Mann misshandelt und ausgesetzt

▶ Frau und drei Männer wegen versuchten Mordes vor Gericht

Für einen Fall von Selbstjustiz müssen sich vier Angeklagte aus der Region Rechlin vor dem Landgericht Neubrandenburg verantworten. Das Opfer musste ein Martyrium erdulden.
Mit Fußfesseln kamen zwei der vier Angeklagten in den Verhandlungsaal des Neubrandenburger Justizzentrums. Dort begann d
Mit Fußfesseln kamen zwei der vier Angeklagten in den Verhandlungsaal des Neubrandenburger Justizzentrums. Dort begann der Prozess wegen versuchten Mordes. Carina Göls
Eine Frau steht als Hauptangeklagte des beschuldigten Quartetts vor Gericht.
Eine Frau steht als Hauptangeklagte des beschuldigten Quartetts vor Gericht. Carina Göls
Neubrandenburg

Am Landgericht Neubrandenburg hat am Donnerstag der Prozess wegen versuchten Mordes gegen eine Frau und drei Männer aus der Region Rechlin (Mecklenburgische Seenplatte) begonnen. Der 26-jährigen Hauptangeklagten und ihren drei Komplizen im Alter zwischen 23 und 47 Jahren werden gefährliche Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Aussetzung vorgeworfen.

Drogen verabreicht und in Schacht gestoßen

Laut Staatsanwaltschaft sollen die Beschuldigten Ende Februar diesen Jahres einen Bekannten aus Rechlin schwer misshandelt haben, unter anderem mit einem Krückstock. Nach der Misshandlung sei dem 39-jährigen Opfer ein Stoffbeutel über den Kopf gezogen und es in ein Auto gezerrt worden. Rund 16 Kilometer vom Tatort entfernt sei der Mann dann zu einer Bunkeranlage in einem ehemaligen Militärgebiet im Südwesten der Seenplatte gebracht worden. Dort habe man dem Verletzten laut Staatsanwaltschaft eine Droge verabreicht, es weiter misshandelt und in einen Schacht gestoßen. Der nur relativ leicht Bekleidete musste bei um die fünf Grad im Freien übernachten.

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Am nächsten Tag sei es dem unter epileptischen Anfällen lLeidenden und auf Medikamente angewiesenen Mann gelungen, sich zu befreien und Hilfe zu holen. Mit zahlreichen Hämatomen, Wunden und stark unterkühlt sei der 39-Jährige stationär im Klinikum Neubrandenburg behandelt worden.

Vorwurfe des sexuellen Missbrauchs

Das Quartett soll den benachbarten Bekannten aufgesucht haben, „um ihm eine Abreibung zu verpassen”, weil er angeblich den Sohn (6) der Angeklagten sexuell missbraucht habe, hieß es vor Gericht. Das hatte die Angeklagte vermutet, nachdem sie Nacktfotos ihres Kindes auf dem Handy des Opfers entdeckt haben wollte.

Der Fall von laut Staatsanwaltschaft „schwerer Selbstjustiz” war bereits am Amtsgericht Waren verhandelt und Ende August ans Landgericht verwiesen worden. Der Prozess ist bis Ende Februar 2022 geplant und wird am 2. November fortgesetzt. Dann könnten die ersten Zeugen gehört werden. Die 26-jährige Hauptangeklagte und ihre drei mutmaßlichen Komplizen wollten sich zum Prozessauftakt nicht zu der Anklage äußern. Zwei der vier Angeklagten befinden sich in Untersuchungshaft.

Polizei ermittelt weiter

Das Polizeipräsidium Neubrandenburg teilte auf Anfrage mit, dass auch im Zusammenhang mit den Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs, der von den vier Entführern gegen das Opfer erhoben worden sei, Ermittlungen aufgenommen worden seien. Diese stünden jedoch noch ganz am Anfang, zur Stichhaltigkeit könne man keine Aussagen treffen. Auf jeden Fall sei von dem angeklagten Quartett im Zusammenhang mit dieser Behauptung keine Anzeige bei der Polizei gestellt worden, sondern offenbar versucht worden, Selbstjustiz zu üben. Und das gehe natürlich überhaupt nicht.

 

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