Klimatag MV

Bauern kritisieren Behörden-Irrsinn und leere Versprechen

Den Landwirten gehen die Pläne der EU-Agrarreform nicht weit genug. Auf dem Klimatag wurden fehlende Wertschöpfung und ständig wechselnde Rahmenbedingungen beklagt.
Wie breit Blühstreifen an Feldern sein können und dürfen, ist eine der vielen Vorschriften, die Landwirte beachten müssen.
Wie breit Blühstreifen an Feldern sein können und dürfen, ist eine der vielen Vorschriften, die Landwirte beachten müssen. NK-Archiv
Landwirt Steven Hirschberg, Professorin Nicole Wrage-Mönnig, Moderatorin Anke Rösler der Klimastiftung, der EU-Abgeo
Landwirt Steven Hirschberg, Professorin Nicole Wrage-Mönnig, Moderatorin Anke Rösler der von Klimastiftung, der EU-Abgeordnete Peter Jahr und Detlef Kurreck diskutierten über Reformpläne (von links). Robin Peters
Ausgetragen wurde der Klimatag vor malerischer Kulisse. Doch nicht alle fanden denn Ort auf Anhieb.
Ausgetragen wurde der Klimatag vor malerischer Kulisse. Doch nicht alle fanden denn Ort auf Anhieb. Robin Peters
Ulrichshusen

Landwirte der Region haben Vertretern aus Politik und Wirtschaft auf Gut Ulrichshusen Ende der Woche erhebliche Diskrepanzen zwischen Klima-Plänen und der Wirklichkeit vor Augen geführt. Kritisiert wurde in der Podiumsdiskussion des dritten Klimatages der Stiftung Klima- und Umweltschutz MV insbesondere der Entwurf der neuen EU-Agrarreform.

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EU-Parlamentarier Peter Jahr (CDU) warb zwar eingangs damit, dass Brüssel fortan weniger direkten Einfluss auf die Landwirte ausübe und sich Bauern offenbar bald aussuchen könnten, an welchen Umwelt-Maßnahmen sie verdienen könnten. Doch Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck stellte schnell klar, dass sich mit keiner Umweltauflage Geld machen lasse. „Wir brauchen das Prinzip ,Schützen durch Nutzen'.” Aus seiner Sicht müssten endlich gute Ideen stärker wertgeschätzt werden. Etablierte, funktionierende Umweltregelungen dürften durch die neue EU-Regelung nicht zurückgeworfen werden. Es fehle weiterhin an Wertschöpfung. So werden unbedingt verarbeitendes Gewerbe oder Markthallen in der Region gebraucht.

Ärger über enge Richtlinien

Noch schärfere Worte fand Landwirt Steven Hirschberg aus der Nähe von Rostock: „Es liegt nicht im Interesse der Landwirte, zur Arbeit zu gehen, nur um Geld von der EU zu bekommen”, so der Vorsitzende der Papendorfer Agrargenossenschaft. Die Produktion müsse weiter im Vordergrund stehen. Umweltmaßnahmen seien wichtig, dürften aber nicht das eigentliche Geschäft aushebeln. „Im Endeffekt müssen wir es uns leisten können.” Schließlich müsse er auch Mitarbeiter bezahlen.

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Hirschberg, der nach eigener Aussage zwar konventionelle Landwirtschaft betreibt, aber weitaus mehr ökologische Leistungen als vorgeschrieben erbringt, störte sich vor allem an engen behördlichen Richtlinien. Dass Grünstreifen nicht größer als vorgeschrieben sein dürfen, egal, ob es nun in die Landschaft passt, bezeichnete er beispielsweise als „Irrsinn”. Außerdem müssten Bauern aus nicht nachvollziehbaren Gründen ihre Grünstreifen zum Teil nur umbrechen, weil es sonst nach fünf Jahren zu Dauergrünland werde. Das lasse sich nur mit enormem bürokratischen Aufwand umkehren. Generell sei es wenig umweltfreundlich, dass der Großteil des hier produzierten Getreides exportiert werde. Andersherum würden hiesige Bäcker ihr Mehl aus dem Süden beziehen.

Mehr Moor-Vernässung gefordert

Uni-Professorin Nicole Wrage-Mönnig fehlte in der Reform überdies die Forderung nach mehr Paludikultur – also die Bewirtschaftung von wiedervernässten Moorflächen. Sie machte deutlich, dass Moore enorm viele Treibhausgase in Mecklenburg-Vorpommern binden. Die Trockenlegung in der Vergangenheit sei zwar nachvollziehbar, schließlich brauchten die Menschen damals etwas zu essen. Jetzt müsse sich aber stärker auf die Wiedervernässung fokussiert, der Boden wieder werden. „Da müssen wir ran”, so Nicole Wrage-Mönnig.

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Allerdings erhielt sie umgehend Kontra aus dem Publikum. So müsste die Wiedervernässung schon über Jahrzehnte gefördert werden, damit dort wirklich reichlich Kohlenstoffdioxid gebunden werden kann. Aber unterstützt werde in der Regel ja nur über kurze Wahlperioden hinweg, so ein Kommentar. Ebenso wurde kritisiert, dass eine Unterstützung der Paludikultur seit rund 20 Jahren versprochen wird. Passiert sei seither aber wenig. Am Ende müssten die Landwirte es ausbaden. „Es ist sicherlich nicht leicht”, räumte Wrage-Mönnig daraufhin ein. Sie sprach sich ebenso für Unterstützung der Bauern aus, die ihre Flächen wiedervernässen und damit Ertragseinbuße hinnehmen müssen.

Rund 50 Gäste besuchten die etwa zweistündige Veranstaltung. Mit der alten Wassermühle auf Gut Ulrichshusen hatten die Organisatoren der Stiftung Klima- und Umweltschutz MV eine malerische Kulisse für die Diskussion gewählt. Allerdings wurde der Austragungsort nur vage kommuniziert, weshalb zahlreiche Gäste – den EU-Abgeordneten Jahr eingeschlossen – erst das rund drei Kilometer entfernte Schloss Ulrichshusen aufsuchten. Entschädigt wurden die Gäste mit Häppchen, Gulaschsuppe und hochwertigen Kugelschreibern der Stiftung.

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Kommentare (2)

Sollen doch die, die den Irrsinn beschließen, mal die Arbeiten des Bauern für 1 Jahr übernehmen. Ob es denn was zu ernten und zu essen gibt, ist jedoch fraglich? Hochdotierte Theoretiker gibts reichlich...... Wer dann auch noch vom umweltschädlichen CO2 faselt, sollte nochmal die Schulbank drücken

👌👍