:

Ausflug endet abrupt auf der Auto-Rennpiste

Ein bisschen zynisch wirkt das Plakat an der B 108, kurz nachdem der Radweg abrupt hier endet. 
Ein bisschen zynisch wirkt das Plakat an der B 108, kurz nachdem der Radweg abrupt hier endet. 
Silke Voß

Nördlich von Waren beginnt ein anderer touristischer Kosmos: Relativ unberührt ist die Gegend, aber auch unberührt von ausgebauten Radwegen. Die Gemeinden fühlen sich mit ihren Wünschen benachteiligt gegenüber der unmittelbaren Müritzregion.

Die zauberhafte Endmoränenlandschaft nördlich von Waren ist unberührt. Das genießen Gäste. Andererseits bemängeln sie die wenigen Möglichkeiten, den Weg in die Mecklenburgische Schweiz auch sanft zu erkunden. Denn wer sich aufs Rad schwingt, hat aufs falsche „Pferd“ gesetzt: Die Gegend ist nämlich auch unberührt, was den Ausbau von Radwegen betrifft. Während sich von Waren in Richtung Röbel und Malchow, also der Müritz sowie im Nationalpark die Radtouristen geradezu tummeln, betritt man nördlich der großen Müritzstadt einen anderen touristischen Kosmos.

Bemühungen, Radtouristen entgegenzukommen, sieht man allenfalls ansatzweise: Wer sich von Waren zu den touristischen Perlen der Mecklenburgischen Schweiz aufmacht, die mit Herrenhäusern, Stille und versteckten Seen punktet, kommt zumindest mit dem Drahtesel unbekümmert nur wenige Kilometer weit: Am Flugplatz Vielist ist Schluss, dann muss er direkt auf die B 108.

Ein Stück Radweg begleitet die B 108 noch zwischen Moltzow und Klocksin-Ausbau, dann endet auch hier die freie Fahrt abrupt. Seit fast fünf Jahren bemüht sich Grabowhöfes Bürgermeister Enrico Malow (CDU) vergebens um die Weiterführung des Weges von Vielist bis Baumgarten, und einen Radweg entlang der stark befahrenen L 205 von Schwenzin in Richtung Jabel bis Abzweig Grabowhöfe. Die Prioritäten sind ihm zuweilen schleierhaft: Denn die K 2 zwischen Klocksin und Blücherhof hat einen Radweg, nur fahren hier weit weniger Autos.

Auch zwischen Rambow, Lupendorf und Ulrichshusen etwa gibt es „keinen einzigen Weg zum Radfahren, nicht mal zum Wandern. Enrico Malow kennt viele ältere Menschen, die aufs Rad angewiesen sind, um in die Stadt zu kommen, und Schüler, die den Drahtesel zur Schule nutzen. Sie nehmen Radwege, die streckenweise eher eine Zumutung sind. Briefe an Kreis, Land und Bundesverkehrsminister seien teils unbeantwortet, teils mit denselben Begründungen fast identischen Wortlauts beantwortet worden: Kein Geld, das nun im Großkreis nicht mehr geworden ist.