:

Beim Fahren zurücklehnen und zuschauen

Ob Kaffeepause oder Computerarbeit: In der Studie XchangE hat die Firma Rinspeed dafür Platz geschaffen, während der Autopilot fährt.
Ob Kaffeepause oder Computerarbeit: In der Studie XchangE hat die Firma Rinspeed dafür Platz geschaffen, während der Autopilot fährt.
Rinspeed

Was macht der Fahrer, wenn das Auto künftig ohne sein Zutun fährt? Je näher die Ingenieure der Vision vom autonomen Fahren kommen, desto drängender wird diese Frage für die Designer.

Wenn Kunden von Fahrern zu Passagieren hinter dem Lenkrad werden, "schafft die Technik neue Freiräume für die Insassen eines Autos“, sagt Mercedes-Zukunftsforscher Alexander Mankowsky. Er schwärmt davon, dass man die Zeit im Stau oder auf der Straße dann als Gewinn empfinden wird. „Allerdings müssen sich dafür die Innenräume der Fahrzeuge gravierend verändern.“ Designer arbeiten deshalb mit Hochdruck an neuen Innenkonzepten fürs Autopilot-Auto.

Die ersten Schritte in diese Richtung sind recht konventionell. So hat Audi auf der Computermesse CeBIT im Frühjahr 2014 die Sitzkiste „James 2025“ enthüllt und damit die Vision für ein Cockpit der Zukunft in Form gebracht. Im autonomen Fahrbetrieb fährt ein Tischchen aus der Mittelkonsole, die Instrumente werden von Klappen verdeckt, das Lenkrad macht sich dünne.

Diesen Faden spinnt Hartmut Sinkwitz weiter. Er leitet die Abteilung Interieur-Design bei Mercedes und bereitet im Entwicklungszentrum Sunnyvale im Silicon Valley für die Elektronikmesse CES Anfang Januar in Las Vegas eine Studie vor, die einen Ausblick auf die übernächste Generation eines Fahrzeugs vom Format der S-Klasse geben soll.

Einfach mal die Sitzrichtung wechseln

„Man sitzt auf vier Einzelsesseln, die wie daheim drehbar sind“, erklärt Sinkwitz. Ist das Auto losgefahren, drehen sich Fahrer und Beifahrer nach hinten, es surrt ein Tisch mit Touchscreen-Platte herbei und man kann arbeiten, spielen oder entspannen.

Für das autonome Auto hat Sinkwitz nicht nur die Möblierung, Farben und Materialen überdacht, sondern auch die Instrumente, die Anzeigen und das Bediensystem: „Weil die Position des Fahrers nicht mehr eindeutig ist, müssen wir extrem flexibel sein“, erläutert er. Überall sind deshalb Bildschirme integriert und Schalter tauchen dort auf, wo man sie gerade braucht.

Während es den Mercedes-Innenraum bis zur Premiere auf der CES nur als Skizze gibt, ist Frank Rinderknecht schon ein bisschen weiter. Der schweizer Querdenker und Chef der Tuning-Firma Rinspeed hatte bereits im März 2014 auf dem Genfer Autosalon in der Studie XchangE einen variablen Innenraum präsentiert.

Die beiden Insassen können dort die Sitz- und Blickrichtung wechseln und auf einem Monitor anstelle der Rückscheibe Filme schauen, wenn der Autopilot aktiv ist. Für den nächsten Salon 2015 hat er das Konzept verfeinert.

So revolutionär die Studien auch sind: Sie haben alle irgendwo noch ein Lenkrad. Laut Mercedes-Mann Sinkwitz ist das „ein wichtiges Symbol für die Entscheidungshoheit des Menschen“. Nur Google verzichtet in seinem Entwurf für das autonome Auto auf alle bekannten Bedienelemente, weil man sie dort für überflüssig hält. Aber Google ist ein Software-Konzern – kein Autohersteller.