BAUERNVERBAND MALCHIN

„Zu Weltmarktpreisen kann kein deutscher Landwirt produzieren”

Der Name Bond hat für Filmfans einen guten Klang. Ein Bond aus dem Hause Aldi lässt derzeit aber die Landwirte im Bauernverband Malchin um ihre Existenz fürchten.
Der neue Vorsitzende des Bauernverbands Bernd Wetzel (rechts) und sein Stellvertreter Claus-Dieter Tobaben haben das Gefü
Der neue Vorsitzende des Bauernverbands Bernd Wetzel (rechts) und sein Stellvertreter Claus-Dieter Tobaben haben das Gefühl, dass man Landwirtschaft in Deutschland abschaffen will. Eckhard Kruse
Die „Grüne Kreuze“ auf diesen Abzeichen und auf Feldern sollen auf die Lage der Bauern hinweisen. Die Kreuze
Die „Grüne Kreuze“ auf diesen Abzeichen und auf Feldern sollen auf die Lage der Bauern hinweisen. Die Kreuze sind eine Antwort auf das Agrarumweltpaket der Bundesregierung. Eckhard Kruse
Kittendorf.

Claus-Dieter Tobaben aus Rittermannshagen ist nicht mehr Vorsitzender des Bauernverbands Malchin. Er gab die Verantwortung am Mittwoch an den neuen Vorsitzenden Bernd Wetzel aus Gessin ab. Doch beide wollen als Vorsitzender und Stellvertreter eng zusammenarbeiten. Beide haben auch das Gefühl, dass man die Landwirtschaft gar nicht mehr haben will in Deutschland. „Wenn nur noch der Weltmarktpreis zählt, wie es derzeit von Aldi propagiert wird, dann ist das der Tod für uns“, sagte Bernd Wetzel am Rande der Versammlung in Kittendorf. Denn zu so einem Preis könne kein deutscher Landwirt mehr produzieren.

Vor der Neuwahl zielte Claus-Dieter Tobaben in seiner Rede genau darauf ab. Er nannte den Namen Nicholas Bond, Chefeinkäufer von Aldi. Der hatte vor einigen Tagen bekundet, dass für ihn nur der Weltmarktpreis zähle. Für Tobaben ist das ein weiterer Beweis, dass die vier großen Lebensmittelketten mit den Landwirten Monopoly spielen. Die Gebrüder Aldi würden heute nicht mehr mit den Bauern über Preise verhandeln. Das tue die Firma „Aldi Global Sourcing“ in Salzburg mit dem Chefeinkäufer. Der habe die Verhandlungen für den Milchpreis vorziehen wollen und Preissenkungen angekündigt.

Hohe Standards verursachen hohe Kosten

Soweit darf es laut Tobaben nicht kommen. Wenn die Gesellschaft und Politik besonders hohe Anforderungen an soziale, Umwelt- und Naturschutzstandards stellen, dann müsse die Politik auch dafür sorgen, dass die Bauern nach diesen Standards produzieren können, betonte er. Er forderte einen Preisausgleich, um deutsche Bauern zu schützen. Denn Legehennen in aussortierten, ehemals deutschen Legebatterien in der Ukraine produzierten weiter Eier für den deutschen Markt. Eine praktikable Nutztierhaltungsverordnung sei nicht in Sicht. Schweinehalter werde es bald hart treffen. Genauso unsinnig sei es, Ackerland bei Stavenhagen stillzulegen, und in der Folge Regenwälder abzuholzen, um mehr Flächen zu haben.

Tobaben kritisierte die strenge Düngeverordnung in Deutschland, die nur durch nicht repräsentative Nitrat-Messungen im Grundwasser zu Stande gekommen sei. „Es wird verkannt, dass Düngung notwendig ist“, sagte er. Er befürchtet Auswirkungen für die Landwirte, wenn Regionen mit zu hohen Messwerten 20 Prozent weniger düngen müssen. Das könnte derzeit im Verbandsgebiet für sieben Hektar im Raum Dargun gelten. Deswegen sei es gut, dass Bauern verstärkt auf ihre Situation aufmerksam machen. Denn wenn sich nichts ändere, könne es neben glutenfrei, ölfrei, mehlfrei, zuckerfrei oder fleischfrei auch bald die Kategorie „bauernfrei“ in den Lebensmittelmärkten geben.

Ernte 2019 unterdurchschnittlich

Mit den Ernteerträgen 2019 waren die Bauern relativ zufrieden. „Sie liegen über dem Ergebnis des Vorjahres, aber unter dem langjährigen Mittel“, sagte Verbandsgeschäftsführerin Heike Müller. Der Milchpreis startete 2019 mit 32,5 Cent je Liter, sank auf 31 Cent und stieg wieder auf 32 Cent, so Tobaben. Der Schweinepreis stieg wegen der Nachfrage aus China von 1,36 auf 1,80 Euro je Kilo. Die Preise im Biosektor sanken 2019.

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