ABWANDERUNG ZUR DRK

Awo lockt Pflegekräfte mit 3000 Euro Begrüßungsprämie

Der Kampf um die Köpfe ist gnadenlos: Fast wie auf dem Transfermarkt der Fußball-Bundesliga wechseln Pflegekräfte gegen bessere Bezahlung von einem Arbeitgeber zum nächsten.
Andreas Becker Andreas Becker
Wettbewerb um Fachkräfte: Die Awo muss in Waren Plätze in der Intensivpflege schließen.
Wettbewerb um Fachkräfte: Die Awo muss in Waren Plätze in der Intensivpflege schließen. Holger Hollemann
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Waren.

Als die Arbeiterwohlfahrt (Awo) an der Müritz vor mehr als einem Jahrzehnt Neuland betrat und Intensivpflegeplätze in einem Altenheim am Ufer des Tiefwarensees anbot, verirrte sich sogar bundespolitische Prominenz nach Waren. Die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zeugte einem Projekt ihren Respekt, das vor zwölf Jahren als einmalig in Deutschland galt. Eine Einrichtung für Menschen, die in der Obhut eines Alten- und Pflegeheims sehr intensiv betreut, meist sogar beatmet werden müssen.

Jetzt aber ist die Intensivpflege bei der Awo Müritz Geschichte. Die Abteilung wurde geschlossen – mangels Pflegekräften. Die sind nämlich zur Konkurrenz abgewandert – zum DRK, das ein paar Meter weiter in Waren ein Hospiz eröffnet hat.

Refinanzierung des neuen Pflegeheims bereitet Mühe

Hört man sich unter den Pflegekräften um, wird hinter vorgehaltener Hand die bessere Bezahlung beim DRK als Grund für den Wechsel genannt. Dass die Awo als attraktiver Arbeitgeber nachlegen muss, hat sie in jüngerer Zeit bereits bewiesen: Pflegekräfte werden in Stellenanzeigen mit einer Begrüßungsprämie gelockt. Auszug aus der Stellenanzeige: „Unser Geschenk für Dich zum Start: Mit unserer Begrüßungsprämie in Höhe von 3000 Euro kannst Du Dir gleich einen Wunsch erfüllen.“ Ob es hilft, neue Arbeitskräfte zu rekrutieren? Aus der Pflegebranche heißt es auch, dass die Awo Müritz Mühe habe, ihre 8,4-Millionen-Euro-Investition in das neue Pflegeheim in Röbel zu refinanzieren. Hintergrund: Es würden Pflegekräfte fehlen, um das Haus mit Bewohnern voll auszulasten.

Bereits in der Bauphase unter dem damaligen Awo-Geschäftsführer Peter Olijnyk hatte die Awo massive Probleme mit dem Projekt. Aufgrund von Finanzierungsproblemen musste gar ein zwischenzeitlicher Baustopp verhängt werden – erst ein kurzfristiger Bankenwechsel sicherte die notwendige Liquidität.

Rückblickend bezeichnete die ehemalige Personalberaterin der Awo Müritz, Elfriede Augustine Rommel, die von Olijnyk vorangetriebene Investition in Röbel als „Sargnagel der Awo“.

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