Unsere Themenseiten

:

Awo-Skandal offenbart finanzielle Probleme

Ex-Chef Peter Olijnyk führte noch im April diesen Jahres persönlich durch den Rohbau der Awo-Einrichtung in Röbel. Kaum jemand ahnte seinerzeit, dass wenige Monate zuvor eine finanzielle Durststrecke überwunden werden musste.
Ex-Chef Peter Olijnyk führte noch im April diesen Jahres persönlich durch den Rohbau der Awo-Einrichtung in Röbel. Kaum jemand ahnte seinerzeit, dass wenige Monate zuvor eine finanzielle Durststrecke überwunden werden musste.
Nadine Schuldt

Die Awo-Affäre hat Entsetzen und Empörung bei den Lesern, Awo-Mitarbeitern und -Mitgliedern ausgelöst. Parallel kommen immer weitere Details des Awo-Sumpfes an die Oberfläche.

Die neue Geschäftsführerin Simone Ehlert hatte im Exklusiv-Gespräch mit dem Nordkurier am vergangenen Montag bereits unmissverständlich deutlich gemacht, dass sie den Awo-Bau einer Pflegeeinrichtung inklusive Betreutes Wohnen in Röbel für „konzeptionell gut, aber wirtschaftlich nicht darstellbar“ halte. Mit dieser Mahnung sei sie allerdings beim damaligen Awo-Führungsduo mit Geschäftsführer Peter Olijnyk und Vorstandschef Götz-Peter Lohmann nicht durchgedrungen.

Wie richtig aber Ehlert mit ihrer Skepsis bei dem 8,4-Millionen-Euro-Projekt lag, kommt jetzt ans Tageslicht. Nach Informationen des Nordkurier hatte es im Sommer 2015 einen Baustopp in Röbel gegeben – aus finanziellen Gründen. Erst durch einen kurzfristigen Wechsel der Bank habe sich die wirtschaftliche Durststrecke überwinden lassen – und es konnte weiter gebaut werden..

Staatsanwaltschaft: Verdacht der Untreue

Missmanagement? Größenwahn? Oder ein Mix aus Beidem? Die Selbstbedienungsmentalität in der Müritzer Awo-Führungsriege stößt vielen Mitarbeitern und Mitgliedern auf. Mittlerweile, so wird von der Basis berichtet, habe es bereits Austritte aus der Awo gegeben. Diese könnten noch beschleunigt werden, wenn im Zuge der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg wegen des Verdachts der Untreue gegen Olijnyk und Lohmann neue Einzelheiten bekannt werden.

Und auch das Ergebnis der Recherchen einer Neustrelitzer Anwaltskanzlei zur Aufklärung der Awo-Affäre darf mit Spannung erwartet werden. Der Awo-Landesverband hatte die Kanzlei damit beauftragt, die offensichtlichen Missstände unter die Lupe zu nehmen. Der Abschlussbericht soll Mitte August veröffentlicht werden.

Zugegeben hat der Vorstand der Awo Müritz in der Zwischenzeit Satzungsverstöße bei Verträgen und Unterschriften sowie das 700 000-Euro-Gehalt, das Götz-Peter Lohmann trotz nicht abrechenbarer Leistungen über Jahre als Angestellter eines hundertprozentigen Tochterunternehmens der Awo Müritz kassiert habe.