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Aufgeregt und ein Satz warme Ohren

So viel Talent auf ein paar Quadratmetern. Neue Sterne und alte Hasen am Müritzer Musikhimmel geben sich in Ecktannen die Klinke in die Hand. Und geht es nach ihnen, dann könnten es ruhig noch viel mehr werden, die sich am Musikertreffen beteiligen.

Da wurde es ganz schön eng auf der kleinen Bühne. Die Bläser um den Warener Musikschulchef Christian Heuschkel fanden gerade so genügend Platz.
Carsten Schönebeck Da wurde es ganz schön eng auf der kleinen Bühne. Die Bläser um den Warener Musikschulchef Christian Heuschkel fanden gerade so genügend Platz.

Rot und gelb leuchten die Strahler an der Bühne. Und treiben so manchem Musiker die Schweißperlen auf die Stirn. „Schnell runter hier“, raunt so mancher nach dem Auftritt. Aber die winterliche Hitze kann die Freude nicht trüben. Schließlich haben es auch alle eilig, auf die Bühne im Seehotel Ecktannen zu kommen.

Straff getaktet ist der Zeitplan, den die Organisatoren des Musikertreffens aufgestellt haben. 25 Minuten pro Auftritt, kurze Umbaupause. Und schon geht es weiter. Auf diese Weise wird bis tief in die Nacht hinein musiziert. Um Mitternacht ist lange nicht Schluss. „Die Möglichkeit, vor so einer Kulisse aufzutreten, ist natürlich super. Und gleichzeitig trifft man viele Bekannte und Freunde wieder“, sagt Matthias Hübner als einer der vielen Mitwirkenden.

14 Bands, Gruppen, Chöre und sogar ein ganzes Blasorchester geben sich die Notenständer in die Hand. Einige kommen direkt aus Waren, andere aber haben auch die Reise nicht gescheut, um am Wochenende dort zu spielen.

Logistisch nicht ganz einfach. Gerade bei den größeren Truppen. „Es ist Wochenende und da haben viele auch noch private Verpflichtungen“, erklärt Christian Heuschkel einen Umbau im Programm.

Denn der Chef der Warener Musikschule hat seine Bläser-Schäfchen noch nicht alle beieinander, als es eigentlich auf die Bühne gehen soll. Macht nichts. So lange wird unter den Bläser noch gequatscht und gestimmt. Die Bühne rocken derweil Campanella, eine Combo um den Panschenhagener Musiker André Günther-Schellheimer. Bass, Gitarre, Schlagzeug, zwischendurch ein wenig Saxofon.

Und für die Personalprobleme des Blasorchesters findet Moderator Alexander Börst noch eine charmante Ausrede. „Da muss noch schnell ein Instrument organisiert werden.“ Dass der Spieler selbst noch fehlt, ist da nur Nebensache. Ein paar Minuten später sind die Bläser vollzählig. Fast 30 von ihnen zwängen sich auf die Bühne. Heuschkel steht als Dirigent beinahe auf den Tellern der Gäste in der ersten Reihe. Der Saal des Hotels reicht längst nicht aus, um die Musik-Fans zu versorgen. Bar, Außenzelt, selbst in den Eingangsbereich wird das Konzert per Live-Stream übertragen, um mehr Platz zu bieten.

Entsprechend kuschlig ist es auch auf der Bühne. Das treibt den Schweiß noch mehr. Und vielleicht ist das ja auch der Grund, dass das erste Bier nach dem Auftritt besonders gut schmeckt, wie Matthias Hübner lachend versichert.

Der Musiktherapeut leitet den „Heart-Chor“ in Röbel. Ein Chor beim Pop und Rock-Treff? „Wir sind schon ein bisschen die Außenseiter, aber wir machen ja auch keine klassische Chormusik“, sagt Hübner. Im Gegenteil. Hübner arrangiert Pop-Musik für seinen Chor neu. Er begleitet mit Gitarre. Die Chor-Kollegen spielen auch Klavier, Saxofon und Cajón. Mitsingen im Publikum ist explizit erlaubt. Und wer weiß, vielleicht findet sich da ja gleich ein Talent für das nächste Musikertreffen. „Ich glaube, gerade die Männer trauen sich viel zu selten zu singen“, sagt Hübner. Auch im Heart-Chor stellen die Frauen den Löwenanteil der Stimmen. Also Männer, nicht entmutigen lassen, weil es in der Schule während des Stimmbruchs mal nicht geklappt hat. Singen, sagt er, könne schließlich jeder.

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