Landleben

Kreative Mecklenburgerin macht vegane Gerichte zum Kulturgenuss

Carin B. kocht leidenschaftlich gern und nutzt Produkte aus der Region. Sie möchte ihren Gästen zeigen, wie abwechslungsreich fleischlose Küche sein kann.
Ob in der guten Stube oder mit der Reihe „Carin kocht vegan“: Karin Bauer-Mäter gibt ihre Leidenschaft f&uuml
Ob in der guten Stube oder mit der Reihe „Carin kocht vegan“: Karin Bauer-Mäter gibt ihre Leidenschaft für gesundes, vielfältiges Essen gern an Gäste weiter. Susanne Schulz
Ob Pilzpfanne oder Gurkensuppe, fruchtig oder pikant: Carin B. liebt es, regionale Produkte saisongerecht zu verarbeiten.
Ob Pilzpfanne oder Gurkensuppe, fruchtig oder pikant: Carin B. liebt es, regionale Produkte saisongerecht zu verarbeiten. Tina Vinke
Carin B. kauft für ihre Kreationen gern in Hofläden ein.
Carin B. kauft für ihre Kreationen gern in Hofläden ein. Tina Vinke
Ob Pilzpfanne oder Gurkensuppe, fruchtig oder pikant: Regionale Produkte werden bei Karin Bauer-Mäter, Künstlername
Ob Pilzpfanne oder Gurkensuppe, fruchtig oder pikant: Regionale Produkte werden bei Karin Bauer-Mäter, Künstlername Carin B., saisongerecht verarbeitet. Tina Vinke
Groß Varchow

Am Freitag gibt’s Linsenbraten. Carin kennt das schon, dass dieses Gericht erst mal stutzen lässt: Wie soll das gehen, aus Linsen einen Braten zu machen? Carin weiß, wie, und sie wird auch kein Geheimnis daraus machen.

Wie aus keinem ihrer Rezepte: Was sie kocht, darf gern nachgekocht und weitererzählt werden. Schließlich ist es ihr Wunsch zu zeigen, wie reichhaltig, nahrhaft und kreativ vegane Küche sein kann. „Carin kocht vegan“ ist das Markenzeichen, unter dem Karin Bauer-Mäter seit einigen Monaten regelmäßig die Gäste der schmiede1860 in Groß Dratow verwöhnt.

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Kochen auch als Gegenpol zur regulären Arbeit

Sich mit Essen zu beschäftigen, ist schon lange ihre Leidenschaft, bekennt die gebürtige Woldegkerin, die in Prenzlau zur Schule ging, in Berlin Erwachsenenbildung studierte und dann in den 2000ern ein Häuschen in Groß Varchow nahe dem Müritz-Nationalpark als neues Zuhause entdeckte. Hier findet sie zu ihrem Beruf als Gesetzliche Betreuerin für Menschen, die ihre Angelegenheiten nicht selbst regeln können, den erholsamen Gegenpol in Landschaft, Ruhe, Luft – und im Kochen. Längst nicht mehr nur für Freunde und Bekannte; und längst nicht nur für Veganer: Die 53-Jährige möchte Nachbarn, Besucher, Urlauber einfach mit guter Küche verwöhnen und ihnen unerwartete Entdeckungen bereiten.

Sie selbst lebt vegetarisch; schon seit vielen Jahren, „als wir aus dem Osten Anfang der 90er das Wort noch gar nicht kannten“, sagt sie verschmitzt: „Da galt ich einfach als ,schlechte Esserin‘ und mochte kein Fleisch.“ Zumal „die meisten Tiere, die wir essen, nicht mehr natürlich leben“, findet sie es „moralisch falsch, wenn Tiere als Produktionsdetail in unserer Nahrungskette herhalten“.

Zwischen Kräutergarten und Stubenkultur

Frühstückseier gibt es bei Carin – im Unterschied zu ihrem bürgerlichen Namen steht die Schreibweise mit C für ihre kreativen Projekte, von denen noch die Rede sein wird – nur von Nachbars Hühnern; im Garten wachsen Kartoffeln und Gewürze. Und überhaupt kauft sie Lebensmittel am liebsten in Hofläden und auf Märkten in der Umgebung: immer das, was die Saison gerade hergibt.

Duft inspiriert

Daraus werden Gerichte und Menüs, die die klassischen Fragen „Wird man denn davon satt?“ und „Gibt‘s da nur Salat?“ ad absurdum führen. „Das meiste denke ich mir aus“, verrät die passionierte Köchin. Mehr noch als das Wissen über den Geschmack inspiriert sie der Duft: „Ich rieche Dinge zusammen und weiß dann, was ich draus machen will.“ Sie hat auch Kurse besucht, liest sich Wissen an, lernt von anderen. Kochbücher zu wälzen, ist aber ihre Sache nicht.

Neben „Carin kocht vegan“ hat die kreative Frau auch die Reihe „Stubenkultur“ ins Leben gerufen, in eher privatem Rahmen in ihrer Ferienwohnung „Adele“: Sie kocht, die Gäste genießen das Essen und genießen dazu noch eine Buchvorstellung oder eine Musikdarbietung von Künstlern aus der Region. Das kommt an: „Wann machste denn mal wieder ’ne ,Stube‘?“, wird die Gastgeberin immer mal gefragt. Ihr Traum wäre es, auch mal ein kleines Festival kulinarisch zu begleiten.

Eine Mission ohne erhobenen Zeigefinger

Zudem hat sie noch einen ganzen Reigen von Ideen zu ihrem „CarinB.-Concept“ geformt, von der musikalisch-kulinarischen Reihe „Bauernrose“, die sie in der Kirche von Groß Varchow etablieren möchte, über KüchenKultKurse zum Mitmachen oder einen „Gabentisch“, bei dem jeder mitwirken kann, bis zur Belebung des Markttreibens im nahen Penzlin. Offen ist die Veganköchin auch für Einladungen zu Beratung, Kursen oder Events – vielleicht wird aus ihrer Passion ja noch mehr als eine Leidenschaft.

Vorzüge sollen überzeugen

„Ohne erhobenen Zeigefinger“ möchte sie ihre Mission von den schmackhaften, nachhaltigen und gesunden Vorzügen veganer Küche verbreiten, mit saison-gerechten Zutaten aus der Region, also ohne lange Lieferketten, dafür in Bio-Qualität, ohne künstliche Geschmacksverstärker. Dafür ist Carin auch immer an neuen Kontakten zu Erzeugern veganer Produkte in Mecklenburg interessiert.

Sauerkraut mit Johannisbeere

Der Vegan-Trend kann auch die Gastronomie in der Region bereichern, ist sie überzeugt und freut sich sehr über den Mut der schmiede1860-Betreiber in Groß Dratow, Tina und Axel Vinke, die Reihe „Carin kocht vegan“ in ihrem Hause zu etablieren. Zum nächsten winterlichen Menü gibt es als Vorspeisen Blätterteig mit Roter Bete, Meerrettich und Apfel an Hafersahne sowie karamellisiertes Herbstgemüse, als Hauptgang besagten Linsenbraten im Rotweinsud, dazu Varchentiner Sauerkraut mit Johannisbeere und Kürbisstampf sowie zum Dessert einen Bratapfel mit Marzipan.

Ursprünglich für kommenden Freitag geplant, musste das Essen aber angesichts der Corona-Entwicklung zunächst verschoben werden. Neue Termine können erfragt werden unter 039934 898134 oder [email protected]; für Kurse oder Events empfiehlt sich der direkte Kontakt unter [email protected]

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