Neues Windeignungsgebiet
Angst vor Windrädern am Kleinod

Der Gutshof Woldzegarten wehrt sich gegen Pläne für ein Windeignungsgebiet bei Kogel und hat ein Schreiben an den Planungsverband geschickt.  
Der Gutshof Woldzegarten wehrt sich gegen Pläne für ein Windeignungsgebiet bei Kogel und hat ein Schreiben an den Planungsverband geschickt.
Mario Reincke

Die Idylle am Gutshof Woldzegarten ist gefährdet: Große Windspargel könnten bald den Blick in die Landschaft verstellen. Und Touristen verschrecken?

Mario Reincke, Betriebsleiter vom Gutshof Woldzegarten, ist entsetzt. Im „Entwurf zur Teilfortschreibung des Regionalen Raumentwicklungsprogrammes Mecklenburgische Seenplatte ‚Eignungsgebiete für Windenergieanlagen‘ für die 3. Beteiligungsstufe“ ist auch eine 181 Hektar große Fläche zwischen Kogel, Walow und Woldzegarten vorgesehen. Zwischen 150 und 240 Meter große Windkraftanlagen könnten dort künftig gebaut werden.

Mario Reincke sieht dadurch die Existenz des Gutshofes gefährdet. In einem Schreiben an den Regionalen Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte, dass dem Nordkurier vorliegt, teilt er nun seine Bedenken mit.

Laut Studie weniger Buchungen

So ärgert er sich vor allem über die Argumentation in der dem Entwurf zugrunde liegenden Analyse. Darin heißt es, dass von dem Gebiet keine touristischen Aktivitäten zu erwarten seien. „Diese Argumentation empfinden wir als befremdlich, denn der Gutshof verfügt über 167 Gästebetten und einen Veranstaltungssaal mit bis zu 500 Plätzen“, sagt er. Darüber hinaus befinden sich am Südrand des Gutshofgeländes acht Familienappartements. „Die Gäste in diesen Unterkünften würden künftig direkt auf die Windräder schauen“, moniert Reincke.

Er befürchtet, dass Gäste keinen zweiten Urlaub in der Region buchen, wenn die riesigen Anlagen gebaut werden sollten. Dazu gebe es mittlerweile Studien aus dem In- und Ausland. „Es ist bestätigt, dass sich 98 Prozent der Befragten durch die Dominanz der Anlagen im Landschaftsbild extrem gestört fühlen“, sagt Reincke. Je nach Studie entschieden sich Touristen in bis zu 20 Prozent der Fälle gegen einen Urlaubsort, wenn dort Windenergieanlagen stünden und man sie direkt vor Augen habe.

Viele Arbeitskräfte eingestellt

Für den Gutshof wäre solch eine Entwicklung fatal. Laut Reincke konnte 2017 und 2016 die Belegung von November bis März um 70 Prozent gesteigert werden. Darüber hinaus liege die Jahresauslastung des Hotels bei 67 Prozent. Durch diese Werte konnte die Mitarbeiterzahl von 17 auf 25 Personen gesteigert werden. Aus Reinckes Sicht würde der Bau und die Sichtbarkeit der Windenergieanlagen die positive Weiterentwicklung des touristischen Standortes Woldzegarten stark beschädigen.

Christoph von Kaufmann, Leiter der Geschäftsstelle des Regionalen Planungsverbandes Mecklenburgische Seenplatte, bleibt bei der Thematik ruhig. „Wir sind noch mitten im Beteiligungsverfahren.“ Das müsse man abwarten. Eines machte er deutlich: „Es ist ein Entwurf, zu dem sich jeder äußern kann“, sagt er. Der geänderte Entwurf werde dann erneut ausgelegt.

Planungsziel: 2019

In Sachen touristischer Entwicklung sieht er die Dinge anders als Reincke. So liege das Gebiet an einem Stück der A 19, an dem kein touristisches Domizil wie Linstow angrenze. Darüber hinaus seien Windenergieanlagen laut Baugesetzbuch privilegierte Vorhaben außerhalb von Siedlungsbereichen, die für Wohnen, Erholung, Tourismus und Gesundheit vorgesehen seien. Bei der Genehmigung gehe es darum, ob es sich um eine erhebliche Beeinträchtigung in dem vorgesehenen Gebiet handele.

Christoph von Kaufmann rechnet damit, das die Landesverordnung nicht vor Ende 2019 in Kraft tritt. „Wenn sie beschlossen ist, hat man noch ein Jahr Zeit, um zu klagen.“