Die Angeklagten (links im Bild die Hauptangeklagte), denen versuchter Mord vorgeworfen wird, haben sich bislang nicht vor Geri
Die Angeklagten (links im Bild die Hauptangeklagte), denen versuchter Mord vorgeworfen wird, haben sich bislang nicht vor Gericht geäußert. Carina Göls
Selbstjustiz

Prozess um misshandelten Nachbarn geht weiter

Im Prozess gegen eine Frau und drei Männer aus Lärz könnte es am nächsten Prozesstag um die Auswertung von Fundstücken am Tatort gehen. Auch weitere Zeugen sollen gehört werden.
Neubrandenburg

Was geschah in jener Nacht Ende Februar in Lärz (Mecklenburgische Seenplatte), als ein Mann aus der Nachbarschaft misshandelt und dann in einem Bunker zum Sterben ausgesetzt worden ist? Das will die Kammer am Landgericht Neubrandenburg klären. Wegen versuchten Mordes angeklagt sind eine Frau und drei Männer. Im Zuge der Beweisaufnahme wird am Dienstag ab 10 Uhr der Prozess um einen mutmaßlich brutalen Akt von Selbstjustiz fortgesetzt.

Ein Zeuge schwänzte bisher unentschuldigt

An diesem Verhandlungstag sollen weitere Zeugen in dem spektakulären Fall gehört werden. Dabei werden möglicherweise auch zwei Zeugen zu Wort kommen, die in der vergangenen Wochen entschuldigt und in einem Falle unentschuldigt fehlten. Nachdem der erwartete Zeuge auch nach angemessener Wartezeit nicht erschienen war und sich auch nicht abgemeldet hatte, wird nun wohl ein Bußgeld in Höhe von 150 Euro fällig, auch drei Tage Ordnungshaft sind möglich. Der Ausgebliebene muss zudem wohl die Kosten tragen, die durch die Verzögerung im Prozess entstanden sind.

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Zudem könnte es am Dienstag auch erste Ergebnisse zu den Funden am Tatort und in der Wohnung des 39-jährigen Opfers geben. Wie das Gericht am jüngsten Prozesstag informiert hatte, seien Fundstücke aus dem Bunker sowie dessen Umfeld und aus der Wohnung des Opfers wie Dosen, Papiertaschentücher oder Zigarettenstummel zur rechtsmedizinischen Untersuchung geschickt worden. Man hoffe auf baldige Ergebnisse. Auch die Chats auf Mobiltelefonen der Angeklagten würden gerade ausgewertet und darauf hin untersucht werden, ob sie die Tatvorwürfe bekräftigten oder nicht.

Stundenlanges Martyrium

Den vier Angeklagten wird vorgeworfen, einen Mann aus der Nachbarschaft der 26-jährigen Hauptbeschuldigten in dessen Wohnung aufgesucht, geschlagen, mit einem Cuttermesser „tätowiert” und ihm die Haare „geschnitten” zu haben. Anschließend habe das Opfer einen Sack über den Kopf bekommen, sei in ein Auto gezerrt und in ein einige Kilometer entferntes Waldstück gebracht worden. Dort habe er wieder körperliche Gewalt erlebt und sei in den Bunker gestoßen worden. Er überlebte trotz starker Unterkühlungen und blutiger Wunden am ganzen Körper.

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Hintergrund der Tat sollen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs sein. Die 26-jährige Hauptangeklagte mutmaßte im Februar bei einer Grillfete, der Nachbar habe ihre Kinder sexuell missbraucht. Dafür sollte zahlen.

Misshandlung setzt Opfer noch immer psychisch zu

Der 39-jährigen Epileptiker soll laut Gericht noch heute psychisch unter den Folgen des Erlebten leiden. Zur Sicherheit hat das Gericht ärztliches Notpersonal angefordert, um bei einem Notfall des Opfers, der bei einer früheren gerichtlichen Vernehmung bereits im Zusammenhang mit seiner Krankheit zusammengebrochen war, rasch zur Stelle sein zu können.

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