VERANSTALTERIN DES FUSION-FESTIVALS

"Das Gehirn nicht am Eingang abgeben"

Der Streit um die Fusion 2019 hat die Veranstalter belastet, doch sie haben auch gesehen, wie groß ihr Rückhalt in der Region und im Rest des Landes ist. Darüber, und warum das Festival anders ist, sprach eine Veranstalterin in einer Radiosendung.
Simon Voigt Simon Voigt
Haben ihr Gehirn nicht am Eingang abgegeben: Besucher beim Fusion-Festival 2014.
Haben ihr Gehirn nicht am Eingang abgegeben: Besucher beim Fusion-Festival 2014. Simon Voigt
Lärz.

Als der Streit um das diesjährige Fusion-Festival öffentlich wurde, hatten sich schnell mehr als 100.000 Menschen zusammengefunden, um eine Online-Petition „gegen anlasslose Polizeipräsenz auf friedlichen Kulturveranstaltungen” zu unterschreiben. Überregionale Medien berichteten, Politiker machten sich für das Festival in Lärz stark. Und wie ist diese Solidaritätswelle beim Veranstalter-Verein Kulturkosmos angekommen? „Von erschlagen bis weinen”, antwortet Susanne von Essen, die Mitveranstalterin ist. Man habe das Gefühl gehabt, nicht alleine zu sein und das dass Problem, das den Verein schon seit November umtreibt, auch andere Menschen beschäftigt. Von Essen war am Sonntag in der Radiosendung „Nachtclub ÜberPop” bei NDR Info zu Gast und sprach dort eine gute Stunde über die Konfusion bei der diesjährigen Fusion.

Besonders stolz sei man auch auf den Rückhalt in der Region gewesen. „Großartig, wie solidarisch sich die Region für uns gezeigt hat”, so von Essen. Auch überregional sei die Zivilgesellschaft mobilisiert worden.

Von Essen plaudert in der Sendung aus dem Nähkästchen, erzählt, wie das so war, als 1997 die erste Fusion stattfand. Darüber, ob der Name des Festivals nun englisch oder deutsch ausgesprochen wird, bestünde übrigens nicht einmal im Verein Einigkeit. Ansonsten sei man im „Kulturkosmos” mit den 18 Vereinsmitgliedern auf regelmäßigen Plenen stets um Konsens bemüht.

Fakt ist: Der Name „Fusion” sollte von Anfang Programm sein. „Uns hat es nie gereicht zu sagen, wir machen ne tolle Party und der Bass knallt”, sagt von Essen. Man wollte genreübergreifend sein, Künstler und Publikum zusammenbringen. Der Name stünde für die Idee, etwas auszuleben, Utopien zu testen, in eine neue Welt abzutauchen, an anderes Zusammenleben auszuprobieren. Und so sei das Festival immer weiter gewachsen, heute werde es von tausenden Ehrenamtlichen organisiert. Rund 70.000 Besucher kommen jedes Jahr. Und es gibt ein eigenes Sicherheitsteam.

Zusammenarbeit mit Polizei war „großartig”

Und zu diesem Konzept gehöre auch Eigenverantwortung und ein respektvoller Umgang der Besucher untereinander. Also: „Das Gehirn nicht am Eingang abgeben und dann wieder einsammeln.” Es habe immer den Aufruf gegeben, aufeinander zu achten, miteinander zu sprechen, wenn sich jemand unwohl fühle.

Und wenn sich nun mit der Polizei eine andere Ordnungsmacht einschalte, entstünde auf dem Festival ein permanentes Gefühl der Beobachtung, so von Essen. Doch bislang sei das Festival stets mit einem eigenen Sicherheitskonzept ausgekommen. Dann kam die Kehrtwende der Polizei.

„Das hat uns irritiert: Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist in den letzten 22 Jahren großartig gewesen”, sagt die Frau vom Verein zur Kehrtwende, die es in diesem Jahr gegeben hat. Nils Hoffmann-Ritterbusch, der Polizeipräsident von Neubrandenburg, hat für die Fusion 2019 plötzlich mehr Polizeipräsenz gefordert. Konkret ging es um eine temporäre Wache auf dem Gelände und anlassloser Bestreifung. Besonders die Polizeistreifen ohne konkreten Anlass seien eine „rote Linie” für den Verein gewesen. Letztendlich ist es auch nicht so weit gekommen.

Als Neuerung werde es in diesem Jahr eine Polizeiwache am Eingang des Geländes geben, zudem gebe es bei der Polizei einen Ansprechpartner für den Verein. Susanne von Essen betont in der Sendung, dass man einen „respektvollen Umgang” gefunden habe. Sollte es einen Grund für die Polizei geben, das Gelände zu betreten, dann könne dies unter Begleitung der eigenen Sicherheitskräfte immer möglich sein. So sei das in den vergangenen Jahren auch immer gewesen.

„Beste Fusion ever”

Der vom Polizeipräsidium provozierte Streit wurde inzwischen beigelegt. Wie sehr sich nun nach der enormen Aufmerksamkeit das sonst immer stets öffentlichkeitsscheue Festival verändert hat, konnte von Essen in der Sendung noch nicht sagen. Sie geht nur davon aus: „Es wird die schönste, es wir die beste, es wird die tollste Fusion ever.”

Die Sendung Nachtclub ÜberPop zum Thema „Die Fusion-Confusion” (56 Min.) gibt es hier in der NDR-Mediathek als Podcast zum Nachhören.

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