SCHOCK IM BÄRENWALD

Auf Bärin Dushi ist geschossen worden

Bei einem Routine-Check wurde herausgefunden, warum die Bärin Dushi nur drei Beine hat. Ein Wildtierarzt hat Hinweise auf ein schreckliches Erlebnis gefunden.
Petra Konermann Petra Konermann
Dushi im Albanischen „Horrorzoo”, aus dem sie im Oktober 2018 befreit wurde.
Dushi im Albanischen „Horrorzoo”, aus dem sie im Oktober 2018 befreit wurde. Helmut Wachter / Vier Pfoten
Auf der Röntgenaufnahme von Dushi verbliebenen Vorderbein sind die Geschoss-Partikel auch für Laien gut zu erkennen.
Auf der Röntgenaufnahme von Dushi verbliebenen Vorderbein sind die Geschoss-Partikel auch für Laien gut zu erkennen. Maria Andresen
Tierarzt Marc Gölkel untersucht das Gebiss von Dushi, das extrem unter den schlechten Haltungsbedingungen in der Vergange
Tierarzt Marc Gölkel untersucht das Gebiss von Dushi, das extrem unter den schlechten Haltungsbedingungen in der Vergangenheit gelitten hatte. Maria Andresen
Stuer.

Bei einem Veterinär-Check, bei dem fünf Bären des Bärenwaldes Müritz untersucht wurden, sind Geschoss-Teile in den Beinen von Bärin Dushi entdeckt worden. Auf den Röntgenbildern ihres verbliebenen Vorderbeines sind zahlreiche Geschosspartikel zu erkennen.

Tierarzt Marc Gölkel vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin zeigte sich überrascht. „Jemand muss auf die Bärin geschossen haben. Vermutlich hat sie im Zuge dessen ihr linkes Vorderbein verloren. Richtig behandelt wurde der Stumpf anschließend nicht, die Wunde ist von allein irgendwie verheilt“, sagte Gölkel.

Bärin musste jahrelang im Dreck leben

Schmerzen durch die Geschosspartikel, die in ihren Vorderbeinen stecken, hat Dushi aber wahrscheinlich nicht. „Die Partikel liegen im Gewebe und sollten der Bärin daher keine Probleme bereiten“, sagt Gölkel. Aus tierärztlicher Sicht müssen die Splitter auch nicht entfernt werden. Der Braunbärin soll so viel Stress wie möglich erspart werden. Gölkel erklärt: „Die Geschosspartikel sind reaktionslos im Weichteilgewebe eingebettet und müssen nicht herausgenommen werden. Die Wunde am Stumpf sieht soweit auch gut verheilt aus.“

Das Martyrium aber ist nicht spurlos an Dushi vorüber gegangen. Die internationale Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“, die auch Träger des Bärenwaldes Mürtz ist, hatte „Dushi“ Oktober 2018 mit zehn anderen, verwahrlosten Wildtieren aus dem Safari Park Zoo in Albanien befreit. Dort musste die Bärin jahrelang im Dreck leben, ohne Zugang zu frischem Wasser.

Zwei Eckzähne der Bärin sind abgebrochen

Nach der gelungenen Rettungsmission brachte „Vier Pfoten“ Dushi vorübergehend im Zoo Tirana unter. Dort konnte sich die Bärin von den Strapazen ihrer Vergangenheit und der aufwändigen Evakuierung aus dem als „Europas schlimmsten Zoo“ bekannten Safari Park erholen.

„Bei ihrer Rettung war Dushi eher zu dünn und wies deutliche Verhaltensstörungen auf”, sagte damals Tierarzt Marc Gölkel, der im Oktober 2018 dabei war. „Seit Dushi artgemäß gefüttert wird, hat sie ein gesundes Gewicht erreicht. Auch an ihrem Fell zeigt sich, dass sich ihr Zustand deutlich verbessert hat.

Nach wie vor dringend behandlungsbedürftig ist aber ihr Gebiss: Zwei ihrer Eckzähne sind abgebrochen und entzündet, und generell weisen ihre Zähne zahlreiche Verletzungen durch das Beißen auf den Käfigstangen und die jahrelange Fehlernährung auf”, hatte Gölkel erklärt. Im April 2019 dann war Dushi in den Bärenwald Müritz übergesiedelt und kann dort endlich ein artgerechtes Leben führen.

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Stuer

zur Homepage