ANGRIFF IN MALCHOW

Ab wann gilt ein Hund als gefährlich?

Aus dem Spaziergang in Malchow wurde fast das sichere Ende einer Hündin, als ein aggressiver Hund zubiss. Und die Debatte um die sogenannten „gefährlichen Hunde” entbrennt neu.
Carina Göls Carina Göls
Lucky trug tiefe Wunden und große Narben davon.
Lucky trug tiefe Wunden und große Narben davon. privat
Regelrecht zerfleischt ist die Hündin Lucky nach der Attacke eine es Rüden.
Regelrecht zerfleischt ist die Hündin Lucky nach der Attacke eine es Rüden. privat
Vor dem schlimmen Erlebnis; eine zufriedene Lucky freut sich aufs Gassigehen mit Herrchen.
Vor dem schlimmen Erlebnis; eine zufriedene Lucky freut sich aufs Gassigehen mit Herrchen. Göls Carina
Malchow.

In Malchow wurde aus dem unbeschwerten Gassigehen innerhalb weniger Momente ein Todeskampf: „Der andere Hund kam auf meine Hündin zugerannt. Sie hat sich hingeworfen und ergeben, aber es nützte nichts. Der andere wog wohl etwa 40 Kilo. Und ich hörte nur noch meine Lucky schreien und das Geräusch wie ihr Fell aufriss”, erzählt ein Hundehalter aus Malchow, der anonym bleiben möchte. „Das war Horror, und man registriert gar nicht, was noch alles hätte passieren können.”

Der Besitzer des attackierenden Hundes habe ihn schließlich bezwungen. „Lucky lag leblos im Blut, nahezu zerfetzt”, erzählt ihr Herrchen, das bis nach Waren zum Tierarzt musste, um die schweren Verletzungen behandeln zu lassen. Der Besitzer des Angreifers habe noch einen Hund und sei in der Stadt nicht unbekannt. Er gelte aber als „ganz gut zu seinen Tieren”, soll den Angreifer-Hund aus einer Kampfhundebande zu sich geholt haben.

Es soll sich nach Nordkurier-Informationen um einen American Staffordshire Terrier, vielleicht auch einen Mix handeln. Demnach würde es sich um einen „Listenhund” handeln, der zu den sogenannten „gefährlichen Rassen” zählt. Immer wieder flammt im Land nach solchen Attacken die Debatte um diese Hunde auf. Doch was sind gefährliche Hunde?

Sachkundenachweis für Halter „gefährlicher Hunde”

In MV ist das Thema in einer Verordnung geregelt. Dort heißt es: „Nur Halter gefährlicher Hunde, also Listenhunde oder auffällig gewordene Tiere müssen ihre 'Sachkunde' unter Beweis stellen.” In MV stehen American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier, Bullterrier sowie jegliche Kreuzungen dieser Rasse laut Angaben aus dem Innenministerium in Schwerin auf dem Index. Als „gefährliche Hunde“ im Sinne der Verordnung gelten auch: Alle Hunde, bei denen rasseunspezifisch aufgrund ihres Verhaltens eine Gefährlichkeit im Einzelfall festgestellt worden ist. Das Halten und Führen von gefährlichen Hunden ist nur mit Erlaubnis der Behörde möglich.

Kritiker dieser Listen mahnen zum Überdenken solcher Kategorisierung. Diese Hunderassen seien nicht per se böse. In England oder den USA seien viele dieser „Listenhunde” als Familienhunde beliebt oder als Krankenpflegehunde, Rettungshunde, Blindenhunde in Aktion. Und kräftig zubeißen könne auch ein Deutscher Schäferhund. Das belegten Statistiken. Statt Hunde in Gut und Böse aufzuteilten, sollte über Hundeführerscheine für alle Halter nachgedacht werden, wie zum Beispiel in Niedersachsen.

