Corona-Maßnahmen

▶ „3G am Arbeitsplatz ist ausgewogen und verhältnismäßig”

Wer arbeiten geht, braucht einen Nachweis, dass er geimpft, genesen oder negativ getestet ist. Wer sich nicht daran hält, muss Konsequenzen befürchten, warnt ein Experte.
Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss einen negativen Corona-Test vorweisen, um im Betrieb arbeiten zu können.
Wer nicht geimpft oder genesen ist, muss einen negativen Corona-Test vorweisen, um im Betrieb arbeiten zu können. Matthias Balk
Spätestens, als es genügend Impfstoff gab, hätte sich der Warener Anwalt Volker Weinreich das flächendecke
Spätestens, als es genügend Impfstoff gab, hätte sich der Warener Anwalt Volker Weinreich das flächendeckende 3G-Prinzip fürs Arbeitsumfeld gewünscht. Susann Salzmann
Waren

Am Mittwoch mussten Arbeitnehmer, die nicht genesen oder geimpft sind, einen aktuellen Corona-Test bei ihrem Chef vorzeigen. Entsprechend lang waren auch die Warteschlangen an den Testzentren der Region.

Das Thema 3G ist umstritten, viele Presseanfragen dazu blieben am Dienstag unbeantwortet. Am Mittwoch meldeten sich noch die Warener Stadtwerke und bestätigten, dass sie die Regelung wie vorgeschrieben umsetzen. „Den derzeitigen Impf- und Genesungsstatus haben wir abgefragt. Wer nicht geimpft oder genesen ist, kann mit einem aktuellen Test seine Arbeit beginnen oder lässt sich vor Arbeitsbeginn im Betrieb testen“, informierte Stadtwerke-Chef Michael Hübner. Wenn dies der richtige Weg sei, um die Pandemie zu brechen, werde man dazu beitragen. Aussagen zur Verteilung des Status bei den Mitarbeitern wollte Michael Hübner aus Datenschutzgründen nicht machen.

Mehr zum Thema: So läuft’s mit 3G bei Firmen an der Müritz

Die 3G-Regelung sorgt auch für großen Aufwand in der Tourismusbranche, einem der wichtigsten Arbeitgeber der Region. Das Testen sei eines der wichtigsten Instrumente und gebe Sicherheit, sagte Sandra Kallisch-Puchelt, Vorsitzende des Dehoga-Regionalverbands Mecklenburgische Seenplatte.

„Die Mitarbeiter werden täglich vor Arbeitsbeginn getestet. Das klappt gut und ist für uns unproblematisch. Wir testen uns alle. Wir sind alle Gastgeber und möchten die Gäste begrüßen und Ihnen einen schönen Aufenthalt an der Mecklenburgischen Seenplatte bescheren. Gastgeber zu sein, dass ist uns das Wichtigste“, sagte Sandra Kallisch-Puchelt, die als Betriebsleiterin des Gutshof Woldzegarten bei Röbel tätig ist und sich für die SPD als Sachkundige Einwohnerin im Warener Finanz-und Grundstücksausschuss engagiert.

Ob Baustelle oder Büro: Arbeiten darf in Corona-Zeiten nur noch, wer täglich ein negatives Testzertifikat beim Betrieb vorzeigt oder nachweist, dass er vollständig geimpft oder genesen ist. Was einige für einen gravierenden Einschnitt halten, empfindet der Warener Volker Weinreich als Fachanwalt für Arbeitsrecht „als ausgewogen und verhältnismäßig im Hinblick auf die Corona-Lage“.

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Nur in bestimmten Situationen bräuchten Mitarbeiter keine täglichen Schnelltests vorweisen – dann, wenn sie etwa im Home Office arbeiten. Dann betreten diejenigen kein Unternehmensgelände. Auf letzterem ist der Arbeitgeber nun verpflichtet, zu kontrollieren, ob die 3G-Regel in seinem Betrieb eingehalten wird. Besteht für Arbeitnehmer keine Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten, bleibt nur noch das betriebliche Umfeld.

Chef kann Mitarbeiter auch nach Hause schicken

Das heißt für Ungeimpfte: Sie müssen sich testen lassen. Im Testzentrum per kostenlosem Schnelltest, der 24 Stunden Gültigkeit besitzt oder mit PCR-Test, der 48 Stunden gilt. Verweigert sich der ungeimpfte Mitarbeiter dem Testen, „ist das einer Arbeitsverweigerung gleichzustellen“, erklärte der Arbeitsrechtler.

Hintergrund ist, dass der nicht geimpfte oder genesene Angestellte arbeiten könnte, in dem er sich testen lässt. Testen wird damit zur Voraussetzung für Corona-Ungeimpfte, um ihrer Arbeit auf Firmengelände nachgehen zu können. Mitarbeiter, die keinen Corona-negativ-Nachweis bringen und in der Folge nicht arbeiten, könnten abgemahnt und später schließlich gekündigt werden.

Eine Kündigung, betonte der Arbeitsrechtler, sei jedoch das „letzte Mittel“. Bevor dieses zum Einsatz kommen darf, müssen Alternativen – etwa Home Office – geprüft werden. Möglich wäre aber auch, dass der Chef Mitarbeiter nach Hause schickt – sogar, ohne für diese Zeit Vergütung zu zahlen. Und zwar so lange, bis eines der Corona-Kriterien erfüllt ist.

Mit der 3G-Regel am Arbeitsplatz ist für Rechtsanwalt Weinreich die Linie klar, wenngleich er trotzdem einige praktische Probleme sieht: etwa das Testen für Schichtdienstler, die spätabends ihren Dienst antreten. Aber: „Spätestens, als genügend Impfstoff für alle da war, hätte man 3G für Unternehmen einführen müssen“, findet Volker Weinreich. Jetzt böte die Regelung einen „größtmöglichen Schutz“, ergänzt der Anwalt.

Strenger geht aber immer: So können Unternehmer selbst festlegen, ob in ihren Betrieben noch strengere Pandemie-Vorkehrungen getroffen werden, indem der Chef für seinen Betrieb ein 2G-Umfeld festlegt, in dem ausschließlich Geimpfte und Genesene arbeiten dürfen.

3G am Arbeitsplatz gilt ab 25. November auch in der Warener Verwaltung. Für Besucher gilt dasselbe Prinzip, wie Stadtsprecherin Stefanie Schabbel sagte. Nur noch Negativ-Getestete (Testzentrum), Geimpfte und Genesene können Termine in der Verwaltung nach vorheriger Absprache wahrnehmen.

 

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Kommentare (1)

Zu solch Dudenbegriffen ein Link der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zum Thema Testen in Hausarztpraxen:https://www.kbv.de/html/1150_55565.php