KZ RETZOW

Arbeiten an der Gedenkstätte sind fertig – Eröffnung ist abgesagt

Würdevoll sollte es am 2. Mai in Retzow in der Gedenkstätte zugehen. Wegen der Corona-Krise wird daraus nichts werden.
Sechs Info-Tafeln gibt es auf dem Gelände. Die Namen auf der Stele sollen in den kommenden Wochen noch eingraviert werden
Sechs Info-Tafeln gibt es auf dem Gelände. Die Namen auf der Stele sollen in den kommenden Wochen noch eingraviert werden. Wolf-Dieter Ringguth
Künftig führt ein gepflasterter Weg an den Barackenfundamenten entlang.
Künftig führt ein gepflasterter Weg an den Barackenfundamenten entlang. Nadine Schuldt
Auf Info-Säulen vor den Fundamenten stehen Informationen zu den Baracken.
Auf Info-Säulen vor den Fundamenten stehen Informationen zu den Baracken. Wolf-Dieter Ringguth
Der Halbkreis mit den Info-Tafeln und der Namensstele ist so gut wie fertig.
Der Halbkreis mit den Info-Tafeln und der Namensstele ist so gut wie fertig. Wolf-Dieter Ringguth
Retzow.

Wolf-Dieter Ringguth hat die Reißleine gezogen. Wegen der Coronakrise hat er die Eröffnung der sanierten Gedenkstätte Retzow am 2. Mai abgesagt. Das teilte er auf Nordkurier-Nachfrage mit. „Die Eröffnung ist auf unbestimmte Zeit verschoben“, sagte Ringguth, der Bürgermeister der Gemeinde Rechlin, wozu Retzow zählt. Der 2. Mai war vorgesehen, weil 1945 an diesem Tag das KZ Retzow, ein Außenstandort des KZ Ravensbrück befreit wurde.

Trotz Corona-Krise liefen die Arbeiten auf dem Gelände der Gedenkstätte Retzow weiter und sind nun so gut wie abgeschlossen. „Die Umrisse der Baracke wurden frei gelegt“, sagte Bürgermeister Wolf-Dieter Ringguth. Wegen des milden Winters konnte bis auf wenige Tage durchgearbeitet werden, so Ringguth. So wurde auch ein Gehweg entlang der einstigen Baracken neu gepflastert. Damit auch gehandicapte und ältere Bürger die Gedenkstätte besuchen können, sollte künftig ein ordentlicher Weg vorhanden sein.

Ende November hatten die Arbeiten begonnen. Die Gemeinde hatte eine hundertprozentige Förderung von 150 000 Euro aus dem Strategiefonds der Landesregierung erhalten. Nach der Ausschreibung für die Stahlbau-Arbeiten wurden weitere 30.000 Euro benötigt. Die Gemeinde hatte Glück: Das Innen- und Bildungsministerium sprang ein.

Lager ursprünglich für den Reichsarbeitsdienst gebaut

Mit diesem Geld wurden beispielsweise auch die Tafeln errichtet, die verschiedene Informationen zu den Baracken enthalten. Sie stehen mittlerweile in einem Halbkreis auf dem Gelände. Auch die Stele, auf die die Namen der Häftlinge eingraviert werden sollen, sei schon errichtet worden. „Wenn man Menschen ihre Namen zurück gibt, gibt man ihnen auch ihre Würde zurück“, erläuterte das Gemeindeoberhaupt. Allerdings sei die korrekte Schreibweise noch nicht endgültig recherchiert, weshalb sich das Eingravieren noch ein paar Wochen verzögere.

Damit das Lager nach der Aufwertung auch auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand ist, war vor über zwei Jahren ein „Runder Tisch“ gebildet worden. An dem sitzen neben Vertretern der Gemeinde und der Planerin auch zwei Wissenschaftlerinnen der RAA, der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie. Die Historikerinnen haben bundesweit in Archiven, Namensdatenbanken und Gedenkstätten wie Yad Vashem in Israel recherchiert. Die ehemalige Lehrerin Elke Gamlin hat zudem viele Zeitzeugen interviewt.

Namen der Insassen auf Stelen eingraviert

Dabei kamen sie zu erstaunlichen Erkenntnissen. So wurden die Baracken für das Konzentrationslager Retzow bereits kurz nach Kriegsausbruch 1939 errichtet. Zudem seien es fünf – und nicht wie bislang angenommen vier – Baracken gewesen. „Das Lager wurde ursprünglich für den Reichsarbeitsdienst errichtet“, erklärte Historikerin Nadja Grintzewitsch bei einer Vorstellung vor einigen Monaten vor den Gemeindevertretern. Danach seien dort Zwangsarbeiter gewesen, die auf dem Lärzer Flugplatz arbeiteten.

Durch die Recherche sei auch klar, dass ab Juli 1944 auch Männer in den Baracken des mittlerweile zum KZ gewordenen Lagers untergebracht waren. Anhand von Listen weiß man, dass es zwischen 700 und 900 Männer waren. Bei den Forschungen fand man auch heraus, dass Frauen erst am 13. Februar 1945 ins Lager kamen. Unter ihnen waren auch Judit Varga-Hofmann und ihre Mutter. Die Zeitzeugin hatte die Gedenkstätte im Jahr 2018 besucht.

Ihre Namen sowie die von allen Insassen, von denen etliche in Retzow starben, sollen künftig auf Standort-Tafeln an den Fundamenten der Baracken stehen. Im Rondell im Eingangsbereich stehen dagegen Tafeln, die über die Vorgeschichte, das Leben im Lager, Zwangsarbeit sowie den Todesmarsch und die Befreiung informieren.

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