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Drängler nerven mehr als Schleicher

Immer häufiger reagieren Autofahrer aggressiv. Die Ursache: zunehmender Stress im Straßenverkehr. Foto: Jens Büttner
Immer häufiger reagieren Autofahrer aggressiv. Die Ursache: zunehmender Stress im Straßenverkehr. Foto: Jens Büttner
Jens Büttner

Beschimpfen, Bedrängen und Bedrohen: Der ungehobelte Ton scheint im Straßenverkehr allerorts Einzug zu halten.

Die Autobahn ist die Wutzone Nummer Eins bei deutschen Autofahrern. Eine Umfrage des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) hat ergeben, dass mehr als der Hälfte aller Autobahnfahrer aggressive Fahrer begegnet sind, gefolgt vom Stadtverkehr (23 Prozent) und der Landstraße (16 Prozent). Dabei werden Fahrer von PS-starken Autos als besonders bedrohlich wahrgenommen. Vor allem durch dichtes Auffahren und Drängeln fallen den Befragten BMW (50,6 Prozent), Mercedes (32,2 Prozent), Audi (25,9 Prozent) und Porsche (8,7 Prozent) auf. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage der ADAC Motorwelt.

Viele Verkehrsteilnehmer schließen auch von der Autofarbe auf das Fahrverhalten. Bei einem schwarzen Auto haben 43,5 Prozent der Befragten das ungute Gefühl, dass hinterm Steuer ein aggressiver Fahrer sitzt. 9,7 Prozent haben diese Einschätzung immerhin noch bei silbernen Fahrzeugen. Drängler sind der aktuellen ADAC-Motorwelt-Umfrage zufolge das größte Ärgernis im Straßenverkehr. 80 Prozent der Deutschen fühlten sich bereits durch Drängler provoziert. Das wundert nicht, denn 30 Prozent der Befragten ärgern sich gleichzeitig über Schleicher auf den Straßen, heißt es in der Studie.

Die deutschen Fahrer werden nach eigenen Angaben stetig aggressiver. Jeder Fünfte sei überzeugt, dass Aggression im Straßenverkehr in den vergangenen Jahren zugenommen hat, so die ADAC Motorwelt. Für Verkehrspsychologen ist dies kein neues Phänomen. Der spezialisierte Zweig der Psychologie befasst sich mit Beratung, Diagnostik und Nachschulung von Verkehrsteilnehmern. Und seit einigen Jahren geben wissenschaftliche Untersuchungen mehr und mehr Aufschluss über die Ursachen von Aggressionen im Straßenverkehr. Die anerkannte Antwort der Psychologie lautet: „Autofahren ist ein Moment der kognitiven Überforderung, ein Moment des absoluten Stresses.“

Ein Ausweg aus dem Wutdilemma soll moderne Technik schaffen. Denn Forscher des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Kaiserslautern sehen eine der Hauptursachen für „asoziales Verhalten auf den Straßen“ in der Anonymität und in der mangelnden Kommunikation zwischen Autofahrern. Computersysteme, die ähnlich der sozialen Netzwerke funktionieren, könnten deshalb zu mehr Aufmerksamkeit und Rücksichtnahme führen, meinen die Wissenschaftler.