Landwirt in Kritik
Bauer pflügt Papier und Müll im Acker unter

Müll ist auch im Misthaufen.
Müll ist auch im Misthaufen.
Ingmar Nehls

Vor den Toren des Müritz-Nationalparks schüttete ein Bauer große Mengen Altpapier auf einem Feld aus. Und ein Reporter wurde beschimpft und fast überfahren.

Es sind alte Rechnungen, Verpackungsmüll von tierärztlichen Handschuhen, alte Zeitungen. Kein Blick in eine Altpapiertonne, sondern auf ein Feld unmittelbar am Nationalpark in Friedrichsfelde bei Ankershagen. Im Hintergrund rollen Landwirtschaftsfahrzeuge über den Acker, die es eilig haben. Und anscheinend noch eiliger, als sie sehen, das ein unbekanntes Auto am Rand des etwas abgelegenen Feldes steht.

Ein Leser hatte die Redaktion am Montagmorgen auf den Fall aufmerksam gemacht und Alarm geschlagen. Bereits am Sonntag hatte er die Vermüllung entdeckt und hatte nun Sorge, dass der Bauer schneller ist als die Medien und die Papierreste im Boden verschwinden, bevor die Öffentlichkeit davon erfährt.

Unterpflügen soll den Nationalpark schützen

Als der Autor des Textes Fotos von den Altpapierflächen machte, kam ein Mitarbeiter des Betriebes von Günter Ehmen angefahren und stellte ihn zur Rede. Dabei kam er dem Journalisten körperlich sehr nah und beschimpfte ihn als „Nordkurier Pack“. Schon bei der Berichterstattung über die geplante Stallerweiterung hätten die Medien nur Unwahrheiten verbreitet, schimpfte der Mitarbeiter.

Angesprochen auf den Müll auf dem Feld, spielte er die Sache runter, weil es sich ja nur um Papier handeln würde. Auf die Frage, ob das Papier schädlich sei und es vom Wind nicht in den Nationalpark geweht werden könnte, antwortete der wütende Bauer, dass er aus diesem Grund ja das Papier schnell in die Erde bringen wolle.

Ärger wegen Erweiterung des Kuhstalls

Weiterhin behauptete der Mitarbeiter, dass ein unbekannter Dritter den Misthaufen mit den Papierreste verunreinigt hätte und er schon einigen Müll aussortiert habe. „Sie können sich das ja anschauen“, sagte er und beschrieb den Weg zum Misthaufen. Dort angekommen, ließ sich tatsächlich viel Müll im Mist feststellen. Und es kam ein weiterer Mitarbeiter mit einem Fahrzeug angerollt, an dem eine große Dunggabel montiert war. Wäre der Reporter nicht schnell zur Seite gegangen, hätte ihn der Mitarbeiter damit umgefahren, weil er erst spät abbremste. Statt sich zu entschuldigen, forderte der Fahrer, der sich als Bruder des anderen Bauern ausgab, den Reporter auf, sofort das Grundstück zu verlassen.

Die Stimmung zwischen Bewohnern der Gemeinde Ankershagen und dem Landwirtschaftsbetrieb Günter Ehmen ist angespannt. Grund dafür sind die Pläne für eine erhebliche Stallerweiterung. Beabsichtigt ist, den Bestand von 538 Rindern und 90 Kälbchen um mehr als das Doppelte auszudehnen. Die künftige Anlage soll Platz für 1200 Rinder und 230 Kälber bieten. Die Anwohner befürchten eine noch stärkere Geruchsbelästigung und auch mehr landwirtschaftlichen Verkehr. Laut Unterlagen, die der Redaktion vorliegen, soll der Superstall im Februar 2020 in Betrieb genommen werden.

Landwirt kritisiert seinen Kollegen

Als der Nordkurier beim Vorsitzenden des Müritzer Bauernverbands, Thomas Diener, eine Anfrage zu dem Fall stellte, machte sich der gleich auf den Weg, um sich die Sache vor Ort anzuschauen. „Das ist Müllentsorgung, sonst nichts“, kommentierte Diener die Fotos des Reporters. In Friedrichsfelde konnte Diener den verunreinigten Dunghaufen ansehen. „Das gehört da nicht rein und wenn was drin ist, kann man das nicht auf die Felder austragen“, kritisierte Landwirt Diener das Vorgehen der Kollegen.

Nach seiner Einschätzung sei dies aber ein Einzelfall und kein flächendeckendes Problem in der Region. Dennoch würden solche Vorfälle dem Ansehen des Berufsstands schaden, meinte Diener.

Unbedenklichkeitserklärung des Herstellers liegt vor

Auch der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte ist in der Sache aktiv geworden. „Das Umweltamt hatte auf eine entsprechende Anzeige sofort reagiert und mit dem Verursacher gesprochen. Nach dessen Aussage handelt es sich um Reste von kompostierbarem Euterpapier. Eine entsprechende Unbedenklichkeitserklärung des Herstellers liegt dem Umweltamt vor. Offenbar war das noch nicht vollständig verrottete Euterpapier mit dem Mist auf das Feld gelangt“, teilte Kreissprecherin Haidrun Pergande mit.

Tatsächlich lag nicht nur kompostierbares Euterpapier auf dem Feld, wie die Fotos dokumentieren. Der Landwirtschaftsbetrieb habe dem Umweltamt zugesichert, dieses unverzüglich abzusammeln. Nach Ostern will das Umweltamt dazu eine Nachkontrolle vornehmen, wie Haidrun Pergande informierte.

Erst vor kurzem war in Ankershagen Ähnliches passiert.