Keine Feuerwehr mehr

Bürgermeister will hinwerfen – weil der Brandschutz fehlt

Penkow hat keine eigene Feuerwehr und auch keinen festen Partner mehr, der den Brandschutz für die Gemeinde übernimmt. Der Penkower Ortsvorsteher stellt nun ein Ultimatum.
Die so verlässliche Nachbargemeinde lässt sich für den Brandschutz in Penkow ab 2022 nicht mehr einspannen. Die
Die so verlässliche Nachbargemeinde lässt sich für den Brandschutz in Penkow ab 2022 nicht mehr einspannen. Diese Entscheidung trafen die Göhren-Lebbiner am Dienstag. Foto: Franziska Hessenauer Franziska Hessenauer
Amt Malchow

Im Amt Malchow gibt es einen Krisenherd: Penkow droht, ab 1. Januar 2022 ohne Brandschutz dazustehen. Ein entsprechender Brandschutzvertrag zwischen der Gemeinde Göhren-Lebbin, die bisher aushalf, und Penkow wurde von Ersteren abgelehnt – zur Überraschung des Penkower Ortsvorstehers Jörg Hoffmann.

„Es war eigentlich schon alles klar“, zeigte sich Hoffmann verwundert über die Entscheidung, die im Nachbarort gefallen ist. Drei der Göhren-Lebbiner Gemeindevertreter stimmten dafür, den Brandschutz für Penkow noch ein weiteres Jahr zu übernehmen, weil in Penkow selbst seit mehr als zehn Jahren eine Feuerwehr fehlt. Drei Göhren-Lebbiner stimmten dagegen, einer enthielt sich bei der Entscheidung. Damit ist Penkow ohne Brandschutz. Die Situation ist angespannt. Immerhin heißt es vom Gesetzgeber, dass jede Gemeinde für seinen Brandschutz verantwortlich ist oder sich um funktionierende Alternativen kümmern müsse. Nach Auskunft der Bürgermeister soll es am Freitag ein gemeinsames Gespräch mit ihnen und dem Amt Malchow geben.

Enttäuschung und Empörung

Finde sich dort keine Lösung, will Penkows Bürgermeister Jörg Hoffmann Konsequenzen ziehen. „Ich schmeiße am Freitag hin. Es geht doch hier um einen Ausverkauf“, zeigte sich Hoffmann überaus empört über die Entscheidung. Mit „Ausverkauf“ spielte der Ortsvorsteher auf eine mögliche Gemeindehochzeit an. Vier Nachbargemeinden würden als Traupartner theoretisch infrage kommen: Fünfseen, Göhren-Lebbin, Malchow und Walow. Mit einer Fusion würde Penkow samt seines Ortsteils Kisserow Ortsteil einer anderen Gemeinde werden. Penkow wäre dann nicht mehr eigenständig.

Ähnlich groß wie die Empörung in Penkow scheint bei den Göhren-Lebbinern die Enttäuschung. „Es war bei unserer Sitzung kein Vertreter aus Penkow da“,merkte Lebbins Bürgermeister Torsten Zollmer an. Wer Hilfe suche, müsse auf die anderen auch zugehen. Solches Engagement vermisse er.

Schwarzer Peter liegt nun in Penkow

In einem Punkt sind sich beide Bürgermeister aber einig: Ein Feuerwehrauto und auch ein Feuerwehrdomizil nützt ohne Leute nichts. Beide merkten an, dass es Corona-bedingt keine Lehrgänge für die feuerwehrtechnische Grundausbildung gebe. „Wir warten seit über einem Jahr. Ich habe sechs Leute, die gern eine Truppmannausbildung machen würden“, sagt Zillmer. Die Freude darüber schwinde dieser Tage aber. Denn je länger die Wartezeit, umso höher das Risiko, dass die Freiwilligen abspringen.

Die Städte- und Gemeindetag MV sieht Penkow nun in einer unklaren Rechtssituation. Sollten Brände ausbrechen, „dann wird die Leitstelle eine Feuerwehr hinschicken, aber das könnte dauern“, erklärte Gemeindetag-Jurist Klaus-Michael Glaser. Die Einsätze würden Penkow in Rechnung gestellt – und das würde nach Ansicht Glasers teurer werden als die vierstellige Summe, die Göhren-Lebbin bisher pauschal für den Brandschutz bekam.

Fusion in der Diskussion

„Göhren-Lebbin kann man keinen Vorwurf machen; die Verantwortung liegt bei Penkow“, so Glaser. Für Penkow sei es nun Zeit, ernsthaft über eine Pflichtfeuerwehr nachzudenken – auch wenn dies das letzte Mittel sei.

Dass die Penkower Gemeindevertretung nun den schwarzen Peter zugeschoben bekommt, sich nicht genug oder frühzeitig genug gekümmert zu haben, wies man dort von sich. „Mir wurde gesagt, die Fusionsverhandlungen laufen federführend über das Amt“, so Hoffmann. Und genau aus der Verwaltung soll es dazu geheißen haben, dass Gespräche – auch pandemiebdingt – erst im Neuen Jahr möglich seien. Die Sichtweise des Amtes dazu blieb am Mittwoch im Dunklen. Eine Nachfrage ergab, dass Antworten zum Thema wegen Arbeitsspitzen am Mittwoch nicht möglich gewesen sein sollen.

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