Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Tourismusverbandes wurde die neue Beitragsordnung beschlossen.
Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Tourismusverbandes wurde die neue Beitragsordnung beschlossen. ZVG/Tourismusverband MSE/Drühl
Ärger

Auch Röbel kritisiert den Seenplatten-Tourismusverband

Löst der Austritt der Kleinseenplatte aus dem Tourismusverband einen Domino-Effekt aus? In vielen Gemeinden gibt es Redebedarf und Kritik.
Röbel

Die finanziellen Auswirkungen durch die neue Gebührenordnung des Tourismusverbandes Mecklenburgische Seenplatte trifft die Stadt Röbel nicht sehr hart. Auf Nachfrage bei Stadtsprecher Karsten Thorun hieß es, dass sich die Mitgliedsgebühren von derzeit 1310 Euro auf 2600 Euro verdoppeln würden. Das wurde jetzt auch bei der Sitzung des Hauptausschusses dargestellt. Einzelne Stadtvertreter hätten sich bereits vorher in der Verwaltung einen Überblick geben lassen.

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Klare Rückkehr zur sachlichen Auseinandersetzung gefordert

„Eine weiterführende Diskussion entspann sich hieraus nicht, sodass davon auszugehen ist, dass die finanziellen Mehraufwendungen vorerst aufgebracht werden“, sagte Thorun, schob aber nach, dass in der Sitzung der Stadtvertretung am 31. Mai auch noch Raum für einen Austausch sei, sollten sich noch gravierende Parameter ändern. „Wir nehmen auch wahr, dass es in der Breite der Mitgliedschaft, gerade bei den kommunalen Partnern, uns eingeschlossen, derzeit viele Unstimmigkeiten, Unzufriedenheiten und Unverständnis gibt, wie und in welcher Art und Weise dieser Prozess von oben nach unten durchgedrückt wird und wie in diesem Zusammenhang auch mit kritischen oder abwägenden Positionen umgegangen wird“, sagt Karsten Thorun sehr deutlich.

Die Stadt Röbel fordert von den beteiligten Akteuren eine klare Rückkehr zur sachlichen Auseinandersetzung. „In der jetzigen Form muss man durchaus berechtigte Sorgen um das Gesamtgefüge haben“, sagt Karsten Thorun. Kein Wunder, denn es brodelt in allen Ecken des Kreises. So haben die Stadtvertreter in Stavenhagen klargestellt, dass auch sie sich einen Austritt aus dem Tourismusverband vorbehalten. Ein Jahr lang will sich Stavenhagen jetzt genau anschauen, was der Verband eigentlich für die Stadt leistet.

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Bis zum 30. Juni ist Zeit für eine Entscheidung

Michael Wufka, Chef der Tourist-Info in Plau am See, sagte, dass im Verband keine auf die Zukunft ausgerichtete Philosophie und Strategie erkennbar sei und die Mitgliedschaft von Plau am See ebenfalls zur Diskussion stehe. Der Austritt der Kleinseenplatte hätte eine Signalwirkung. Diskussionen um die Mitgliedschaft werde es ebenfalls in Feldberg geben. „Das Thema wird auch hier bei uns in den Gremien noch für Gesprächsstoff sorgen“, sagte Feldbergs Bürgermeisterin Constance von Buchwaldt (SPD).

Bis zum 30. Juni haben die Mitglieder des Tourismusverbands die Möglichkeit, fristgerecht fürs kommende Jahr zu kündigen. Die neue Beitragsordnung sieht vor, dass für den Jahresbeitrag der Orte und Gemeinden zusätzlich ein Cent pro gewerbliche Übernachtung – ausgehend vom Kalenderjahr 2019 – erhoben wird. Nach Angaben der Warener Verwaltung gab es 761 063 Übernachtungen im Kalenderjahr 2019. Dafür sind dann also 7610 Euro zusätzlich fällig.

Nicht völlig überrascht

Durch die Mitarbeit in der Arbeitsgruppe Finanzen sei die Stadt Röbel entgegen anderer Kommunen über die neuen Beiträge nicht völlig überrascht gewesen. Bereits Ende 2021 habe man durch eigene Recherche die finanziellen Veränderungen grob abschätzen können, die sich dann mit dem Schreiben des Tourismusverbandes Ende Januar an die Mitgliedskommunen auch so bestätigt hatten. Der dort präsentierte Vorschlag habe auch in Röbel zu finanziellen und inhaltlichen Diskussionen rund um die Mitgliedschaft geführt.

Im persönlichen Treffen vorab habe man den Vorsitzenden, Wolf-Dieter Ringguth (CDU), seinen Stellvertreter und den Geschäftsführer Bert Balke, darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Stadt Röbel bei der Mitgliederversammlung des Verbandes am 27. April in Neustrelitz dem Vorschlag keine Zustimmung erteilen werde und auch alternativen Finanzierungsgrundlagen in der Kürze der Zeit nicht final zusagen oder absagen könne. „Darüber haben wir auch im beratenden Kulturausschuss der Stadt Röbel vorinformiert. Dementsprechend haben wir uns auch bei der dann forcierten Abstimmung auf der Mitgliederversammlung enthalten, als über die nun maßgebende Alternative beschlossen wurde“, klärt Thorun auf.

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