Bundesverband
Awo-Affäre hat großen Schaden verursacht

Die Vorkommnisse bei der Awo Müritz und im gesamten Awo-Landesverband MV werden seit drei Jahren mit Argusaugen in der Bundeszentrale der Arbeiterwohlfahrt in Berlin beobachtet.
Die Vorkommnisse bei der Awo Müritz und im gesamten Awo-Landesverband MV werden seit drei Jahren mit Argusaugen in der Bundeszentrale der Arbeiterwohlfahrt in Berlin beobachtet.
Bernd Wüstneck

Der Awo-Bundesverband begrüßt die Verurteilung seines langjährigen Mitarbeiters Peter Olijnyk. Gleichzeitig legt der Awo-Bundes-Chef den Finger in die Wunde der Wohlfahrt.

Die Vorkommnisse bei der Awo Müritz und im gesamten Awo-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern werden seit drei Jahren mit Argusaugen in der Bundeszentrale der Arbeiterwohlfahrt in Berlin beobachtet. Kurz nach Beginn der Awo-Affäre im Sommer 2016 war Awo-Bundes-Chef Wolfgang Stadler sogar selbst zum Krisenmanagement aus der Hauptstadt in die Awo-Geschäftsstelle nach Waren geeilt, um sich vor Ort über die skandalösen Geschehnisse zu informieren.

Am Donnerstag nun, 24 Stunden nach dem Urteil des Oberlandesgerichtes Rostock (OLG) im zivilrechtlichen Verfahren zwischen der Awo Müritz und deren langjährigen Geschäftsführer Peter Olijnyk, meldete sich Stadler per Pressemitteilung zu Wort. „Im Namen der Awo begrüße ich dieses Urteil sehr und erwarte mir davon eine positive Signalwirkung. Die Vorgänge an der Müritz haben der gesamten Awo großen Schaden zugefügt und ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel gesetzt”, sagte Stadler. Aufgrund nicht gültiger Verträge war Olijnyk zur Rückzahlung von zu viel kassierten Gehältern in Höhe von 390.000 Euro verurteilt worden. Damit hatte das OLG ein Urteil aus erster Instanz vom Landgericht Neubrandenburg bestätigt.

Stadler betonte, dass die Awo aus den Vorfällen an der Müritz gelernt und ihr Regelwerk geprüft habe. Bereits Ende 2017 seien laut Stadler Grundsätze unter anderem zur Vergütung von Geschäftsführungen festgelegt worden. Ein aktualisierter Verhaltenskodex ergänze jetzt „das bisherige verbandliche Regelwerk und stellt insbesondere sicher, dass Aufsicht und Führung klar getrennt werden. Aufsichtsorgane und Geschäftsführungen sollen ohne Interessenskonflikte Entscheidungen ausschließlich im Interesse und zum Wohle der Awo und auf der Grundlage der Awo-Werte fällen.”

Awo-Affäre und Folgen nicht aufgearbeitet

Gerade die Verflechtungen von Vorständen und Geschäftsführungen sowie die oftmaligen Verstrickungen von ehrenamtlichen Vorstandsmitgliedern mit ihren privatwirtschaftlichen Interessen hatten in mehreren Awo-Kreisverbänden in MV aber auch beim DRK-Kreisverband Mecklenburgische Seenplatte zu massiver Kritik geführt. Inklusive personeller Konsequenzen: So gab es nicht nur im Awo-Kreisverband Müritz, sondern auch in den Verbänden Malchin/Demmin und Neubrandenburg Rücktritte von Führungskräften.

Noch sind die Awo-Affäre und deren Folgen nicht aufgearbeitet – es laufen noch staatsanwaltliche Ermittlungen und ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss im Landtag. Zusätzlich sorgt die Awo mit umstrittenen Projekten – beispielsweise einer Kita auf der Urlaubsinsel Mallorca – für Schlagzeilen.

Trotzdem glaubt Wolfgang Stadler, dass ein solcher Vorfall wie bei der Awo Müritz nicht mehr möglich sei. „Gerade für einen Verband wie die Awo mit einer besonderen Verantwortung im Umgang mit finanziellen und personellen Ressourcen, besteht eine große Notwendigkeit für transparente Prozesse und Verfahren”, so der Bundes-Vorsitzende der Wohlfahrtsorganisation.