LANDTAGSWAHL 2021

Wahlforum Penzlin – Popstar zofft sich mit Starjournalist

Wer macht das Rennen? Im Landtagswahlkreis 22 dürfte die Entscheidung sehr knapp ausfallen. In Penzlin trafen die Direktkandidaten kurz vor der Wahl zum zweiten Mal aufeinander.
Es war viel los beim Forum zur Landtagswahl mit den Kandidaten des Wahlkreis 22 in der Neuen Burg in Penzlin.
Es war viel los beim Forum zur Landtagswahl mit den Kandidaten des Wahlkreis 22 in der Neuen Burg in Penzlin. Ingmar Nehls
Beim Heimatquiz war auch Schnelligkeit gefragt.
Beim Heimatquiz war auch Schnelligkeit gefragt. Ingmar Nehls
Sie wollen in den Landtag: Dagmar Kaselitz (SPD), Andreas Rösler (AfD), Tino Eisbrenner (Linke), Frank Dade (Freie W&auml
Sie wollen in den Landtag: Dagmar Kaselitz (SPD), Andreas Rösler (AfD), Tino Eisbrenner (Linke), Frank Dade (Freie Wähler), Belinda Eule (die Basis), Thomas Beckmann (Einzelbewerber), Steffen Dobbert (Grüne) und Mirko Renger (FDP). Norbert Schumacher (Freier Horizont) fehlt auf dem Foto. Ingmar Nehls
Penzlin ·

Auch zwischen Neustrelitz, Waren und Neubrandenburg, von Städtern gern Umland genannt, gibt es Wähler. Jede Menge sogar. Wie viele Wahlberechtigte genau im Landtagswahlkreis 22 wohnen, der die Ämter Friedland, Neverin, Penzliner Land, Stargarder Land und Woldegk umfasst, war eine der Fragen, die von den Kandidierenden im Politiker-Quiz gelöst werden musste. Als Preis gab es zwar keinen Sitz in Schwerin, aber immerhin konnten Tino Eisbrenner (Linke), Belinda Eule (Die Basis), Andreas Rösler (AfD), Dagmar Kaselitz (SPD), Mirko Renger (FDP), Norbert Schumacher (Freier Horizont), Frank Dade (Freie Wähler), Steffen Dobbert (Grüne) und Thomas Beckmann (Einzelbewerber) ihr Heimatkundewissen zur Schau stellen. 

Mit zehn Bewerbern auf das Direktmandat ist die Auswahl an Köpfen groß und die Themenvielfalt bunt, wie das zweite Aufeinandertreffen am Donnerstagabend in der Neuen Burg in Penzlin zeigte. Neun Kandidaten waren der Einladung des Regionalzentrums für Demokratische Kultur gefolgt. Es fehlte nur Thomas Diener (CDU), der zeitgleich als Amtsvorsteher eine Sitzung leiten musste.

Zur Auflösung: Bei der Wahl vor fünf Jahren waren 34 202 Einwohner wahlberechtigt. 0,1 Prozent davon guckten sich das Forum an, bei dem es unter anderem um die Themen wie Beteiligung von Kinder und Jugendlichen, Wohnungsnot, Steigerung der Attraktivität des ländlichen Raumes ging und um die Hauptthemen der jeweiligen Bewerber. Die konnten zeitlich begrenzt nacheinander ihr Ideen vorstellen.

Das machte einigen mehr Spaß und anderen weniger. „Ich mag das Format nicht“, sprach Norbert Schumacher aus, was man ihm auch anmerkte. Am angriffslustigsten präsentierte sich Steffen Dobbert, der gegen CDU, SPD und AfD austeilte. Dobbert war es auch, der viele Hebel in Bewegung gesetzt hatte, damit es überhaupt ein Forum gibt. „Zur Demokratie gehört, dass man miteinander redet. Dafür muss man sich aber treffen“, sagte der Journalist und Autor. Nicht zu kommen, sei unanständig.

AfD-Kandidat Rösler Bester im Heimatquiz

Unanständig wiederum findet Andreas Rösler steigende Spritpreise. Es müsse mehr Geld in die Kommunen fließen. Die Deutschen seien die fleißigsten in Europa und unterstützten viele andere Länder. „Wegen welcher Schuldigkeit verschenken wir unser Geld in die ganze Welt?“, fragte Rösler in die Runde. Auf die Frage eines jungen Mannes aus dem Publikum, wie und ob man die Regeln zum Arbeitslosengeld ändern würde, meinte der AfD-Politiker, dass man auch gucken müsse, wer sich bei Hart IV in die Hängematte lege.

Als Elternratsvorsitzender machte sich Frank Dade vor allem für das Thema Bildung stark. Mirko Renger, der einen Steinmetzbetrieb leitet, zeigte sich pragmatisch. Vom Satz „Die Renten sind sicher“ sei man lange weg, sagte er auf die Frage einer Schülerin, warum ihre Oma nach lebenslanger Arbeit im Pflegeheim von der Familien unterstützt werden müsse. Dass für Rentner kein Geld da ist und für sinnlose Windräder schon, sei laut Schumacher skandalös. „ Deswegen gibt es die Politikverdrossenheit und die AfD“, sagte er.

Für Tino Eisbrenner ist das Problem ein klarer Fall, dass die Lebensleistungen der DDR aberkannt wurden. Das sei bei ihm auch so gewesen – „und ich war ein Popstar in der DDR“, betonte Eisbrenner, der auch eine Gitarre dabei hatte. Das habe er immer, so wie auch einen indianischen Ring und eine russische Uhr. Vielleicht auch deshalb ein klares Daumen hoch von Eisbrenner für die Fertigstellung von Nord Stream 2.

Auf der gleichen roten Welle schwamm auch Dagmar Kaselitz. Die Gaslieferungen seien für den Übergangszeitraum notwendig, um das Ziel der Klimaneutralität zu erreichen, und es sei auch ein Beitrag zur Völkerverständigung. Dobbert, der von einem Gast auch danach gefragt wurde, bezeichnete die Pipeline als Verstoß gegen Europäisches Recht. Sie stehe den Zielen des Klimaschutzes entgegen. Das Durchboxen des Projektes über die Stiftung sei eine demokratische Frechheit. Es gebe neben der ökologischen auch eine außenpolitische Frage. „Polen ist unser Nachbar, nicht Russland. Russland ist für Tausende Tote in der Ukraine verantwortlich“, sagte Dobbert, der als Reporter dort lange lebte.

Bester Auskenner im Quiz war übrigens Andreas Rösler. Doch was zählt, ist die Wahl am Sonntag. Vor fünf Jahren gewann der damalige CDU-Spitzenkandidat Lorenz Caffier mit 26,6 Prozent der Erststimmen das Direktmandat vor Andres Rösler (AfD), der 25,9 Prozent holte. Dahinter folgte Dagmar Kaselitz mit 24,6 Prozent. Ein knappes Ding, und das könnte es am Sonntag wieder werden. Darum wird es einmal mehr auf jede Stimme ankommen.

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