Im Innenministerium gibt es solche Überlegungen nach Angaben von Sprecherin Marion Schlender noch nicht und auch keine komplexe Übersicht über Verstöße gegen die Hundehalterverordnung. Die aktuelle Verordnung vom 4. Juli 2000 werde im Sommer nächsten Jahres außer Kraft gesetzt und überarbeitet. Warum und in welche Richtung das geht, wusste die Sprecherin nicht. Nach Angaben aus den Ordnungsämtern des Landes seien in den vergangenen fünf Jahren zwischen einem und drei Haltern der „Listenhunde” die Tiere weggenommen wurden.

Verweis auf das örtliche Ordnungsamt

Ob das auch in dem aktuellen Malchower Fall eintreten könnte, steht noch nicht fest. Für die Polizei ist die Sache klar: fahrlässige Körperverletzung. Auch Luckys Besitzer wurde gebissen, musste krankgeschrieben werden. Eine Anzeige wurde laut den Beamten aufgenommen. Der Fall lande nun beim Staatsanwalt. Da die beiden beteiligten Hundehalter keine Strafanzeigen gestellt hätten, sei es allerdings fraglich, ob es zu einer Gerichtsverhandlung komme. Das Ganze sei vor allem Sache des städtischen Ordnungsamtes, so die Neubrandenburger Polizeisprecherin Diana Mehlberg.

„Dass Malchower im Sorge darüber sind, dass der Angreifer-Hund möglicherweise andere Hunde oder gar kleine Kinder angreift, das ist verständlich. Dennoch müssen die behördlichen Wege eingehalten werden.” Und die könnten durchaus auch zum Veterinäramt führen. Von dort verweist Amtschef Dr. Guntram Wagner jedoch ohne weitere Informationen zu dem aktuellen Fall zu geben „in das örtliche Ordnungsamt”.

Hund läuft weiter ohne Leine

Das hat den Fall nach Auskunft von Malchows Bürgermeister René Putzar (parteilos) auf dem Tisch. „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, kann ich vorerst nichts weiter dazu sagen”, so der Stadtchef. Er könne den betroffenen Hundehalter gut verstehen und auch all jene in seiner Stadt, die sich unsicher fühlen.

Zumal, wie in Malchow zu hören ist, auch fast drei Wochen nach dem Vorfall „nichts geschehen” sei: Der Hund laufe nach wie vor ungehindert ohne Leine überall herum. „Und das kann nicht sein”, meint der Malchower, der Angst um seine Hündin hatte und noch viele Male zum Tierarzt muss.

Inzwischen hat sich Lucky, die in einer ungarischen Tötungssation schon einmal dem Tod ins Auge geblickt hat, etwas berappelt. Mit den großen Wunden habe sie immer noch zu kämpfen. „Sie bekommt etwas gegen die Schmerzen und tut sich schwerer als sonst, spazierenzugehen. Aber sie ist tapfer," freut sich ihr Herrchen und hofft, „dass anderen in der Stadt so ein Schicksal durch das Handeln aller Verantwortlicher erspart bleiben kann”.

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Kommende Events in Malchow

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Malchow

zur Homepage

Kommentare (2)

Sachkundenachweis (so genannter Hundeführerschein) nur für Listenhunde ist Quatsch, wie ein Vorfall, über den der Nordkurier erst vor ca. 4 Wochen berichtete, beweist. Damals wurde eine Joggerin von einem Pinscher, wahrlich kein besonders großer Hund, angegriffen und ins Bein gebissen.

Nötig wäre ein Leinenzwang für alle Hunde, sobald sich deren Besitzer im öffentlichen Raum bewegen. Und zwar mit einer Leine, die maximal 80 cm lang ist - nicht diese inzwischen üblichen bis zu 10 m langen Stolperfallen. Aber die meisten Hundehalter setzen sich ja bereits jetzt darüber hinweg, dass in sämtlichen Wäldern MV's Leinenzwang herrscht. Die Tiere können nichts dafür wenn ihre Besitzer so hirnlos sind!

bin selber besitzer von zwei hunden JEDER der einen hund führt muss einen nachweis erbringen das er sie fähig sind einen hund zu führen egal welche rasse ob gross ob klein ...
beispiel im kulturpark wie kann es sein ein mädel ca 10jahre geht mit nem schäferhund an der leine ( der hund ging mit ihr ) ich hätte mir zu helfen gewusst falls was passiert wäre