Pfarrhaus

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Architekten mit Sinn für feine Gastlichkeit

Altes Pfarrhaus“ lädt nach Alt Schwerin.

Ihren Lebenstraum fanden Sabine und Roger Gielson hinter drei Meter hohem Wildwuchs verborgen. Nur der Dachfirst des Pfarrhauses zu Alt Schwerin ragte von der Straße her sichtbar aus diesem Dickicht heraus, als das Kölner Architektenpaar vor zwei Jahren zum Urlaub in die Region fuhr. Das malerische Städtchen Malchow ist benachbart, Radtouren oder Fahrten auf den Wasserwegen bieten sich an. Nach einem Besuch im Agrarhistorischen Museum schlenderten beide durch Alt Schwerin, als das zum Verkauf stehende, seit Auflösung des Pfarramtes 1997 unbewohnte Pfarrhaus ins Auge fiel. „Wir haben schon lange damit geliebäugelt, etwas ganz anderes zu machen“, erzählt die jetzige Inhaberin, „wir wollten ein persönlich geführtes, kleines Hotel mit Restaurant in einem alten, denkmalgeschützten Haus.“Mecklenburg-Vorpommern hatte es ihnen angetan, aber ihre zufällige Entdeckung ging den Gielsons gar nicht mehr aus dem Kopf.

In einem waghalsigen Klettermanöver wurde das Innere des baufälligen Gebäudes in Augenschein genommen. Es folgte der Kauf, von Frühjahr 2003 bis zur Eröffnung am 27. März 2004 wurde umgebaut. „Das Haus ist ungefähr von 1720 und wurde um 1900 grundlegend modernisiert“, so der Ehemann. „Dach, Fenster, Fußböden, Heizung, Installation, alles musste erneuert werden.“Heute erstrahlt der Backsteinbau mit Außenterrasse auf dem parkähnlich angelegten 8500-Quadratmeter- Grundstück zwischen den alten Bäumen. Originalfenster, helle Holzböden und alte Türen zieren die harmonisch gestalteten Räume, deren Wände sind mit Tupf- und Wischtechnik bemalt und mit Antiquitäten ausgestattet. „

Die Inneneinrichtung haben wir selbst gemacht, meine Frau ist dafür durch ganz Nordeuropa gefahren, um das passende Inventar zu suchen“, erklärt Roger Gielson. Haus und Büro in Köln wurden derweil verkauft. Die zukünftige Aufgabenteilung für die Betreuung der Gäste auf bis zu 38 Sitzplätzen und in fünf Doppelzimmern war von Beginn an klar: Er ist im Servicebereich „Mädchen für alles“, sie ist für das Essen zuständig, zwei Hilfen arbeiten zudem im Haus. „Ich habe immer schon gern gekocht“, sagt Sabine Gielson, „erst bürgerlich, dann die französische Küche durch meinen belgischen Mann. Und da wir immer viel in Spanien waren, habe ich zudem einiges von der mediterranen Kochkunst angenommen.“" Gespräche erwünscht "

Die gewonnenen Erkenntnisse spiegeln sich auf der Speisekarte wider. Dort finden sich deftiges Bauernfrühstück neben flambiertem Filetsteak mit Pfirsich oder gebratener Forelle mit Mandelbutter, Salzkartoffeln und Salat. Auf Vorbestellung lassen sich weitere feine Gerichte wie Chateu briand mit Gemüseplatte und Kartoffelkroketten oder etwa ein Hasenrücken mit Bananensauce und Wildreis ordern. Vorweg gibt es frische Salate oder Flüssiges wie etwa eine gratinierte französische Zwiebelsuppe, zum Dessert kann man unter anderem zwischen Crepe mit Amarettosirup oder Roter Grütze wählen. Alle Speisen werden frisch zubereitet, bei den Zutaten, die bei Händlern aus der Region eingekauft werden, steht Qualität vorne an.

Roger Gielson bietet sich dem Gast zudem als Weinberater an. „Das ist bei mir aus gutem Geschmack erwachsen, ich habe als Student gekellnert und mir gewisse Qualitäten herausgearbeitet“, erklärt er.Auf der Weinkarte sind deutsche Weißweine neben jungen chilenischen Weiß- und Rotweinen zu finden, ebenso französische und italienische Rote. Das Gespräch mit den Gästen am Tisch ist durchaus erwünscht und ergibt sich schnell. „Wie lange gibt es Sie schon, Sie sind doch kein Mecklenburger“, hört Roger Gielson oft. Wenn er dann zugibt, er sei ein „Kölscher Jung“, der da arbeitet, wo andere Urlaub machen, ist genug Gesprächsstoff vorhanden. Mit der Resonanz auf ihr Angebot sind die Gielsons sehr zufrieden, nur einmal fing ein älterer Herr am Tisch an zu weinen. „Ich dachte, was habe ich bloß falsch gemacht“, erinnert sich Roger Gielson, die Situation ließ sich klären. „Das war der Sohn des vorletzten Pfarrers, er saß genau da zu Tisch, wo er früher als Kind geschlafen hat. Die Erinnerung daran und nun das gemütliche Beisammensein mit seiner Familie haben den Mann einfach überwältigt.“ Telefon.: 039932 82750