PROTEST IN LÄRZ

„1000 gute Gründe für die Fusion“

Über dem Fusion-Festival in Lärz schwebt das Damoklesschwert. Während sich Veranstalter und Polizei partout nicht einig werden, macht das Dorf selbst mobil und geht auf die Barrikaden.
Elke Enders Elke Enders
Post aus Lärz: Mit Postkarten will das Dorf etwas gegen das drohende Aus des Festivals tun.
Post aus Lärz: Mit Postkarten will das Dorf etwas gegen das drohende Aus des Festivals tun. Elke Enders
Lärz.

Autorin Elke Enders berichtet seit Jahren von der Fusion – auch, weil sie selbst in Lärz wohnt. Sie hat mit ihren Nachbarn gesprochen: Wie finden die eigentlich die Fusion?

Fest steht: Wenn Nils Hoffmann-Ritterbusch, der Polizeipräsident von Neubrandenburg, die nächsten Tage Post bekommt, dann könnten durchaus auch Ansichtskarten aus Lärz dabei sein. „1000 gute Gründe für die Fusion“, heißt eine Aktion, die eine kleine Initiative aus dem 500-Einwohner-Dorf am Dienstag spontan ins Leben gerufen hat. Die Initiative will damit einen friedlichen Protest starten.

Argumente für das Fusion-Festival

Mit den Karten, die Dorfansichten während des Festivals zeigen, können all jene, denen die Veranstaltung ans Herz gewachsen ist, ein paar nette Worte an den Polizeipräsidenten richten – und natürlich Argumente, die für die Fusion sprechen und dafür, dass sie auch künftig bleibt, wie sie ist. Denn die Meldung vom möglichen Festival-Aus schlug ein wie eine Bombe.

Die Telefone klingelten heiß: „Was ist denn bei Euch los“, bekamen meine Nachbarn und ich häufig zu hören. Oder es kamen Mitgefühlsbekundungen per Mail: „Wir drücken der Fusion, der Region und allen, deren Herz daran hängt, die Daumen, dass das alles ein gutes Ende nimmt.“ Dass ein Konflikt zwischen Polizei und Veranstalter schwelt, der so leicht nicht auszuräumen ist, scheint gerade auch für Einheimische nur schwer nachzuvollziehen.

 

 

 

20 Jahren friedliches Miteinander

Nach mehr als 20 Jahren des friedlichen Miteinanders. Bislang war immer die Rede davon, wie gut das Zusammenwirken von Veranstalter und Polizei doch klappe. Drogenkontrollen an den Zufahrtsstraßen, Polizeipräsenz rund ums Gelände – bei den meisten Einwohnern traf das auf vollstes Verständnis. Dazu die Ordnungscrews vom Veranstalter, die alle exakt eingewiesen sind und die geltenden Regeln rigoros durchsetzen.

Mehr lesen: Freispruch im Prozess um Vergewaltigung auf Fusion-Festival

Und die Vorkommnisse, die es gab? Im Großen und Ganzen galt immer, dass das, was zweifelsohne passiert ist, in keinem Verhältnis zu den feiernden Massen stand. Wie hieß es so oft: „Auf jedem Dorffest gibt es mehr Prügeleien.“ Nun gut, die Fusion hat auch ihre Schattenseiten. Sie ist laut, groß, megavoll und für alle, die mit ihr leben müssen, auch irgendwie eine Strapaze. Aber andersherum ist sie so vielfältig, kreativ, bunt und alles andere als gewöhnlich.

Dorf ist stolz auf seine Fusion

Und das Dorf ist stolz auf seine Fusion, auch wenn es Ecken und Kanten gibt. „Der Kulturkosmos gehört zu uns“, hieß es jüngst unter Lärzer Teilnehmern der Online-Petition. „Eine mobile Polizeiwache auf dem Gelände zuzulassen, würde das Flair beeinflussen, die Unbeschwertheit einschränken, vielleicht sogar ein gewisses Gewaltpotenzial heraufbeschwören, das sonst bei diesem Festival kein Thema war“ – auch solche Stimmen sind zu vernehmen.

Wie war auf einer der Ansichtskarten zu lesen? „Das wäre ja, als wenn Eltern ihre Kinder abends in die Disco begleiten würden...“

Im Streit um das Fusion Festival 2019 streben die Polizei und Ordnungsbehörden weiter einen Kompromiss mit dem Veranstalter an. Dies erklärten sie am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Neubrandenburg.  Hier können Sie sich die Pressekonferenz der Polizei zur Fusion in Gänze ansehen:

Alle Artikel zum Fusion-Festival 2019 in Lärz finden Sie hier.

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