BÜRGERMEISTERWAHL

Beim Rennen ums Warener Rathaus fehlen Frauen

Fünf Männer wollen Warens nächster Bürgermeister werden. Doch wo sind eigentlich die Stadtmütter? Die hat es in Waren lange nicht gegeben.
Im jüngsten Warener Rathaus hat der Chefsessel noch nie einer Frau gehört. Das wird sich auch nach der Bürgerme
Im jüngsten Warener Rathaus hat der Chefsessel noch nie einer Frau gehört. Das wird sich auch nach der Bürgermeister-Wahl im September nicht ändern. NK-Archiv
Waren.

Am 13.  September wird sich zeigen, ob die SPD nach 26 Jahren den Chefsessel im Warener Rathaus verliert, oder ob Norbert Möller weitere sieben Jahre ranhängen kann. Mit Christian Holz (CDU), Toralf Schnur (FDP), Thomas Splitt (parteilos) und Jörg Krüger (Einzelbewerber) gibt es vier Herausforderer. Sicher ist wohl nur eines: Es wird wieder keine Bürgermeisterin geben.

Die letzte hieß Gertrud Appel. Sie war von 1951 bis 1954 Rathaus-Chefin und hatte Inge-Lore Pautsch abgelöst. Von 1990 bis 1994 gab es mit Monika Kunert (CDU) immerhin eine stellvertretende Bürgermeisterin. Seinerzeit wurden die Bürgermeister noch nicht direkt von den Bürgern, sondern von der Stadtvertretung gewählt. Bei der Wahl von Götz-Peter Lohmann (SPD) am 28. Mai 1990 mit 29 Stimmen erhielt Monika Kunert 19 Stimmen und wurde danach zur stellvertretenden Bürgermeisterin gewählt. Diese Funktion behielt sie auch unter Bernd Kautzmann (CDU), der nach dem Rücktritt Lohmanns 1992 bis 1994 Bürgermeister war. Während der längeren Krankheit Kautzmanns amtierte sie 1994 mehrere Monate. Die bislang letzte Frau, die ihren Hut in den Ring warf, war die spätere Landrätin Bettina Paetsch, die 2006 an Günter Rhein (SPD) scheiterte.

Frauenanteil sinkt, je höher es auf der Karriereleiter geht

Waren ist bei dieser Statistik allerdings in maskuliner Gesellschaft. An der Seenplatte sucht man vergeblich nach Bürgermeisterinnen. In keiner der 17 Städte des Landkreises sitzt eine Frau an der Spitze der Verwaltung. Auch im Rest des Landes sieht es nicht anders aus. In den 20 größten Städten gibt es mit Anja Ratzke (parteilos) in Bergen auf Rügen nur eine einzige Bürgermeisterin.

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Auch bei den ehrenamtlichen Bürgermeistern im ländlichen Raum verhält es sich kaum anders. So werden von den zwölf Gemeinden im Amt Seenlandschaft Waren nur vier von Frauen angeführt. Und während in der Warener Stadtverwaltung fast doppelt so viele Frauen wie Männer arbeiten, sinkt der Frauenanteil, je höher es auf der Karriereleiter geht. Bei den vier Ämtern der Stadtverwaltung steht mit Finanzchefin Wera Ulm nur eine Frau an der Spitze.

Stadtverwaltung bietet flexible Arbeitszeitmodelle

„Obwohl Frauen ebenso häufig ein Studium absolvieren und ebenso hoch qualifiziert sind wie Männer, sind sie in den Führungspositionen deutlich unterrepräsentiert“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Stefanie Schabbel. Nach ihrer Einschätzung würden immer noch Eigenschaften belohnt, die Männern zugeschrieben werden. „Es gibt aber auch Barrieren seitens der Frauen auf dem Weg zu Führungspositionen. Ein Teil der kompetenten Frauen schreckt davor zurück, weil sie fürchten, dass sie mehr leisten müssen als ein Mann in derselben Position, dass sie einem vielfach höheren Erwartungsdruck ausgesetzt sind, oder dass es für sie noch schwerer werden wird, Beruf und Familie zu vereinbaren. Wir bieten darum flexible Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit oder Teilzeit an“, sagt Stefanie Schabbel.

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