Schon wieder falsch geschrieben

:

Zirkus vollführt Buchstaben-Akrobatik in Gnoien

Selbst für einen Zirkus ist diese Buchstaben-Kombination ziemlich abenteuerlich. 
Selbst für einen Zirkus ist diese Buchstaben-Kombination ziemlich abenteuerlich.
Torsten Bengelsdorf

Der Stadtname ist in Gnoien erneut in einer ziemlich verrückten Variante aufgetaucht. Ausgerechnet ein Zirkus hat sich diesen Fauxpas geleistet.

Der Zirkus ist in der Stadt. Seit Tagen kleben die Plakate an vielen Stellen in Gnoien – und sorgen wirklich für Aufmerksamkeit. Denn was die Zirkusleute da aus dem Namen der Warbelstadt gemacht haben, ist nicht nur ein Hingucker, sondern fast schon ein Zungenbrecher. Gnioen steht da mit schwarzer Schrift auf grünem Grund.

Gewollte Buchstaben-Akrobatik als Werbegag? Nein, nein, heißt es vom Zirkus Zamunda an seinem Info-Telefon. Ein Druckfehler, der erst ganz zum Schluss aufgefallen und nicht mehr zu stoppen war. Selbstverständlich habe man den Fehler längst bemerkt, heißt es aus dem Zirkuszelt.

Mist! Liegt’s an der Geschichte?

So peinlich muss den Zirkusleuten der Schreibfehler aber gar nicht sein. Selbst auf Straßenschildern findet sich Gnoien schon mal in einer Variante, bei der jedes Navi kapituliert. Wochenlang war vor drei Jahren an der Landesstraße in Neukalen der Weg in die Nachbarstadt Gnoin auf gleich mehreren Umleitungstafeln beschrieben worden. Es geht aber auch noch kürzer. Spätestens seit dem G8-Gipfel im Jahr 2007 in Heiligendamm ist G9 (gesprochen Gneun) aus der Serie der Gnoiener Schreibweisen nicht mehr wegzudenken – bewusst eingesetzt, in Kurzmitteilungsdiensten zum Beispiel.

Und doch bleibt die Frage: Warum muss der Ortsname immer wieder derart leiden? Für eine Antwort muss man vielleicht einige Jahrhunderte zurückblicken. Gnoien dürfte nach wissenschaftlichen Untersuchungen wendischen Ursprungs sein und auf das Wort „gnoy“ zurückgehen. Eine Bezeichnung, die mit großer Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit den unwegsamen Zugängen durch Sumpf und Moor zu sehen ist. Wer den Ort dennoch erreicht hatte, dem dürfte ein entnervtes „Gnoy“ – Mist! – entfahren sein. „Weitere Wortdeutungen sind nicht wissenschaftlich belegt“, heißt es auf der Gnoiener Internetseite. Dabei könnte durchaus auch das germanische Wort „Gneus“ Pate gestanden haben, das als „Herrenort“ übersetzt wird.