DISKRIMINIERUNG

AfD-Anfrage zu Behinderten sorgt für Empörung an der Müritz

Die AfD stellt Verbindungen zwischen Menschen mit Behinderung und Inzest sowie Migration her. Das erinnere an das Euthanasie-Programm der Nazis, sagt die Chefin des Müritzer Behindertenverbandes.
Ingmar Nehls Ingmar Nehls
Behinderten- und Sozialverbände aus ganz Deutschland zeigen sich empört.
Behinderten- und Sozialverbände aus ganz Deutschland zeigen sich empört. Stefan Puchner
Waren.

Hanni Rossek findet klare Worte: „Das ist menschenverachtend. Dass es überhaupt gewagt wird, so eine Anfrage zu stellen, ist beschämend für ein so fortschrittliches Land wie Deutschland“, sagt die Vorsitzende des Behindertenverbands Müritz und macht ihrem Ärger Luft.

Bundestagsabgeordnete der AfD hatten in einer Anfrage von der Bundesregierung wissen wollen, wie sich die Zahl der Behinderten in Deutschland seit 2012 entwickelt habe, und zwar „insbesondere die durch Heirat innerhalb der Familie entstandenen“. Daran schlossen sie die Frage an, wie viele dieser Fälle einen Migrationshintergrund hätten. Diese Verknüpfung von Behinderung mit Inzucht und Migration löste breite Empörung aus.

„Wir treten seit Jahren gegen jegliche Formen der Diskriminierung und für die Gleichbehandlung aller Menschen ein. Die Anfrage der AfD erinnert an das Euthanasieprogramm der NS-Zeit“, sagt Hanni Rossek. Auch wenn sich die AfD gern als bürgerliche Partei darstelle, sei sie doch ein Wolf im Schafspelz, wie sich jetzt einmal mehr zeige, meint Hanni Rossek.

Am zurückliegenden Wochenende war sie in Berlin bei einer Sitzung des Allgemeinen Behindertenverbands in Deutschland, dem Dachverband auf Bundesebene. Dort sei die Anfrage auch Thema gewesen und man habe eine Berliner Erklärung dazu verfasst.

AfD-Kreissprecher zeigt sich überrascht

Von der Anfrage seiner Parteikollegen überrascht zeigte sich der AfD Kreisvorstandssprecher Sven Günther. „Die Anfrage war nicht mit uns abgestimmt und darum können wir auch nichts zu der Intention der Anfrage sagen. Wir brauchen etwas Zeit, um das intern aufzuarbeiten“, sagte Sven Günther.

Was die AfD mit so einer Anfrage bezweckt, beschäftigt auch Christoph de Boor. Der Geschäftsführer der Diakonie Mecklenburgische Seenplatte hat die mit der Anfrage ausgelösten Diskussionen und Reaktionen natürlich verfolgt. „Wenn ich die Anfrage der AfD wörtlich nachlese, ist für mich klar erkennbar, dass es der AfD nicht um Menschen mit Behinderung geht, sondern um die eigenen politischen Ziele. Die Verknüpfung von Behinderung mit Migration und Inzucht empfinde ich als Versuch, Grenzen zu verschieben. Dagegen muss man sich wehren und Position beziehen. In unserem Land gab es schon einmal eine Zeit, in der Menschen mit Behinderung das Lebensrecht aberkannt wurde“, sagt de Boor. Er finde es richtig, dass die Sozialverbände so schnell und so eindeutig auf die Anfrage der AfD reagiert haben.

In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hatten 18 Organisationen eine Anzeige geschaltet. „Wir rufen die Bevölkerung auf, wachsam zu sein und sich entschlossen gegen diese unerträgliche Menschen- und Lebensfeindlichkeit zu stellen“, heißt es in dem Warnruf der Sozialverbände aus ganz Deutschland.

 

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