TRAGISCHES ENDE

21-Jähriger nach Badeunfall im Warener Volksbad verstorben

Ein 21-Jähriger konnte nach einem Badeunfall im Warener Volksbad zunächst wiederbelebt werden. Zwar waren Lebensretter gleich zur Stelle, das Ende aber war trotzdem tragisch.
Petra Konermann Petra Konermann
Aus einem Trainingsabend am Volksbad wurde am Mittwoch-Abend ein bitterernster Einsatz.
Aus einem Trainingsabend am Volksbad wurde am Mittwoch-Abend ein bitterernster Einsatz. Petra Konermann
Stephan Radtke von der DRK-Wasserwacht im Warener Volksbad, wo ein 21-Jähriger zunächst gerettet werden konnte.
Stephan Radtke von der DRK-Wasserwacht im Warener Volksbad, wo ein 21-Jähriger zunächst gerettet werden konnte. Petra Konermann
Mit diesen Pflastern wurden Laken am Geländer der Volksbad-Brücke befestigt, um Schaulustigen bei der Reanimation des Jugendlichen die Sicht zu nehmen.
Mit diesen Pflastern wurden Laken am Geländer der Volksbad-Brücke befestigt, um Schaulustigen bei der Reanimation des Jugendlichen die Sicht zu nehmen. Petra Konermann
Waren.

Wie lange kann ein Mensch tauchen? Diese Frage war es, die am Mittwochabend im Volksbad eine fast unglaubliche Rettungskette in Gang setzte. Badegäste hatten kurz nach 18.30 Uhr von der Brücke am Volksbad aus beobachtet, dass dort ein Mensch auf dem Müritzgrund trieb. Ihre Frage, wie lange ein Mensch unter Wasser bleiben kann, richteten sie an jemanden, der es wissen musste: An den 43-jährigen Stephan Radtke, Schwimmlehrer und bei der DRK-Wasserwacht seit neun Jahren für die Ausbildung des Rettungsschwimmer-Nachwuchses zuständig.

Am Mittwochabend trainierten die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen bei schönem Wetter im Volksbad, wie man einem Menschen das Leben rettet. 27 Grad Lufttemperatur, 21 Grad warmes Wasser, Sonnenschein. Gerade hatten drei Wasserwachtler ihre letzte Trainingseinheit zur Vorbereitung der schwimmenden Müritz-Querung hinter sich gebracht.

Man überlegt nicht, alles passiert automatisch

Ein bis dahin ziemlich normaler Trainingsabend, der innerhalb von Sekunden in einen bitterernsten Notfalleinsatz umschlug. Denn Stephan Radtke musste nur einem kurzen Blick auf die Person im Wasser werfen: „Ich wusste sofort, dass er Hilfe braucht.“ Radtke sprang ins Wasser, holte den 21-Jährigen an die Oberfläche. Im Kopf lief der Check: An Land? Nein, zu weit. Also auf die Volksbadbrücke. Die Jugendlichen, die bei Stephan Radtke ihre Rettungsschwimmer-Ausbildung absolvieren, halfen dabei, den 21-Jährigen auf die Brücke zu heben und riefen den Notarzt. Sofort begann Stephan Radtke auf der Brücke mit der Reanimation des Ertrunkenen.

„Dabei überlegt man nicht, alles passiert automatisch. Die Abläufe haben wir alle wieder und wieder trainiert, das sitzt“, sagte Stephan Radtke. Wie vielen Menschen der Mann aus Kargow schon das Leben gerettet hat, das weiß er nicht, das hat er nie gezählt. Er weiß nur: „Fünf habe ich geborgen, ihnen konnte man nicht mehr helfen.“ Diese Zahl wiegt für ihn schwer. „Doch auch das blendet man aus“, meinte der Retter.

Er wirbt dafür, dass alle Kinder schwimmen lernen

Im Notfall zählt schließlich jede Sekunde: „Mit jeder Minute, die für einen Ertrunkenen vergeht, schwinden zehn Prozent der Überlebenschance“, rechnete Radtke vor. Eine Krankenschwester, die als Badegast den Unfall mitbekommen hatte, bot ihre Hilfe an und übernahm die Mund-zu-Mund-Beatmung, während er weiter die Herzdruck-Massage ausübte. Die Notfallsanitäter und der Notarzt waren innerhalb weniger Minuten vor Ort, so dass der junge Mann noch auf der Brücke zunächst wiederbelebt und ins Warener Krankenhaus gebracht werden konnte. Nach Polizeiangaben starb der 21-Jährige jedoch im Laufe des Donnerstags.

Für Stephan Radtke ist dieser Einsatz trotz allem eine Teamleistung, die die Jugendlichen, die Krankenschwester, die Sanitäter, der Notarzt und er geleistet hatten. „Den Kindern und den Jugendlichen, die wir trainieren, hat das vor Augen geführt, wie wichtig eine gute Ausbildung ist, wie wichtig die Arbeit der Wasserwacht ist“, meinte Stephan Radtke.

Niemand wird mit dem Erlebnis allein gelassen

Er und seine Kollegen haben mit dem Rettungsschwimmer-Nachwuchs, der natürlich abseits des Einsatzes betreut wurde, über die Rettungsaktion gesprochen. „Niemand wird mit diesem Erlebnis allein gelassen“, betonte Radtke, der dafür wirbt, dass ausnahmslos alle Kinder schwimmen lernen und dafür, dass noch mehr junge Menschen Rettungsschwimmer werden.

Er ist traurig über die Nachricht, dass der junge Rumäne trotz des Einsatzes von Rettern, Schwestern und Ärzten nicht überlebt hat. Stephan Radtke selbst hat einen Wunsch: Dass sich die Krankenschwester meldet, die bei der Rettung geholfen hatte und die dann verschwunden war. „Ich würde ihr gerne danken“, sagte der Retter.

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Waren

zur Homepage