Landwirtschaft am Müritz-Nationalpark
Bauer will 600 neue Rinder – doch den Nachbarn stinkt’s

Schon im Februar 2020 sollen in dem Betrieb mehr als doppelt so viele Rinder stehen.
Schon im Februar 2020 sollen in dem Betrieb mehr als doppelt so viele Rinder stehen.
Susann Salzmann

Von etwa 600 Rindern auf über 1200: Noch ist die Erweiterung nicht bewilligt, nun gründet sich sogar ein Verein, um die Pläne zu verhindern. Wie sich die Gemeinde zum Vorhaben des Landwirts positioniert, steht noch aus.

Ankershagen – ein idyllisches Örtchen. Zumindest war es das nach Meinung einiger Anwohner bis die Pläne für eine erhebliche Stallerweiterung des Landwirtes Günter Ehmen bekannt geworden sind. Dieser beabsichtigt, seinen vorhandenen Bestand von 538 Rindern und 90 Kälbchen auszudehnen – um mehr als das Doppelte. Die künftige Anlage soll Platz für 1200 Rinder und 230 Kälber bieten.

Bei einigen Anwohnern schrillen angesichts dieser Zahlen die Alarmglocken. Sie befürchten eine noch viel stärkere Geruchsbelästigung als ohnehin schon und auch mehr landwirtschaftlichen Verkehr.

Einwohner wollen wegen Stall wegziehen

Stephan Pirschke und Tina Bartsch sehen daher die Attraktivität des gesamten Ortes, der so nahe am Müritz-Nationalpark liegt, gefährdet. Als Verein „Die Umwelt bewegen“ und auch als Anwohner habe man die Möglichkeit genutzt, Einsicht in die Unterlagen zu nehmen. Danach sollen neben Anpassungen vorhandener Ställe auch ein Rinderstall sowie zwei Gärrestlagerbehälter mit einem Fassungsvolumen von je 5000 Kubikmetern, Silofläche sowie ein Melkstand mit Vorwartehof neu gebaut werden, sagt Pirschke.

Ein weiterer Ankershagener, Steffen Kühl, hat erst vor 14 Jahren ein Haus in dem Dorf gebaut. Der geplante Stall lässt ihn nun überlegen, sein trautes Heim aufzugeben und woanders hinzuziehen. „Wir sind nicht gegen Landwirte vor Ort, aber die Erweiterung steht in keinem Verhältnis“, findet er.

Jens von Helms wohnt schon seit 18 Jahren dort. Sein Haus liegt weniger als 300 Meter von der Anlage entfernt. Auch er erwägt einen Wegzug, befürchtet aber, „dass die Grundstückspreise mit dem Superstall in den Keller gehen“. Er und 15 weitere Mitstreiter sind gerade dabei, einen Verein zu gründen – die Bürgerinitiative Ankershagen. Damit wolle man mit mehr Einfluss gegen den Bau protestieren. Das, was viele Anwohner ärgert, seien Planungen hinter ihrem Rücken. Viele fühlen sich hintergangen.

Gemeinde muss sich positionieren

Dass der Landwirt die Öffentlichkeit mit einbezieht, haben ihm die Gemeindevertreter empfohlen, sagt Ankershagens Bürgermeister Thomas Will. Dort hatte Ehmen sein Projekt bereits im Sommer 2018 angekündigt. Im Juni 2018 soll er auch einen Erweiterungsantrag beim Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt der Seenplatte (Stalu) eingereicht haben.

Voraussichtlich bis Mai sollen die Bürger in einer Inforunde über sein Vorhaben informiert werden, versprach Günter Ehmen dem Bürgermeister. Laut Unterlagen, die der Redaktion vorliegen, soll der Superstall im Februar 2020 in Betrieb genommen werden. Auch die Gemeinde muss sich dazu positionieren. „Ich habe noch nicht alle Fakten; von daher halte ich mich bedeckt“, sagt Will auf Nachfrage.

Übrigens: Das Gesetz sieht zur Vehinderung von Geruchsbelästigung strenge Auflagen vor. So dürfe ein Dorfgebiet 15 Prozent des ganzen Tages mit Immissionen „belastet“ werden, erklärt Stalu-Amtsleiter Christoph Linke.