fußballstadien kennt.  Er  hatte wie gewohnt mit seinen Gästen angestoßen und war dann vors Haus auf den Marktplatz gegangen. „Da waren junge Leute, die sich gegenseitig mit Feuerwerksraketen beschossen. Manche hatten Vorrichtungen, die es erlaubten mehrere Raketen gleichzeitig abzufeuern und das taten sie.“ Seine Frau, die ein Kind auf dem Arm hielt, sei von einem Geschoss getroffen worden. Fluchtartig hätten daraufhin die Frauen und Kinder den Markt verlassen und ihr Feuerwerk dann auf dem Hof gezündet.

Ronny Kinne selbst war in Begleitung zweier Freunde zu den Jugendlichen herübergangen und hatte sie auf ihr gefährliches Treiben hingewiesen. „Als ich von den Kindern sprach, waren sie sichtlich betroffen. Daraufhin wurde es für zehn Minuten etwas ruhiger. Dann setzte der Beschuss wieder ein.“

Ins Kreuzfeuer gerieten auch Wachleute des ABS vor dem Rathaus sowie die Polizei. Als ein Streifenwagen aufkreuzte, wurde er von  Raketen getroffen. Die Beamten verließen nach Kinnes Beobachtung den Ort und kamen etwas später mit zwei Autos zurück. Die Polizei sei von einem Anwohner gerufen worden, weil dessen Frau und Kinder wegen der lauten Böller auch nach ein Uhr nicht hätten schlafen können, gibt Revierleiter Lothar Fetzer Auskunft. Schäden oder Verletzungen seinen in der Nacht nicht angezeigt worden, wenn man davon absieht, dass eine Scheibe im Rathaus zu Bruch ging. Auch die Streifenwagen wiesen keine Beschädigungen auf.  Warum die Beamten den unsachgemäßen Umgang mit der Pyrotechnik nicht unterbanden, konnte der Revierleiter gestern nicht sagen. Die betreffenden Kollegen hatten nach dem Feiertagseinsatz dienstfrei und konnten deshalb nicht befragt werden.

Ronny Kinne hat diese Neujahrsnacht eine Einladung nach Hamburg beschert. Dort, so versicherten seine Freunde, könne er einen beschaulichen Jahreswechsel feiern.