UMSTRITTENE KUHSTALL-ERWEITERUNG

315 Unterschriften sollen was bewegen

Damit der Rinderstall in Ankershagen erweitert werden kann, müssen Flächen aus dem bestehenden Landschaftsschutzgebiet ausgegliedert werden. Gegen diesen Schritt wehrt sich nicht nur die Stadt Penzlin, auch Bürger protestieren.
Blick auf die bestehende Rinderanlage. Sie steht in ihrer Größe unter Bestandsschutz.
Blick auf die bestehende Rinderanlage. Sie steht in ihrer Größe unter Bestandsschutz. Stephan Radtke
Kristin von Helms sammelte Unterschriften von Bürgern aus Ankershagen und acht weiteren Orten.
Kristin von Helms sammelte Unterschriften von Bürgern aus Ankershagen und acht weiteren Orten. Susann Salzmann
Ankershagen.

1430 Tiere statt „nur“ 628 Rinder: Die Ankershagenerin Kristin von Helms kann sich mit der geplanten Erweiterung des Rinderstalles nahe des Müritz-Nationalparkes nicht arrangieren. Insbesondere deshalb nicht, weil der Landwirt laut Antrag fast eine Verdopplung von Milchkühen und Kälbern vorsieht. Ein Schritt auf dem Weg zum größeren Kuhstall ist nun die Ausgliederung einer nach Nordkurier-Informationen 15,6 Hektar großen Fläche. Dort gedeiht schützenswerte Natur, deshalb wurde das Areal als sogenanntes Landschaftsschutzgebiet „Havelquellseen Kratzeburg“ definiert. Weil es dieses „Schutz-Zertifikat“ für den Bereich um die Rinderanlage nicht mehr geben soll, hat Kristin von Helms Unterschriften gesammelt.

Übergabe ans Ministerium

„Insgesamt 315 Leute haben sich bisher gegen die Ausgliederung des Landschaftsschutzgebietes ausgesprochen und unterschrieben“, so von Helms am Freitag. Neben Mitgliedern der Bürgerinitiative Ankersgagen, zu der Kristin von Helms gehört, sammelten auch Anwohner Unterschriften gegen die Ausgliederung aus dem Landschaftsschutzgebiet

Am Montag möchte sie die Liste mit der Hoffnung, an der Ausgliederung noch etwas ändern zu können, dem Landwirtschaftsministerium MV in Schwerin übergeben. Von Helms befürchtet bei einer Stall-Vergrößerung durch Lärm, durch höheres Verkehrsaufkommen und Gerüche gesundheitliche Beeinträchtigungen, weniger Lebensqualität, einen Wertverlust der Grundstücke und einen Negativeinfluss auf den Tourismus.

Der Inhaber der Anlage plant laut Antrag, seine Milchviehanlage für mehr als 2,6 Millionen Euro von bislang 538 Rinder- und 90 Kälberplätzen auf insgesamt 1200 Kühe und 230 Kälber zu vergrößern (der Nordkurier berichtete). Nur rund 870 Meter westlich vom aktuellen Gelände, für das Bestandsschutz gilt, befindet sich das Müritz-Naturschutzgebiet. Deshalb ist der Weg zu einer Genehmigung noch weit. Die anfangs geplante Inbetriebnahme im Februar 2020 kam nicht zustande. Christoph Linke, der Leiter des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (STALU), bestätigte, dass die Änderung des Grenzverlaufs in dem Schutzgebiet definitiv Voraussetzung für eine spätere (potenzielle) Genehmigung der Anlage sei.

Stadt Penzlin ist auch gegen die Ausgliederung

Nicht gegen die Landwirtschaft im Allgemeinen, nicht gegen die Milchviehanlage, aber sehr wohl gegen die Ausgliederung des Schutzgebietes stemmt sich auch die Stadt Penzlin. Die Verwaltung schrieb laut Bürgermeister Sven Flechner (WPL) eine Stellungnahme, wonach der Schritt abgelehnt werde. Drei Gründe führt Penzlin in seiner Einwendung an. „An der Anlage vorbei läuft der Mühlenbach, der vom Mühlensee stammt – einem der saubersten Gewässer überhaupt in unserer Gegend“, so Flechner. Schon jetzt sei vom klaren Mühlensee-Wasser nach seinem 8,2 Kilometer langen Lauf in den Penzliner Stadtsee nicht mehr viel zu sehen. Das Wasser ähnele einer „Brühe“, sei verunreinigt.

Argumente: Wasserqualität, Tourismus, Radweg

Flechner befürchtet, dass sich die Wasserqualität mit einer Erweiterung weiter verschlechtert, ohne die Schuld auf den besagten Betrieb abzuwälzen. Zusätzlich beruft sich die Penzliner Verwaltung in ihrem Schreiben auf den sanften Tourismus. Im Ortsteil Zahren etwa gibt es beispielsweise Ferienwohnungen und Angebote zum Kanufahren. Das Landschaftsbild insgesamt solle erhalten bleiben und nicht (weiter) gestört werden. Als drittes Argument führt der Bürgermeister den bedeutenden Radweg Berlin-Kopenhagen an, der durch die Schliemann-Gemeinde führt und zugleich abschnittsweise als Zufahrt zu dem Landwirtschaftsbetrieb dient. Bei höherem Aufkommen von Landwirtschaftsverkehr käme es unweigerlich zu Konflikten mit Radlern. „Wenn erweitert wird, dann muss eine Verkehrstrennung erfolgen. Dann gilt das Verursacherprinzip, denn dafür sollte dann nicht die Öffentlichkeit zahlen müssen“, so Flechner.

Die Gemeinde hat ihr Votum für oder gegen die Ausgliederung noch nicht abgegeben. Das bestätigte Ankershagens Bürgermeister Thomas Will (Bauernverband Ländlicher Raum). Eine Stellungnahme soll in der kommenden Gemeindevertretersitzung am 15. Dezember beschlossen werden.

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Kommentare (1)

Stoppt endlich den lanwirtschaftlichen Größenwahn!