VERSEUCHUNGS-GRAD UNKLAR

Boden wird nach Eurofighter-Absturz ausgetauscht

Nach dem Eurofighter-Unglück bei Nossentiner Hütte ist das genaue Ausmaß des Umweltschadens immer noch unklar. Dabei geht es nicht nur um möglicherweise versickertes Kerosin.
Susann Salzmann Susann Salzmann
dpa
Viel zu tun für die Bagger. Die an den Absturzstellen abgetragene Erde wird zwischengelagert bis klar ist, ob und wofür sie
Viel zu tun für die Bagger. Die an den Absturzstellen abgetragene Erde wird zwischengelagert bis klar ist, ob und wofür sie noch verwendet werden kann. Susann Salzmann
Nossentiner Hütte.

Ob und wie stark der Boden der Eurofighter-Absturzstellen in einem Waldstück zwischen Jabel und Silz sowie auf einem Gerstenfeld nahe Nossentiner Hütte mit giftigen Stoffen verseucht ist, hat die Bundeswehr-Pressestelle des Kommandos Luftwaffe auch in der fünften Woche nach dem Unglück noch nicht mitgeteilt. Um den Grad der Verunreinigung zu bemessen, wurden vor Wochen Proben von Grünland, Getreide und Baumrinde genommen.

Boden wurde abgetragen

Auch ohne Kenntnis der Kontaminierung wurde in den letzten zwei Wochen durch einen Rostocker Schadstoffsanierer Boden abgetragen. In den Kernbereichen der Absturzstellen entfernte das Unternehmen den Boden bis zu einer Tiefe von 1,2 Meter unter Geländeoberkante, so Presseoffizier Sandro Müller. Doch nicht überall arbeiteten sich die Mitarbeiter eines Umweltservices derart tief in den Boden vor.

„Im weiteren Bereich um die Absturzstelle wurde der Boden um zehn Zentimeter abgetragen, um etwaige Faserreste aufzunehmen“, ergänzt Hauptmann Müller. Mit den Faserresten sind die Kohlefaserverbundstoffe gemeint, die bei Temperaturen über 650 Grad Celsius gesundheitsgefährdende Partikel absondern können.

Wie groß diese jeweiligen Flächen sind, bleibt ebenfalls unklar. Fest steht, dass auf einer Fläche von rund 1500 bis 2000 Quadratmetern Boden in entsprechenden Säcken verstaut wurde. Dort, wo ausgehoben wurde, soll in dieser Woche nach Aussagen des Presseoffiziers mit „sauberem Mutterboden“ aufgefüllt werden.

Was mit der ausgehobenen Erde passiert, steht auch noch nicht fest. Zuerst müsse eine Deklarationsanalyse abgewartet werden, hieß es. Dabei wird untersucht, in welchem Rahmen der Boden eventuell noch verwertet werden könnte – beispielsweise für bergbauliche Rekultivierungsgebiete, Straßenbau und/oder begleitende Erdbaumaßnahmen. Bis die Ergebnisse vorliegen, werde die Erdmasse auf einer dafür zugelassenen Entsorger-Fläche gelagert. Die eigentliche Entsorgung erfolge darüber hinaus in enger Abstimmung mit dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu).

Ermittlungen zur Absturzursache

Wie ein Sprecher der Bundesluftwaffe erklärte, werden die Ermittlungen zur Absturzursache wohl noch mehrere Monate dauern. "Das ist ein sehr komplexes Geschehen." Die Absturzstellen östlich und westlich von Nossentiner Hütte sind von Trümmern geräumt.

"Bei uns ist inzwischen alles wieder relativ normal, nur wenn jetzt ein Flugzeug hier rüberfliegt, ist das ganz anders als vorher", sagte Birgit Kurth, Bürgermeisterin und zuständige Amtsleiterin. Die Leute fänden weiterhin Wrackteile, die in Container gelegt werden.

Bei einer Luftkampfübung waren am 24. Juni zwei von drei Militärjets kollidiert und abgestürzt. Ein Ausbilder-Pilot, dessen Maschine westlich von Nossentiner Hütte in ein Feld stürzte, konnte sich retten. Ein 27 Jahre alter Pilot, dessen Flugzeug in Brand geriet und in einen Wald stürzte, starb.

Alle Nordkurier-Artikel zu der Eurofighter-Tragödie finden Sie hier.

 

 

 

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