TOUR DURCH DEN OSTEN

Bundestags-Vizepräsidentin trifft Fischer an der Müritz

Wie funktionieren Netzwerke im ländlichen Raum, und was zappelt in den Netzen der Binnenfischer? Dagmar Ziegler machte auf ihrer Osttour Halt an der Müritz.
Johannes Arlt, Dagmar Ziegler, Norbert Möller und Nadine Julitz (v.l.n.r.) ließen sich von Sebastian Paetsch (2.v.r
Johannes Arlt, Dagmar Ziegler, Norbert Möller und Nadine Julitz (v.l.n.r.) ließen sich von Sebastian Paetsch (2.v.r.) über die Situation der Binnenfischer informieren. Ingmar Nehls
Waren ·

Über sieben Brücken musste Dagmar Ziegler nicht. Aber eine reichte schon, um sich die schöne Müritzregion ungeplant im Schritttempo aus dem Dienstwagen anzuschauen. Denn durch die halbseitige Sperrung der Eldenburgbrücke staute sich der Verkehr am Freitag auf der Bundesstraße 192. Wer also nach Waren rein oder raus wollte, so wie die Bundestagsvizepräsidentin von der SPD, musste mehr Zeit mitbringen.

Die ist besonders in Wahlkampfzeiten kostbar, wie die Genossen Johannes Arlt und Nadine Julitz wissen. Die SPD-Landtagskandidatin und der SPD-Bundestagskandidat begleiteten Dagmar Ziegler auf zwei Terminen in der Müritzregion. Zuerst gab es einen Dorfspaziergang in Sietow mit Netzwerk-Gründerin Judith Kenk aus dem Netzwerk Seenplatte. Danach wollte Dagmar Ziegler mehr über andere Netze erfahren und traf sich mit Ulrich und Sebastian Paetsch vom Landesverband der Binnenfischer Mecklenburg-Vorpommern. Praktischerweise dort, wo auch Fische verarbeitet und verkauft werden, beim Fischkaufhaus der Müritzfischer.

Etwas Gutes hatte die Verspätung von SPD-Promi Dagmar Ziegler vielleicht. Denn so konnte sie live miterleben, wie sich schlechte Kommunikation zwischen Behörden auswirkt. Warens Bürgermeister Norbert Möller (SPD) erfuhr von der Sperrung durch das Straßenbauamt Neustrelitz nämlich erst, als die Schilder schon standen, wie er sagte. Möller war ebenfalls zu den Müritzfischern gekommen, um Dagmar Ziegler zu begrüßen.

Fischer bekämpfen Räuber an Land und in der Luft

Seit 2020 ist die gebürtige Leipzigerin Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages. Bei ihrer „Tour durch Ostdeutschland“, die sie seit März durch alle ostdeutschen Bundesländer führt, möchte sie Menschen, Initiativen und Unternehmen kennenlernen, die sich für ihre Region und darüber hinaus einsetzen. Eine überparteiliche Mission, wie sie sagt. „Mich stört, dass die Medien über Ostdeutschland oft nur negativ berichten. Auch wenn es natürlich Probleme gibt, möchte ich zeigen, wie viele Menschen hier engagiert und motiviert zur guten Entwicklung unseres Landes beitragen. Darum besuche ich Unternehmen, Projekte, Bürgerinitiativen und Verbände, um ihnen zu sagen, dass wir sie sehen und um zuzuhören“, erklärte Dagmar Ziegler ihr Anliegen.

Zu sagen hatten Ulrich und Sebastian Paetsch ziemlich viel. Ulrich Paetsch ist seit 30 Jahren Präsident des Landesverbands, sein Junior Sebastian ist Mitglied des Präsidiums und Prokurist bei den Müritzfischern. Schön, aber arm, das ist die Müritz. Zumindest aus Sicht der Fischer, die drei Kilo Fisch pro Hektar pro Jahr aus den großen Seen rausholen. Grund ist der sandige Boden. Nur durch einen Mix aus Direktvermarktung und Tourismus geht das Geschäftsmodell seit vielen Jahren auf. Dennoch kämpft der Traditionsberuf ums Überleben. „Ich kenne Kollegen, die große Teichanlagen betreiben und keinen Nachfolger finden. Dadurch sind wichtige Kulturlandschaften bedroht“, warnt Ulrich Paetsch.

Womit die Fischer kämpfen, sind Räuber an Land und in der Luft. Bei den Teichen fressen sich die Fischotter satt, und auf den Seen holen sich die Kormorane ihre Beute. Brüssel, Schwerin, Berlin? Das Problem werde gerne hin und hergeschoben, aber nicht gelöst. Auch bei Naturschutz sei es wichtig, das richtige Maß zu halten, sagte Dagmar Ziegler. Und bevor sie schließlich weiterfuhr, stand sie wieder im Stau: Vor der Schlange am Fischkaufhaus.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Waren

zur Homepage

Kommentare (3)

,,Eine überparteiliche Mission, wie sie sagt" , genau😉, deswegen sind auch nur SPD Leute auf dem Foto🤔🤔🤔.

Für jemanden der durch Arbeit seinen Lebendunterhalt verdient unwählbar.

👌👍.Das war mal die Arbeiterpartei👎