Sowohl Urlauber als auch Einheimische tummeln sich gern am Strand in Rechlin. Lange nicht ahnend, was da im Wasser liegt.
Sowohl Urlauber als auch Einheimische tummeln sich gern am Strand in Rechlin. Lange nicht ahnend, was da im Wasser liegt. Ingmar Nehls
Rechlins Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth (r.) stoppte die Aktion im Sommer.
Rechlins Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth (r.) stoppte die Aktion im Sommer. Ingmar Nehls
Nicht länger warten, sondern anpacken. Das hatten sich einige Rechliner gedacht. Nun ist aber die professionelle Ber&auml
Nicht länger warten, sondern anpacken. Das hatten sich einige Rechliner gedacht. Nun ist aber die professionelle Beräumung des Strandabschnittes in Sicht. Ingmar Nehls
Solche großen Brocken liegen auf dem Müritzgrund nur ein paar meter vom Ufer entfernt.
Solche großen Brocken liegen auf dem Müritzgrund nur ein paar meter vom Ufer entfernt. Ingmar Nehls
Schweröl-Klumpen

Rechliner atmen auf – Krebsgefahr am Strand wird gebannt

Die Rechliner erleben ein Weihnachtswunder. Nach einem ewigen Papierkrieg wird der Mili-Strand von den gefährlichen Brocken befreit. Die lauern seit Jahren im Müritzwasser.
Rechlin

„Es ist die Zeit, in der Wunder wahr werden und Wünsche in Erfüllung gehen“, sagt ein glücklicher Wolf-Dieter Ringguth (CDU). Der Rechliner Bürgermeister freut sich, dass nach eineinhalb Jahren Papierkrieg und Behördenstreit das Mili-Wunder geschehen ist: Das Wasser- und Schifffahrtsamt sowie das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (StALU) beräumen den Strand am Südufer der Müritz. „Im Februar werden die Klumpen weggebaggert“, verkündet Ringguth. Berechnungen zufolge soll es sich um etwa 75 Tonnen Material handeln.

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Entsorgung ausgeschrieben

Tatsächlich ist auf der Vergabeplattform der Landesregierung ein Auftrag für die Sanierung der Gewässerbettverunreinigung ausgeschrieben. Konkret geht es um Bergungsarbeiten auf einer sechs mal 23 Meter großen Fläche im Flachwasserbereich des Ex-Militär-Badestrands „Mili“. Die Arbeiten sollen am 1. Februar beginnen und bis zum 15. Februar abgeschlossen sein. Klappt das, dann gibt es an dem Strand, der sowohl bei Einheimischen als auch bei Urlaubern sehr beliebt ist, endlich wieder ungetrübten Badespaß.

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Druck auf die Behörden

Daran hatten viele Anwohner schon nicht mehr geglaubt, und weil sie es satthatten, auf die Behörden zu warten, packten sie nach einem Aufruf von Walter Blanke im Sommer selbst bei einem Arbeitseinsatz an und holten einige dicke Klumpen aus dem Wasser. Die Urlauber schauten entsetzt, was da zum Vorschein kam. Immerhin, die Aktion, die auf Bitten des herbeieilenden Bürgermeisters Ringguth schnell beendet wurde, erhöhte den Druck auf die verantwortlichen Behörden. Denen warf Ringguth Versagen vor. In einem flammenden Schreiben an den damals zuständigen Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte er noch einmal genau zusammenfasst, was am Südzipfel der Müritz los ist. Und plötzlich kam auch Bewegung in die Sache.

Verschmutzung schon in den 50er Jahren sichtbar

Niemand kann so genau sagen, wie der Abfall in das Wasser gelangte und wie lange er dort schon lauerte. Von Einwohnern gibt es verschiedene Erzählungen dazu. Bei einer Einwohnerversammlung im Herbst hatte Wolf-Dieter Ringguth eine Luftaufnahme aus der Zeit um 1952 gezeigt, auf der man erkennen konnte, dass es schon damals die Verschmutzung gab. In der Zeit überflog die Rote Armee die gesamte DDR und hat sie kartiert. Als der Wasserspiegel der Müritz im August 2020 nach zwei heißen Sommern auf einen historisch niedrigen Wasserstand absank, wurde das Ausmaß der Belastung aber deutlich.

Langes Warten auf erneute Analyse

In einem vom StALU bezahlten Gutachten wurde festgestellt, dass es sich um Schweröl handelt und nicht um Teer, wie zunächst vermutet. Die Klumpen gelten als krebserregend, vor allem für kleine Kinder, die das Material beim Baden in den Mund nehmen könnten. Auch die Gemeinde hatte eine Analyse bei einem Umweltlabor anfertigen lassen und an das Staatliche Amt übergeben. Bis zur erneuten Analyse im Juli waren mehr als elf Monate vergangen. „Das ist ein wenig seltsam“, hatte Ringguth die Verzögerung kommentiert.

Präzedenzfall?

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt ist aus Sicht des Bürgermeisters für die Entsorgungskosten des Sondermülls zuständig. Das Rechliner Wunder könnte hohe Wellen schlagen. Denn das zuständige Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe hatte Ringguth mitgeteilt, dass mit der Beseitigung des Sondermülls ein Präzedenzfall geschaffen wird.

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