STATT TRINKEXPERIMENT

Klasse aus Malchow glänzt mit Alkoholverzicht

Während in Prenzlau ein Trinkexperiment an den Schulen Eltern auf die Barrikaden bringt, hat eine Schulkasse aus Malchow gezeigt, wie ein kritischer Umgang mit Alkohol auch funktionieren kann.
Martina Schwenk Martina Schwenk
Stolz präsentieren Tim Heinsel (vorne) und seine Mitschüler ihre Urkunde. Das Preisgeld kommt in die Abikasse.
Stolz präsentieren Tim Heinsel (vorne) und seine Mitschüler ihre Urkunde. Das Preisgeld kommt in die Abikasse.
Malchow.

Meldungen zu Jugendlichen, die sich bis ins Koma trinken, gibt es immer wieder. Ganz im Gegenteil dazu steht eine Schulaktion der Landeskoordinationsstelle für Suchtthemen. „Klar bleiben – Feiern ohne Alkoholrausch“ wurde das Projekt getauft. Daran nahmen 110 Klassen bundesweit teil, 21 davon aus Mecklenburg-Vorpommern.

Einen Monat sollten die Jugendlichen möglichst ganz auf Alkohol verzichten. Zu denen, die es geschafft haben, gehört die Klasse G 10a der Fleesenseeschule in Malchow. Am Donnerstag wurden ihnen eine Urkunde und 100 Euro für die Klassenkasse überreicht.  In Brandenburg will man sich dem Thema übrigens von der entgegengesetzten Seite her nähern: Unter dem Motto „Lieber schlau als blau” will die Landesregierung dort Schülern im Unterricht Alkohol verabreichen. Eltern sind empört und auch Krankenkassen distanzieren sich von dem Projekt.

Alkohol kritisch betrachten

Für die Malchower Schüler war das Projekt in MV eine schöne Erfahrung, wie Tim Heinsel, Klassensprecher der G 10a, berichtet. „Bei uns haben viele Schüler das Thema Trinken bereits kritisch betrachtet“, sagt der 16-jährige Heinsel. Als die Schulsozialarbeiterinnen der Fleesenseeschule eine Teilnahme an dem Projekt vorschlugen, willigten die Schüler direkt ein. In der Klasse seien alle 15 oder 16 Jahre alt, berichtet Heinsel. Also in einem Alter, in dem viele bereits feiern gehen und auch mal Alkohol trinken würden, sagt er.

Projekt basiert auf Vertrauen

Die Regeln für das Projekt waren einfach. „Einen Monat durften wir nichts oder nur sehr wenig trinken. Jede Woche gab es eine Umfrage, ob und wenn, wie viel jemand getrunken hat. Das basiert natürlich auf Vertrauen. Aber wir haben einen guten Klassenzusammenhalt, wir passen aufeinander auf“, berichtet Heinsel. Maximal zwei Schüler durften in der Woche ein bisschen trinken. In der G 10a verzichteten die Schüler fast komplett auf Alkohol. Damit zählten sie zu den Siegern des Projekts. Neben ihnen schafften das in Mecklenburg-Vorpommern laut der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen nur acht weitere Klassen von den teilnehmenden 21.

Jene, die es schafften, die Regeln einzuhalten, erhielten eine Urkunde und zusätzlich die Chance, bis zu 1000 Euro aus einem Lostopf zu gewinnen. Die G 10a wurde für einen Geldgewinn von 100 Euro gezogen. „Das kommt jetzt in die Abikasse“, sagt Heinsel. Die Urkunde wird im Klassenzimmer aufgehängt.

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Kommentare (3)

Was ist das für eine Gesellschaft wo Kinder Alkohol trinken müssen um die Lehrer zu ertragen? Es gibt genug Gesetze die die Abgabe an Jugendliche regelt . Kontolliert mal die undichten Bezugsquellen oder die Elternhäuser!

Es gibt seltsame Aktionen in Bezug zum Alkohol. Neben dem Trinkexperiment auch ein Vertrauensexperiment. Beim Vertrauensexperiment winkt sogar Geld. Ich lobe bei diesem Vertrauensexperiment die Klassen, die nicht gewonnen haben. Letztlich sind beide Aktionen erwachsener Organisationen an Kindern/Schülern falsche Signale im Umgang mit Alkohol. Ist die Alkoholprävention wirklich so hilflos wie sie mit solchen Aktionen offenbart?

... und darauf trinken wir einen......