Multi alias Michael Kuntze führt vor, wie das beim Rennen aussieht. Natürlich trägt er dann Helm und Schutzkleidung.
Multi alias Michael Kuntze führt vor, wie das beim Rennen aussieht. Natürlich trägt er dann Helm und Schutzkleidung.
Rennen auf einem Rad

Beim Dragrace brennt die Mecklenburger Luft

30,48 Meter – das ist die Strecke, auf der bei diesem Rennen so richtig was abgeht. Zum Beispiel auf dem Hinterrad einer TS 150 von MZ. Einem Schrauber aus Ankershagen juckt es da schon mächtig in den Fingern.
Bocksee

Was treibt einen vernunftbegabten Menschen dazu, das Vorderrad seines Motorrads abzuschrauben, durch Kufen zu ersetzen und dann nur auf dem Hinterrad genau 30,48 Meter lange Rennen zu fahren? Michael Kuntze, Zimmerermeister aus Ankershagen, ist so ein vernunftbegabter Mensch. „Das ist mal ganz was anderes, das juckt richtig in den Fingern“, erzählt er über diese Sportart mit Namen Unimoto Dragrace, die aus den USA über den großen Teich nach Europa schwappte.

Das war keine Schnapsidee

Irgendwo in den USA in einer Stammkneipe in den 1980er-Jahren: Beim Bier wird die Idee geboren, einmal etwas ganz anderes auf die Beine zu stellen als die üblichen Veranstaltungen – ein Beschleunigungsrennen auf einrädrigen Bikes. Das Regelwerk wurde passend auf einem Bierdeckel zusammengefasst. Dass das alles keine Schnapsidee war, wurde spätestens 1991 klar. Da gab es den ersten offiziellen Auftritt der „Unimotos“ während der „Daytona Bike Week“.

Und wie kam der neue Sport nun bis nach Ankershagen und Bocksee in Mecklenburg? „In wenigen Jahren wurde Europa von der Idee des Dragrace befallen“, schildert Michael Kuntze, den man eigentlich nur als „Multi“ kennt. Jedenfalls gehört Dragracing nun zu den jüngsten Rennsportarten auch auf deutschen Wiesen, zum Beispiel im vorigen Jahr in Malchin, in diesem Jahr am 26. und 27. April in Bocksee. Dann findet der Bikertreff zum „2. Unimoto Dragrace Müritz Cup“ auf dem Sportplatz statt.

2018 wurde „Multi” Weltmeister

Multi baute vor sechs Jahren das Unimoto Dragrace Team in Ankershagen und Umgebung auf, ist heute Präsident des Vereins, in dem es fünf Aktive gibt. „Ich kam durch einen guten Freund dazu. Der hatte mich mit zu einem Rennen genommen. Ich fand das toll, dachte: Das kann ich auch“, erinnert sich Multi. Und da er schon immer der geborene Schrauber ist, machte er sich daran, eine DDR-Maschine, die TS 150 von MZ, Baujahr 1972, 11 PS, in sein erstes Unimoto zu verwandeln. Dass er dass Dragracing beherrscht, zeigte er zum Beispiel im vorigen Jahr, als er mit seiner dritten Maschine, der „Black Darkness“ mit 65 PS, Fahrerweltmeister wurde.

Was geht ab bei einem Rennen, wie es Ende April auch in Bocksee zu erleben ist? Die Rennstrecke misst 100 Fuß, das sind 30,48 Meter. Die Strecke muss auf einem einzigen Rad zurückgelegt werden. Beim Rennen darf der Boden mit Teilen der Maschine, die sich vor der hinteren Achse befinden, nicht berührt werden. Motor und Vergaser müssen original sein, dürfen also nicht frisiert werden. Alles andere schraubt sich der Könner nach eigenen Ideen zusammen. Es muss ein Not-Stopp vorhanden sein, damit das Bike stoppt, wenn der Fahrer stürzt. Lenker und Bremsen zu montieren ist hingegen eine Kann-Bestimmung.

Das werden zwei tolle Tag in Bocksee!

Obwohl Multi ein vernunftbegabter Mensch ist, freut er sich jetzt schon wie verrückt auf die beiden tollen Tage in Bocksee. Es ist ein internationales Fahrerlager zu Gast, eingeladen sind Dragrace-Teams aus Frankreich, der Schweiz, Polen, Österreich, den Niederlanden, Estland. Rund vier Stunden lang werden Action-Rennen gefahren. Der Sportplatz ist auch Festplatz – mit DJ, Band und Erotik.

Weitere Infos: [email protected] und www.nordic-darkness-msc.de

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