DREI SCHÜSSE IN HALS UND KOPF

80-Jähriger gesteht Mord an Anwältin in Waren

Im Mordprozess um die tödlichen Schüsse auf eine Anwältin in Waren hat der 80-jährige Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Die Anwältin und ihr Mann hatten ihm jahrelang 94.000 Euro geschuldet.
Carina Göls Carina Göls
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dpa
Der 80-Jährige hat vor Gericht ein Geständnis abgelegt.
Der 80-Jährige hat vor Gericht ein Geständnis abgelegt. Carina Göls
Neubrandenburg.

Im Mordprozess um die tödlichen Schüsse auf eine Rechtsanwältin in Waren hat der 80-Jährige Angeklagte ein Geständnis abgelegt. Die Schüsse seien während einer Auseinandersetzung gefallen, sagte der Warener Rentner am Dienstag am Landgericht Neubrandenburg.

"Ich habe geschossen, weil ich mich bedroht gefühlt habe", sagte der 80-Jährige am Dienstag vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht Neubrandenburg. Er sei aber nicht mit dem Vorsatz dort hingegangen, die Frau zu töten. Es tue ihm leid. Als Motiv gab er an, dass sich der Mann der Anwältin über Jahre hinweg circa 94.000 Euro unter falschen Angaben bei ihm geborgt und nicht zurückgezahlt habe. Aus diesem Grund habe er sich den Traum vom eigenen Haus nicht erfüllen können. Darüber sei es bei der Auseinandersetzung gegangen.

Angeklagter von Beginn an gesprächig

Zum Auftakt des Prozesses hielt sich der 80-jährige Angeklagte einen gelben Aktenordner vors Gesicht. Der Angeklagte zeigte sich gesprächig und schilderte dem Gericht die über 19 Jahre laufende Geldstreitigkeit mit der Anwältin und derem Mann. Bei der Befragung durch den Richter zum Tathergang, zeigte sich der Mann geistesgegenwärtig und konterte so manche Frage. Dabei schwankte er zwischen Tränen, Reue und Ausdrücken völliger Ahnungslosigkeit.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Rentner Mord aus Heimtücke vor. Der Rentner hatte die 67 Jahre alte Anwältin am 1. Februar in ihrer Kanzlei aufgesucht, um die Geldstreitigkeit zu klären. Es kam laut Anklage zum offenen Streit und die Juristin wurde mit drei Schüssen in Hals und Kopf getötet. Einer der Schüsse habe die Frau am Hals getroffen, ein weiterer am unteren linken Auge und der dritte am unteren linken Mundwinkel. Der Mann flüchtete, wurde aber noch am Tatabend in seiner Wohnung festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft liegen umfangreiche Spuren und Indizien vor, die ihn belasten.

Selbst nach Urteil kein Geld

Wie der Angeklagte berichtete, hatte sich der Mann der Anwältin mehrfach unter falschem Vorwand größere Geldsummen bei ihm geborgt. Dazu sei man auch dreimal mit dem Auto der Anwältin nach Luxemburg gefahren, um Geld von einer Bank zu holen. Als er das Geld zurückverlangte, sei er jahrelang hingehalten worden. Das Landgericht Neubrandenburg hatte dem Angeklagten bereits 2015 in einem Zivilprozess gegen die Anwältin und deren Mann Recht gegeben.

Beide schuldeten dem ehemaligen Leiter eines Lagers in Waren rund 94.000 Euro. Doch auch nach dem Urteil sah der Angeklagte kein Geld. Der Ehemann der Anwältin habe ihm sogar verboten, seine Frau noch mal in der Kanzlei zu besuchen, weil sie "den Anblick seiner verkrüppelten Hand nicht ertragen kann." Er habe sich sehr erniedrigt gefühlt. Seine rechte Hand ist seit den 1960er Jahren verkrüppelt. Schließlich habe die Anwältin ihm 2015 versprochen, erst einen Heimplatz für ihren Ehemann zu besorgen, dann das Haus an der Müritz zu verkaufen, und dann könne er auf Geld hoffen.

Angeklagter hatte gedroht, sich umzubringen

Das habe er am 1. Februar 2018 dann klären wollen. "Ich hatte mein Leben lang gespart und wollte mir eigentlich selbst ein Haus bauen", sagte der 80-Jährige. Die Anwältin und ihr Mann hätten ihm seinen Traum und sein Leben kaputt gemacht. Der 80-Jährige war in der Zwischenzeit bereits wegen Depressionen in psychischer Behandlung. In einem Schreiben an die Juristin hatte er 2015 gedroht, sich umzubringen "und jemand aus der Familie der Anwältin mitzunehmen." Das habe aber nur eine Drohung sein sollen, um endlich sein Geld zurückzubekommen, sagte er vor Gericht.

Die Pistole habe er sich in Tschechien besorgt. Die Waffe habe er immer mitgenommen, wenn er irgendwohin ging, wo er sich nicht sicher fühlte. Am Tattag sei ihm die Waffe in der Kanzlei aus der linken Tasche der Jacke gefallen. Daraufhin sei die Anwältin kurz danach aufgestanden, habe ihn ein "geldgieriges Scheusal" genannt und gedroht, "ihm den Locher um die Ohren zu hauen." Da habe er geschossen. In der Haft hatte der Mann der Polizei verraten, wo er die Pistole versteckt hatte.

Die Anwältin hatte ihren Mann, von dem sie seit 2015 bereits getrennt lebte, in ihrem Testament wegen der Betrügereien bereits enterbt, hieß es vor Gericht. Der Prozess wurde am Nachmittag mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Nächster Verhandlungstag ist der 6. August. In dem Verfahren werden auch noch eine Gerichtsmedizinerin und ein psychiatrischer Gutachter zum Zustand des 80-Jährigen angehört. Ein Urteil soll frühestens Ende August fallen.

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Kommentare (2)

Sie war Mittäterin Das Fass ist übergelaufen, die Geduld war zu Ende

Kann man menschlich nachvollziehen, dass irgendwann der Geduldsfaden reisst. Besonders wenns gegen Rechtsanwälte geht, diese geniessen ja offenbar Narrenfreiheit und dürfen sich alles erlauben, ohne Konsequenzen. Sieht man ja an einer Rechtsanwältin aus Neubrandenburg die trotz rechtskräftiger Verurteilung weiter arbeiten darf als Rechtsanwältin. Damit hat sich der "sog." Rechtsstaat leibhaftig nicht mit Ruhm bekleckert. Hilfe im Vorfeld - Fehlanzeige. Menschen die Probleme mit einem Anwalt oder einem übereifrigen Behördenmitarbeiter haben werden rechtslos und hilflos stehen gelassen. Passieren dann solche grauenhafte Taten, die will keiner mildern die Grauenhaftigkeit der Tat, so will man dann besonders "hart" sein. Das sich aber hier der Staat an einem Rentner, einem Schwächeren mal wieder vergreift zeigt die Perversität einiger Staatsanwälte auf, die sich offenbar profilieren wollen, indem sie einen 80jährigen für immer hinter Gitter bringen. Oberstaatanwalt Zeisler sollte sich sofern er noch ein Gewissen hat in Grund und Boden schämen, anstatt großprotzig und großspurig medial im Nordkurier und NDR aufzutreten, vor allem, weil man die Vorgeschichte zur Tat bis heute nicht ausschöpfend beleuchtet hat. Aber ein Staatsanwalt Zeisler klagt ja lieber Reporter an wegen Verleumdung, klagt ja lieber 80jährige an, mit denen er sich schmücken will. Da kann man nur sagen: "Pfui Teufel - Sie widerlicher Staatsanwalt"!!!