TRICKBETRUG

Anruf von falscher JVA als neue Telefon-Betrugsmasche

Eine Müritzerin wollten Betrüger um 10.000 Euro erleichtern. Es war nicht der erste Betrugsversuch, den die Frau erleben musste.
Die Betrugsmaschen weichen vom Inhalt teilweise geringfügig ab, wollen aber allesamt Angst bei den Opfern verbreiten und
Die Betrugsmaschen weichen vom Inhalt teilweise geringfügig ab, wollen aber allesamt Angst bei den Opfern verbreiten und einen Zustand der Wehrlosigkeit vermitteln, erklärt die Polizei. Martin Gerten
Malchow.

Eine Malchowerin hat in ihrem Leben schon Dutzende Betrugsmaschen erlebt. Zum Opfer wurde sie bislang nicht. Betrüger hatten es kürzlich erneut auf ihr Geld abgesehen. Und zwar mit einer Masche, die ihr so noch nicht untergekommen ist. Andere möchte die 62-Jährige, die ihren Namen aus Schutz vor Betrügern nicht öffentlich nennen möchte, nicht geschrieben wissen. Erzählen möchte sie über den einen aber schon: den Anruf der falschen Stuttgarter Justizvollzugsanstalt (JVA).

Eines Montags gegen 13.30 Uhr klingelte das Festnetztelefon. Der Mann am Ende der Telefonleitung gab vor, zur baden-württembergischen JVA zu gehören. „Der Mann nannte nicht mal einen Namen und sprach mit ausländischem Akzent“, erinnerte sich die Frau. Der Enkel der Malchowerin säße im Gefängnis – wegen eines Verkehrsunfalles und der potenziellen Schuld, die ihr Enkel daran tragen solle. Ein Unfall mit mehreren Verletzten und der Enkel im Knast – schon früh war der Frau eines klar: „Ich dachte mir schon, dass es letztlich ums Freikaufen eines Menschen geht.“

Die Frau sollte Recht behalten. Damit der Enkel bis zur Klärung der endgültigen Schuldfrage nicht im Gefängnis bleiben müsse, bräuchte sie „lediglich“ 10 000 Euro auf ein Konto als Kaution zahlen. Die Malchowerin bemerkte den Betrug rechtzeitig, obwohl sie sogar einen Enkel hat – der allerdings sei nicht im Stuttgarter Umland unterwegs.

„Die Betrüger spielen mit der Angst der Menschen, schaffen Vertrauen und bereiten so den Betrug vor“, ordnete Diana Mehlberg, Sprecherin der Neubrandenburger Polizeiinspektion, die Situation ein. Die 62-jährige Betroffene wurde, je mehr Angst um ihren vermeintlichen Enkel ihr versucht wurde, einzureden, immer wütender. Als die Müritzerin ihrer Empörung über das dreiste Vorgehen verbal lautstark Ausdruck verlieh, legte der Betrüger einfach auf. „Nicht einmal fünf Minuten später klingelte mein Festnetz ein weiteres Mal. Diesmal war ein Mann dran, der mir weismachen wollte, ich hätte einen Gewinn gemacht“, so die Frau.

Potenzielle Opfer werden am Telefon eingeschüchtert

Damit sie nicht auf Betrüger hereinfällt, informiere sie sich regelmäßig über neueste Betrugsmaschen, hält Kontakt zu Angehörigen, um abstruse Geschichten gegebenenfalls rechtzeitig entlarven zu können und übe bei jedem Fremden eine gesunde Skepsis, berichtet die Malchowerin.

Nur einmal habe sie vor Unsicherheit nicht weiter gewusst und die Polizeibeamten ihrer Heimatstadt kontaktiert: als sie im vergangenen Jahr abends von einem vermeintlichen Polizisten angerufen wurde. „Er wusste, wo ich wohne und sagte, er stünde in der Nähe meines Wohnhauses“, erzählte die Frau. Der vermeintliche Polizist warnte vor einer rumänischen Bande; einer davon befände sich noch auf der Flucht. Mit der Frage, ob sie denn Zuhause sei, endete das Gespräch.

Suche im Telefonbuch nach altdeutschen Namen

Polizeisprecherin Mehlberg kennt die Masche bereits. Die potenziellen Opfer sollen eingeschüchtert werden; anschließend sollen sie den vermeintlichen Beamten ihr Bargeld und alle Wertgegenstände zum „Schutz“ vor der Diebesbande geben. Während letzteres laut Mehlberg häufiger an der Müritz vorkomme, sei die Masche mit dem JVA-Anruf einer der ersten an der Müritz.

Vom Inhalt weichen die Maschen geringfügig ab, aber sie haben immer dasselbe Ziel, sagte Mehlberg. Das Ziel: Angst zu verbreiten. Derjenige, der das Risiko von betrügerischen Anrufen minimieren möchte, könnte beim Telefoneintrag anfangen. Früher hätten die Kriminellen im Telefonbuch besonders nach altdeutschen Namen gesucht, um ältere Menschen übers Ohr zu hauen.

Auch die Malchowerin steht mit Name und Adresse im Telefonbuch. Nicht nur in der gedruckten, sondern auch in der digitalen Ausgabe im Internet. „Wir können nicht ausschließen, dass Betrüger darauf zurückgreifen, aber sie entwickeln sich mit weiter, indem sie die Daten ihrer potenziellen Opfer auch aus anderen Quellen beziehen“, so Mehlberg. Mitgliedschaften bei Glücksspielorganisationen oder Adressenabgabe beim Lotto könnten laut Polizei solche Quellen sein. Durch derartiges Glücksspiel könnten Betrüger auch die Daten der Malchowerin bekommen haben. Sie frönte und frönt nämlich selbigem.

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