FEST ZUM WENDE-JUBILÄUM

Als 1989 plötzlich 3000 Menschen vor der Kirche in Röbel standen

Was wollten die Menschen im Wendeherbst 1989 in der DDR erreichen? In Röbel will man sich bei einer Veranstaltung daran erinnern.
An die 3000 Menschen zogen im Herbst 1989 durch Röbel und protestierten für ein neues politisches System.
An die 3000 Menschen zogen im Herbst 1989 durch Röbel und protestierten für ein neues politisches System. Nadine Schuldt
In Röbel protestierten im Herbst 1989 tausende Menschen für eine neue politische Ordnung.
In Röbel protestierten im Herbst 1989 tausende Menschen für eine neue politische Ordnung. Nadine Schuldt
Röbel.

„Man hatte gespürt, dass sich etwas im Land verändert“, sagt Hans-Dieter Richter. Der Präsident der Röbeler Stadtvertretung und Leiter des Schulcampus kann sich noch sehr genau an die Stimmung und die Ereignisse im Wendeherbst 1989 in Röbel erinnern. Er war damals dabei, als sich die Menschen Woche für Woche in der Marienkirche trafen. Bereits beim ersten Treff, am 19. Oktober, zog es 1000 Menschen in das dann restlos überfüllte Gotteshaus.

„Schon in der zweiten Woche standen 3000 Leute vor der Kirche“, erzählte Richter, der damals Lehrer an der POS „Richard Sorge“ war. Weil die große Anzahl an Menschen nicht in die Kirche passte, habe man sich damals entschlossen, zum Markt zu gehen und dort schnell ein paar Lautsprecher aufgebaut. Wie aus Dokumenten des Umbruchs hervor geht, wurden dort Vertreter der SED-Kreisleitung sowie der Kreis- und Stadtverwaltung von der Bevölkerung zur Rede gestellt. Dabei blieb alles friedlich. Doch die Stimmung hätte auch kippen können. So waren bei diesem zweiten Treffen 50 bewaffnete Männer der Bereitschaftspolizei Neustrelitz dabei, die glücklicherweise nicht in Aktion traten.

„Stunde des Erinnerns” in der Marienkirche

Dieses Bedrohungsszenario tat dem Aufbegehren in der Bevölkerung keinen Abbruch: Wiederum eine Woche später, am 4. November, trafen sich bereits 3500 Menschen zu einem Protestgang durch Röbel, wie es in den Dokumenten steht. Weitere fünf Tage darauf fand eine erneute Protestveranstaltung auf dem Röbeler Marktplatz statt. Das Neue Forum hatte dort ein Podium mit Vertretern der „Blockparteien“ und dem FDGB organisiert. Noch am selben Abend hörten einige der Protestanten im Radio, dass die Mauer offen sei. „Es passierte etwas Einzigartiges in Deutschland“, bringt es Hans-Dieter Richter auf den Punkt.

Um dieses herausragende Zeit noch einmal in die Köpfe der Menschen zu holen, veranstaltet die Stadt sowie die Kirchengemeinde Röbel am Sonnabend um 18 Uhr eine „Stunde des Erinnerns“ in der Marienkirche. Es seien alle Menschen dazu eingeladen. „Wir wollen gemeinsam daran denken und nach vorn schauen“, sagt Richter. Damals hätte man viele Wünsche gehabt, aber sie wollten an dem Abend auch über die Wünsche für die kommende Zeit reden, machte Richter ein Anliegen des Abends deutlich. Er, Rita sowie Hans-Joachim Seefeld, ein ehemaliger Röbeler Lehrer, und auch Röbels Ex-Bürgermeister Heiner Müller und das amtierende Stadtoberhaupt Andreas Sprick haben sich bei der Gestaltung des Abends mit eingebracht.

So hätte es in den ersten Stunden der Wende viele sogenannte Runde Tische gegeben, an denen sich die verschiedensten Gruppierungen einbringen und beraten wollten, wie man das Leben gestalten sollte, erläutert Richter zurückblickend. Deshalb werde in der Kirche auch ein Runder Tisch und sogar ein Teil der Mauer aufgebaut. Letztere werde an dem Abend symbolisch abgetragen. Auch ein Geschichtsprojekt der Schule werde den Abend begleiten. „Die Schüler Tamea Köppen, Marlon Golz und Maja Winkel werden ein Gespräch mit Anja Sokolow, die 1989 Schülerin in Röbel war, führen“, sagt Hans-Dieter Richter. So werde zudem eine Schülerin auf der Orgel in der Marienkirche spielen. Auch Schüler aus Röbels Partnerstadt Wardenburg werden an dem abwechslungsreichen Abend dabei sein.

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