Anwohnerkritik

Zu wenig Wasser in der Müritz?

Weil die Oberseen immer weniger Wasser tragen, zog ein Anwohner jetzt vor den Umweltausschuss des Kreistages in der Seenplatte. In einem Kritikpunkt gab ihm die Behörde dabei sogar recht.
Die Müritz dient als Wasserreservoir für zahlreiche Gewässer flussabwärts. Doch aus Sicht von Anwohnern wi
Die Müritz dient als Wasserreservoir für zahlreiche Gewässer flussabwärts. Doch aus Sicht von Anwohnern wird zu viel abgeleitet. Bernd Wüstneck
Seenplatte

Seit Jahren kämpft Stefan Kittel aus Röbel gegen niedrige Wasserstände der Mecklenburger Oberseen im Westen des Landkreises. Denn aus Sicht des Bootsbesitzers läuft bei der Regelung der Wehre einiges falsch. Aus der Müritz als größtes Wasserreservoir der Region werde zu viel abgeleitet. Die Wehre müssten besser vernetzt, die Absprachen der zuständigen Ämter optimiert und dem Klimawandel angepasst werden, findet er.

Sorge um Nutzbarkeit der Wasserwege

Kittel sammelte in zwei unterschiedlichen Petitionen bereits mehr als 2200 Unterschriften für die Interessen von Naturschützern, Touristikern und Bootsbesitzern. „Arbeitsplätze werden gefährdet und die Umwelt geschädigt“, so Kittel. In Deutschland entstünden andere Naherholungsgebiete, die der Seenplatte den Rang ablaufen, sollte sich nicht sorgfältiger um die Wasserstraßen gekümmert werden. Seit mehr als 20 Jahren wird nach seiner Einschätzung nur noch das Nötigste für das Gewässersystem getan.

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Jetzt trug Stefan Kittel stellvertretend für seine Mitstreiter die Sorgen im Umweltausschuss des Kreistages der Seenplatte vor – und verbuchte es zumindest als Teilerfolg. Denn auch die Behördenseite schenkte ihm an diesem von der Linksfraktion eigens dafür festgesetzten Ausschusstermin ihre volle Aufmerksamkeit.

Fehler vor drei Jahren zugegeben

In einem Punkt gab man ihm sogar uneingeschränkt recht: Christoph Linke, Leiter des Staatlichen Amtes für Umwelt und Naturschutz (StALU) Mecklenburgische Seenplatte, räumte ein, dass direkt nach den starken Niederschlägen im Winter vor drei Jahren nicht optimal gehandelt, zum Teil zu viel Wasser durchgelassen wurde. Die anhaltende Trockenheit ab April in jenem Jahr habe man nicht vorhersehen können. „Besseres Wissen hatten wir damals nicht. Man weiß nie, was die Zukunft bringt“, so Linke.

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Schon seit Ende 2018 hätte man wiederum entsprechend reagiert – und nur das absolute Minimum durchgelassen. „Weniger ist nicht möglich.“ Die Oberseen um die Müritz aber seien schlichtweg stark von Niederschlag abhängig – mehr als beispielsweise der Tollensesee nahe Neubrandenburg. Verdunstung spiele ebenso eine große Rolle.

Blick auf das große Ganze

Dass es an einer mangelnden Abstimmung zwischen den Ämtern hapert und die Wehre nicht hinreichend vernetzt sind, wies Linke auf Nordkurier-Nachfrage hingegen zurück. Als Anlieger dürfe Kittel natürlich seine eigenen Interessen vertreten. Die Behörden müssten aber alle Faktoren im Blick behalten – zum Beispiel auch die Wasserstände der Gewässer flussabwärts.

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Stefan Kittel zeigte sich letztlich zufrieden über den Austausch – auch wenn er einige Punkte wie die Rolle der Verdunstung und den Wasserbedarf des Westens nicht in gleicher Weise bewertet. Ihm konnte zumindest der Eindruck vermittelt werden, dass alles getan wird, um die Wasserbewirtschaftungsregeln künftig einzuhalten.

„Keine Frage der Zuständigkeit”

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Kreistag, Elke-Annette Schmidt, fand es vor allem wichtig, dass dieses Anliegen in den politischen Raum getragen worden sei. Sie begrüßte ebenso Zusicherungen des StALU über mehr Austausch. Der Umweltausschuss werde die Entwicklung weiter verfolgen. Schmidt störte allerdings, dass zunächst wieder einmal über Zuständigkeiten gestritten worden sei. „Natürlich sind wir zuständig – es geht um unsere Region.“

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