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„Mein schlimmster Fall? Ein Doppelmord!“

Unscheinbar sieht er aus, doch Matthias Wolff ist als privater Ermittler in ganz Europa Betrügern auf der Spur.

Bücher und Fernsehfilme spielen meist mit romantischen Illusionen vom Beruf des Privatdetektivs. Wie sieht Ihrer Meinung nach die Wirklichkeit ...

Bücher und Fernsehfilme spielen meist mit romantischen Illusionen vom Beruf des Privatdetektivs. Wie sieht Ihrer Meinung nach die Wirklichkeit aus?
Fernsehserien wie auch Bücher haben sehr wenig mit der Realität unserer Arbeit zu tun. In meinem Buch „Privatdetektiv“ habe ich unsere Ermittlungen beschrieben. Natürlich nicht hundertprozentig so, wie sie abgelaufen sind. Überwiegend ergeben sich in meiner Arbeit lange Wartezeiten und ausgedehnte Beobachtungen, die sich nur schwer fesselnd erzählen lassen. Deshalb habe ich das Geschehen verdichtet und mit Episoden aus anderen Fällen vermischt, um sie für die Leser spannend zu gestalten. Es gibt eben in unserem Beruf viele langweilige Sachen.

Was stört Sie denn an den TV-Serien über die Arbeit der Privatermittler?
In der Serie „Lenßen und Partner“ beispielsweise werden dem Publikum haarsträubende Dinge vorgegaukelt und suggeriert. So begehen die beiden Detektive, die für Rechtsanwalt Ingo Lenßen arbeiten, bei ihren Ermittlungen Straftaten. Der Anwalt schickt seine Detektive zum Beispiel in eine fremde Wohnung, um eine Abhörwanze anzubringen. Somit beginnt es mit Anstiftung zum Hausfriedensbruch, geht weiter mit eklatanten Verstößen gegen das Grundgesetz bis zur Verletzung des Post- und Fernmeldegesetzes. Solche und andere Straftaten werden Fernsehzuschauern als legitime Detektivarbeit vorgetäuscht. Diese gehen demzufolge davon aus, Reales zu sehen und zu erleben.

Woher kommen überhaupt Ihre Kunden?
Eigentlich querbeet. Es gibt einige Kollegen, die sich auf Privat- oder Geschäftskunden spezialisiert haben. Das kann man sich in unserer Branche nur schwer leisten, weil die Arbeitsgegenstände in beiden Kundenbereichen breit gefächert sind.

Warum melden sich Hilfe suchende Menschen bei Ihnen und nicht bei der
Polizei?

Kurz gesagt, weil der Gegenstand der Arbeit von Polizei und Privatdetektiven geteilt ist. Im verfahrensrechtlichen Sinn arbeitet die Polizei hierzulande grundsätzlich für die Staatsanwälte und wir für Anwälte. Es gibt auch Phasen, wo wir mal mit der Polizei zusammenarbeiten. In nicht wenigen Fällen bekommt die Polizei auch unsere Berichte. Hin und wieder stehen wir ihnen außerdem als Zeugen zur Verfügung. In der Regel ziehen wir alle an einem Strang. Manche Aufträge sind aber auch nicht Gegenstand der Polizeiarbeit. Firmen bedienen sich häufig privater Ermittler. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass es diskret abläuft.

Wie weit reicht das Spektrum Ihrer Aufträge?
Bei Firmenaufträgen haben wir es öfter mit Wirtschaftskriminalität zu tun. Die Skala reicht von Betriebsdiebstählen bis zur Schwarzarbeit trotz Krankschreibung. Für solche und andere zivilrechtliche Delikte ist die Polizei nicht zuständig. In diesem großen Arbeitsfeld geht es nicht um strafrechtliche, sondern arbeits- oder zivilrechtliche Konsequenzen.

Und bei privaten Kunden?
Mein Buch erweckt möglicherweise den Anschein, dass private Kunden unsere Hauptauftraggeber sind. Dem ist nicht so. Fälle aus dem privaten Milieu sind allerdings häufig spannender und emotionaler.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag in der Regel aus?
Einen typischen Arbeitsalltag gibt es nicht, aber wiederkehrende Abläufe. Meist bekomme ich nachmittags oder abends einen Anruf von einem Kunden. Dann geht es schon am nächsten Tag in aller Frühe auf Beobachtung. Selten allein, häufig zu zweit oder zu dritt. Passiert nichts, brechen wir ab und setzen am nächsten Morgen neu an. Im Erfolgsfall geht es zurück ins Büro zur Bild- oder Videobearbeitung. Der Kunde erhält außerdem einen Bericht über unsere Feststellungen und Recherchen.

Was war der eindrücklichste Fall in Ihrer bisherigen Arbeit?
Die Aufklärung eines Doppelmordes, die auch im Buch von mir geschildert wird. An dieser ungewohnten Arbeit hatte ich damals ganz schön zu knabbern.

Welche Waffe bevorzugen Sie im „Dienst“?
Im krassen Unterschied zu filmischen Darstellungen unserer Arbeit tragen wir grundsätzlich keine Waffen. Eher sind Personenschützer oder Wachdienste bewaffnet.

Und welche Arbeitskleidung tragen Sie?
Jeder private Ermittler entscheidet selbst, wie er sich kleidet. Ich laufe lieber salopp und sportlich rum. Faustregel ist, je unscheinbarer, desto besser. Auf Dienstreisen habe ich auch immer Anzug, Hemd und Schlips in der Reisetasche, um mich schnell anderen Situationen anpassen zu können. In einem Fünf-Sterne-Hotel würde ich ja beispielsweise in Bermudas auffallen.

Ein Unterschied zwischen Film und Wirklichkeit ist gewiss auch das Beschatten einer Zielperson?
Na klar. In den TV-Serien läuft oder fährt ein Detektiv lange, weit und oft direkt hinter der Zielperson her. In Film und Fernsehen klappt das meistens wunderbar. Aber in Berlin oder in anderen Städten geht das in unserer Arbeitspraxis überhaupt nicht, vor allem nicht allein. Denken Sie nur an die Ampeln. Deshalb muss unser Kunde für diese Aufgabe zumeist zwei, drei Detektive bezahlen, um beispielsweise Spesen- und Fahrkilometerbetrug aufdecken zu können. Das verteuert natürlich die Aufklärung.

Mit welchem Budget müssen Ihre Kunden denn rechnen?
Pro Detektiv mit 50 bis 60 Euro pro Stunde. Hinzu kommen Ausgaben für Fahrzeugeinsatz, Übernachtung, Spesen und anderes.

Gibt es in Ihrem Beruf eigentlich Qualitätsstandards?
Detekteien, die Mitglied des Bundesverbandes Deutscher Detektive sind, stehen für seriöse und kompetente Ermittlungsarbeit. Als Mitglied kann ich mich zudem jährlich wieder auf den neuesten Stand bringen.

Was fasziniert Sie nach mehr als 20 Jahren noch immer an der detektivischen Arbeit?
Es gibt auch nach mehr als zwei Jahrzehnten Detektivarbeit immer wieder mal Überraschungen, mit denen ich nicht gerechnet habe.

Matthias Wolff:
Privatdetektiv. Wahre Fälle eines unabhängigen Ermittlers. Verlag Pendo, München 2013, 240 Seiten, 12,99 Euro, ISBN 978-3-86612-336-6.