Stundenlange Staus

Chaos-Baustelle auf der B192 nervt Menschen in der Müritzregion

Die Arbeiten an der B192 zwischen Klink und Waren sind in vollem Gange. Noch ist die Strecke nur halb gesperrt; das Chaos ist aber schon vor der Vollsperrung ausgebrochen.
Stehen und warten in Klink in Richtung Waren: Nach fünf Minuten schaltet die dortige Baustellenampel von Rot auf Grü
Stehen und warten in Klink in Richtung Waren: Nach fünf Minuten schaltet die dortige Baustellenampel von Rot auf Grün. ZVG
B192
B192 Thomas Bachmann
Klink

Eine Rotphase von fünf Minuten, eine vier Kilometer lange Baustelle, teils stundenlanger Stau und kilometerweite Umleitungen: Das ist seit Montag die Realität zwischen Klink und Waren. Die Straßenbauarbeiten auf der B192 strapazieren die Nerven von Hunderten Autofahrern.

Mehr zum Thema: Wichtigste Verkehrsachse an der Müritz wird gesperrt

Obwohl die Vollsperrung der Strecke erst ab 15. Oktober kommt, herrschte schon bei halbseitiger Sperrung chaosähnliche Zustände. Kein Wunder: Die B192 ist die Hauptverkehrsader schlechthin an der Müritz.

Bei der MVVG „haufenweise Reklamationen”

Der Unmut ist riesengroß. Etwa bei ambulanten Pflegediensten wie dem von Nadine Starzak aus Grabowhöfe. Der erste Baustellentag brachte Zeitverzögerungen in der medizinischen Betreuung von mehreren Stunden mit sich, sagte Starzak. „Ein Mitarbeiter stand eine Stunde im Stau, um in Klink bei einem Patienten eine Trachealkanüle zu wechseln; für den Rückweg nach Waren ist er dann 42 Kilometer Umweg über Malchow gefahren”, berichtet Starzak.

Mehr zum Thema: Tauziehen um Termin für Vollsperrung der B192

Rund 100 Patienten betreut der Pflegedienst mit Sitz in Grabowhöfe täglich. Durch die langen Fahrtwege und -zeiten erwägt die Chefin die Einführung von Sonderdiensten, damit Mitarbeiter nicht länger arbeiten als sie dürften. Eine ihrer Angestellten wohnt beispielsweise in Klink. Damit sie pünktlich zur Arbeit kommt, fährt sie in der Zeit der B192-Baustelle mit dem Rad von Zuhause nach Waren; von dort aus nimmt sie ein Kollege mit zur Arbeit.

Fahrten für behinderte Kinder unzumutbar

Unternehmer wie Privatleute klagten vor allem über riesige Staus in den Nachmittagsstunden des Montags. Eltern erzählten, dass ihre Kinder ein bis drei Stunden später als üblich zu Hause ankamen.

Eine Schule, die es in dieser Situation besonders schwer hat, ist die Müritz-Schule zur individuellen Lebensbewältigung in Sietow. Taxen bringen die Kinder prinzipiell nach Hause. Durch die Baustelle oder das Nutzen einer Umleitung von Sietow über Malchow bis in den Möllenhagener/Plastener Bereich zog sich die Heimfahrt über ein, zwei Stunden, berichteten Eltern und Schüler der Schulleitung am Dienstag. Insgesamt 65 Kinder besuchen die Bildungseinrichtung. „Unsere Schüler sind alle schwerst mehrfachbehindert”, so Annika Gierke, Schulsekretärin. Dass die jungen Menschen dann um ein Vielfaches länger im Auto sitzen müssen – freilich mit Maske – sei unzumutbar.

Wassertaxis zwischen Waren und Sietow?

Lösungen müssen her; schon angesichts der Vollsperrung vom 15. bis zum 22. Oktober. So lange halbseitig zwischen Klink und Waren gebaut werde, könnte das Befahren der Baustellen-Strecke Einheimischen vorbehalten werden, schlägt die Schulleitung der Müritz-Schule vor. Touristen sollten gleich über Malchow und Jabel umgeleitet werden, findet Gierke. Die Schule sei für Vorschläge offen; auch für eine freiere Gestaltung/Verschiebung von Unterrichtszeiten. Die Idee eines Wassertaxis von etwa Sietow-Dorf nach Waren lässt sich aber wohl nicht umsetzen.

Vom 15. bis zum 22. Oktober – das ist die Zeit der Vollsperrung – wird es von der Warener Kietzbrücke bis zum Klinker Schlossanleger dank der Weißen Flotte einen Fährverkehr geben. Schüler können ihn kostenlos nutzen; ansonsten gelten MVVG-Tickets. „Für eine Linie brauche ich ein Schiff und Personal”, unterstrich Matthias Klatt von der Weißen Flotte den Aufwand für die Zeit der Baustelle. Dass das Unternehmen ihr Hilfsangebot ausweitet oder damit schon einige Tage früher beginnt, sei nicht möglich. Klatt verweist außerdem darauf, dass es sich lediglich um eine Personenfähre handelt, die dann von Waren nach Klink und umgekehrt verkehrt. Um coronakonform agieren zu können, seien maximal 60 Personen auf der Fähre gestattet.

MVVG regt an, Ampelphasen zu verkürzen

Zu denen, die den Unmut in diesen Stunden merklich zu spüren bekommen, gehört die Mecklenburg-Vorpommersche Verkehrsgesellschaft mbH (MVVG). Das Resümee nach den ersten zwei Tagen mit halbseitig gesperrter Fahrbahn: „Wir bekommen haufenweise Reklamationen. Busse standen teilweise anderthalb Stunden vor der Baustellenampel”, so der verzweifelte MVVG-Chef Torsten Grahn: „Wir wissen nicht, was wir tun sollen”. Rund 300 Beförderungen täglich gebe es nach seinen Aussagen, die nun unmittelbar von den B192-Bauarbeiten betroffen sind. Zusätzliche Busse würden das Problem aber nicht mindern. Grahn regte aber an, die Ampelzeiten zu verkürzen.

Dieser Vorschlag ist inzwischen beim Neustrelitzer Straßenbauamt eingegangen. Vom Leiter Jens Krage hieß es dazu, dass Ampelphasen von einer bis zu drei Minuten noch weniger brächten, weil häufiger angefahren und abgebremst werden müsse.

Verschobene Baumaßnahmen kosten Millionen-Förderung

Worin sich alle Beteiligten sind, ist das immer noch hohe Verkehrsaufkommen, das zum Teil auch auf Urlauber zurückgeht. Die Erhaltungsmaßnahmen zwischen Waren und Klink seien jedoch vonnöten, um Unfälle zu verhindern. Verletzt sich etwa ein Motorradfahrer auf der Strecke wegen Unebenheiten auf der Fahrbahn, werde das Straßenbauamt in die Verantwortung genommen.

Und noch etwas gibt Krage zu bedenken: Wegen Corona und verzögertem Saisonbeginn für den Tourismus seien mehrere Maßnahmen verschoben worden. So auch diese. Andere Vorhaben seien gar nicht umgesetzt worden. Die Folge: „Das Straßenbauamt Neustrelitz muss deshalb vier Millionen Bundesmittel zurückzahlen, weil wir mit den Maßnahmen nicht hinterher kommen”, so Krage auf Nordkurier-Nachfrage.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Klink

zur Homepage