ARBEITSNIEDERLEGUNG

Busfahrerstreik behindert Schulalltag an der Müritz kaum

Fünf Stunden lang legten Busfahrer der Seenplatte ihre Arbeit nieder, um für bessere Löhne zu streiken. An der Müritz beeinträchtigte das hochgradig den Schülerverkehr. Dennoch herrschte in den Klassenzimmern der Schulen wenig Flaute.
Im Bereich Waren sollen laut MVVG-Geschäftsführer Torsten Grahn rund 90 Prozent des gesamten Fahrpersonals ihre Arbe
Im Bereich Waren sollen laut MVVG-Geschäftsführer Torsten Grahn rund 90 Prozent des gesamten Fahrpersonals ihre Arbeit für fünf Stunden niedergelegt haben. Stephan Radtke
Seenplatte.

Auf das pünktliche Heranrollen der (Schul-)Busse konnten sich Lernende und andere Buspassagiere an der Müritz Donnerstagmorgen nicht verlassen. Ein Großteil des öffentlichen Personennahverkehrs wurde durch einen Streik der Busfahrer in der Müritzregion lahmgelegt, sagte Torsten Grahn, der von 80-prozentigem Leistungsausfall an der Müritz sprach. Grahn ist der Geschäftsführer der Mecklenburgischen Verkehrsbetrieben (MVVG). Damit hinterließ das Bestreiken der Buslinien an der Müritz die tiefsten Einschnitte.

Grund dafür war ein Warnstreik, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte. Festgefahrene Tarifverhandlungen gaben den Ausschlag zu diesem Streik, verriet Gewerkschaftssekretär Andreas Riedl. „Leidtragende waren die Fahrgäste, dafür entschuldigen wir uns. Aber die versprochenen Tarifanpassungen liegen 30 Jahre zurück und wurden bislang nicht erfüllt“, warb er für Verständnis für die Aktion.

Fünf Stunden – von 5 bis 10 Uhr vormittags – haben rund 90 Prozent des MVVG-Fahrpersonals am Standort Waren am Donnerstag für bessere Löhne ihre Arbeit niedergelegt. Während des angekündigten Streiks waren trotz allem vereinzelt Busse mit Sonderfahrberechtigung unterwegs: drei in Waren, zwei in Röbel. Dass auch und insbesondere der Schülerverkehr durch die Maßnahme zum Erliegen kommt, zeichnete sich schon am Vortag ab. Deshalb gab‘s vom Bildungsministerium für alle Bildungseinrichtungen auch eine Dienstanweisung, den betroffenen Eleven das Fehlen bei elterlicher Entschuldigung zu billigen.

Laut Grahn transportiert die MVVG täglich etwa 10.000 Schüler zu den Bildungseinrichtungen und wieder nach Hause. Etwa 2800 bis 3000 Kinder sollen am Donnerstag vom Warnstreik betroffen gewesen sein, schätzte er Auswirkungen ab.

Kaum fehlende Schüler an Bildungseinrichtungen

Am Wossidlo-Gymnasium in Waren haben davon recht wenige Schüler Gebrauch gemacht, sagt Schulleiter Kai Behrns auf Nachfrage. „15 von knapp 600 haben sich ordnungsgemäß bei uns abgemeldet“, antwortet er auf Nordkurier-Nachfrage. Überraschend wenige fehlten auch in den Klassen des Regionalen beruflichen Bildungszentrums der Müritzstadt. Dass die rund 500 Azubis an jenem Tag nicht oder verspätet zur Einrichtung gekommen seien, kann der Vize-Schulleiter Oliver Kracht nur für Einzelfälle bestätigen. „Etwa doppelt so viele Schüler, wie wir sonst an Krankheitsfällen haben, fehlen“, resümierte Sylvia Hänsel, Chefin der Warener Regionalen Schule Waren-West. Auch bei ihnen gab‘s für Schüler mit einem „Muttizettel“ einen entschuldigten Fehltag. Dass dies Einzelne vielleicht ausnutzten, um so die Schule zu schwänzen, könne sie dabei nicht ausschließen.

Die meisten Schüler gab es nach Rücksprache an der Malchower Fleesenseeschule. „Von 294 Fahrschülern, die auf den Bus angewiesen sind, sind wegen des Streikes insgesamt 118 nicht gekommen“, teilte Kornelia Günther als stellvertretende Schulleiterin mit. 176 der Fahrschüler wurden mit Familienengagement zur Schule gebracht. Mit der aber ausgedünnten Schülerzahl mussten in Malchow zwei Klassen zusammengelegt werden. Nichtsdestotrotz: Der rege Einsatz von Eltern und Großeltern am Donnerstag sorgte dafür, dass die Schulräume alles andere als großflächig ausgedünnt waren.

Viele Eltern sind eingesprungen

Auf dem Röbeler Schulcampus hielten sich die Auswirkungen des Busstreikes ebenfalls in Grenzen. „Wo es die Eltern nicht schafften, ihre Kinder in die Schule zu bringen, fehlen die Schüler“, sagte Schulleiter Hans-Dieter Richter. Das seien rund zehn Prozent aller 662 Schüler, also 66 Jugendliche. Die Zahl hätte noch viel größer sein können, wenn viele Eltern nicht eingesprungen wären. „Es ist fantastisch, dass wirklich viele Eltern ihre Kinder hierher gefahren haben“, freute sich der Schulleiter. Über das sogenannte digitale schwarze Brett erhalten die Schüler viele organisatorische Informationen auf ihre E-Mails und konnten so auch ihre Eltern informieren.

Röbels Grundschule erhielt die Infos zum Busstreik dagegen erst nachdem alle Kinder schon zu Hause waren. „Wir hatten dann den Schulelternrat kontaktiert, der noch andere Eltern informieren konnte“, sagte Schulleiterin Christa Schardin. So waren auch die Streik-Auswirkungen in der Einrichtung mit 285 Knirpsen kaum zu spüren. „Es fehlen pro Klasse ein oder zwei Schüler“, sagte Christa Schardin. Die Kinder seien entschuldigt, müssten jedoch wichtigen Stoff nachholen.

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