:

Bagger im Nationalpark entsetzen die Naturschützer

Das Wasser im Graben am Erlenbruch im Nationalpark Boek sinkt. Naturfreunde sind besorgt, dass Pflanzen und Tiere darunter leiden.
Das Wasser im Graben am Erlenbruch im Nationalpark Boek sinkt. Naturfreunde sind besorgt, dass Pflanzen und Tiere darunter leiden.
Carina Göls

Im Nationalpark in Boek gehen Naturschützer auf die Barrikaden. Nachdem dort ein Graben einfach ausgebaggert wurde, sorgen sie sich um Tiere und Pflanzen. Selbst die Ranger sind entsetzt. Und der Verursacher? Der schweigt.

Umweltfrevel im Naturschutzgebiet? Das kann Joachim Kobel aus dem Nationalparkamt nicht komplett verneinen. „Grenzwertig“ nennt er das, was im Graben am Erlenbruch in Boek geschah.

Weite Teile des jahrelang unberührten Grabens wurden einfach ausgebaggert. Der Besitzer der unmittelbar angrenzenden sogenannten Senderwiesen – ein Warener Unternehmer soll verlasst haben, dass der Wasser- und Bodenverband mit schwerem Gerät aktiv wurde. „Das war so nicht mit mir abgesprochen!“, ärgert sich Kobel. Als Chef des Sachgebietes Flächenentwicklung und Schutzzweckrealisierung habe es in mündlicher Abstimmung mit dem Wiesenbesitzer geheißen, dass ein Durchlass geschaffen werden soll. „Da konnte ich mitgehen. Von Ausbaggern war nie die Rede“, so Kobel.

Frösche und Kraniche - alle weg

Selbst Ranger hätten sich über das Vorgehen im Schutzgebiet gewundert und ihn informiert. „Als ich mir dann angesehen habe, was passiert ist, war ich entsetzt. Der Graben gehört unstrittig zu Nationalparkflächen, zählt aber zum Grenzgebiet und nicht zum Herzstück“, sagt er. Dennoch: Das Ausbaggern sei nicht in Ordnung.

Das finden auch Naturschützer wie Hans-Georg Plate. „Nicht nur, dass seltene Pflanzen hier Raum fanden. Auch die Moorfrösche hatten dort ihre Laichplätze. Hunderte von ihnen müssen getötet worden sein. Ich habe ganz in der Nähe auch ein Kranichpaar mit Gelege beobachtet. Das ist nun auch verschwunden“, sorgt sich Plate. Und auch um die feuchten Flächen im Bruchwald rundherum. „Das wird immer trockener und nimmt Tieren und Pflanzen den Lebensraum. Da ist was gehörig schief gelaufen, nur, um eine Wiese trockenzulegen. Das darf man nicht durchgehen lassen in einem Naturschutzgebiet“, fordert er.

Ein Gespräch soll alles klären

Ganz so dramatisch möchte Joachim Kobel es nicht betrachten. Zumindest was die feuchten Flächen im Bruch-Wald betrifft, könne er beruhigen: „Diese Vernässung kommt nicht vom Graben, sondern vom Specker See.“ In puncto Laich- und Brutstätten gibt er aber zu bedenken, „dass man für Baggerarbeiten üblicherweise den Herbst nutzt“. Die Moorfrösche seien aber eigentlich fertig gewesen mit dem Nachwuchs. „Grünfrösche hingegen könnte es noch getroffen haben“, bedauert er.

Ebenso wie die Tatsache, dass es leider nur eine mündliche Absprache gegeben habe. Ein klärendes Gespräch mit dem Verursacher liegt Kobel am Herzen. Der wollte öffentlich keine Stellung nehmen. Nur so viel, dass an der Sache in der Form nichts dran sei und er sich Anfeindungen ausgesetzt sehe. Er werde in der kommenden Woche mit Joachim Kobel quasi an Ort und Stelle darüber reden, wie es nun weiter gehen kann.